Otto hat seine zweite Erkältung dann doch ziemlich leicht überstanden, und bisher haben sich auch seine Eltern nicht angesteckt. Überhaupt wage ich mich mal an die Behauptung, dass sich unsere Lage und Stimmung im Vergleich zu den erste Monaten verbessert hat. Ich spüre, dass ich mich leichter entspannen kann, dass ich Enttäuschungen besser aushalten kann und das wir regelmäßig einfach als Familie zusammen sein können, ohne das Gefühl eigentlich etwas ganz dringend erledigen zu müssen. Otto ist sehr viel aktiver und selbstständiger. Am 15. November hat er das Krabbeln nach langen Versuchen endlich hingekriegt. Und je besser seine Motorik, desto mehr kann er sich selbst beschäftigen, wodurch wir ab und zu mal kleine Pausen haben.
Diese Woche haben wir seinen Kinderwagen nach vorne gedreht. Otto kann es verkraften uns nicht mehr ständig sehen zu können und kriegt viel mehr zu beobachten, was ihn hoffentlich unterhält, denn besonders gerne war er noch nie im Kinderwagen.
Umso dankbarer sind wir, dass er seit einigen Wochen den Babyträger akzeptiert und sogar zunehmend mag. Wir haben einen zweiten für mich gekauft, damit wir die Träger nicht bei jedem Wechsel verstellen müssen. So kann ich ihn relativ schnell auf einen Spaziergang mitnehmen. Am schönsten ist es, mit ihm in der Mittagspause ans Meer zu gehen. Er mag die Wellen und Vögel, aber vor allem mag er Laternenpfähle gegen den Himmel zu sehen. Leider finde ich es seit meiner Beförderung schwierig genug Zeit für solche Ausflüge zu finden. Die Unmengen Besprechungen und Ottos Schlafrhythmus lässt fast nie die Stunde, die ich brauche. Dadurch komme ich letztens sehr selten aus dem Haus. Werde schon etwas komisch im Kopf, wenn ich drei Tag meine Beine nicht benutzt habe. Wenn es dann am Wochenende auch noch regnet so wie jetzt, muss ich schon wieder aufpassen, dass nichts durchbrennt.
Letztes Wochenende dagegen war eine Freude. Sonntag sind wir mit Ottos endlich mal ins Umweltzentrum gefahren, also das mit den Jurten. Streng genommen war er schon zwei Mal da gewesen, aber noch vor seiner Geburt. Es war ein diesiger Tag, wenige Leute unterwegs, man hatte den Wald für sich. Der klang vor lauter Vogelgesang und ich bin wirklich glücklich, wie aktiv Otto das alles aufnimmt. Ein Wochenende dort mit Kind war schon seit Jahren eine unserer häufigsten Vorstellungen. Mir liegt viel daran, ihm das Naturerlebnis mitzugeben, dass für mich in Brandenburg immer selbstverständlich gewesen war.
Ottos Schlaf ist seit einiger Zeit auch relativ verlässlich und einfach. (Ich sage das mit aller Vorsicht, denn bisher hat es sich nach jeder Feststellung wie dieser sofort verschlechtert.) Abends schläft er meistens fast sofort ein; allerdings ist der Nachtschlaf diese Woche nicht toll gewesen und ich habe nach meinen Schichten verdammt durchgehangen. Tagsüber schläft er seit Kurzem ein, indem er sich zur jeweiligen Person dreht, durch die Stäbe des Bettchens die Hand hält und uns in die Augen blickt. Seine fangen dann irgendwann an zuzufallen.
So ewig wie es mal weg schien, denken wir jetzt zunehmend über das Ende von Ellies Mutterschaftsurlaubs nach. Sie will wenn dann nur Teilzeit arbeiten. Im Idealfall kommt sie sowieso zu mir ins Amt. Dann könnten wir zusammen hier zu Hause arbeiten. Ellies Freundin hat bestätigt, dass sie Otto drei Tage die Woche betreuen wird. Das ist schon mal eine große Erleichterung.
Ich habe die Geschichte von Aladdin aus 1001 Nacht gelesen. Sehr merkwürdig. Außerdem habe ich meinen Mosaikband vom Geburtstag ausgelesen. Brauche also den nächsten, die Abenteuer am Bosporus beispielsweise... Momentan lese ich jeden Abend ein paar Seiten über die Geschichten des antiken Europas.
Schließlich schlaucht mich meine Arbeit momentan ganz schön. Einmal weil ich deswegen nicht viel aus dem Haus komme. Zweitens sind die ganzen Besprechungen anstrengend, weil ich meistens keine Ahnung habe worum es geht. Und ich habe erst jetzt Zugriff auf die notwenigen Systeme, wodurch mir bisher ein Gefühl von echtem Fortschritt fehlt.
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