Letzten Freitag habe ich vergeblich versucht, zu Muttis 60. Geburtstag nach Templin zu fliegen.
Nachdem Mutti uns auf ihrem Besuch das Leben eine Woche lang wirklich einfacher gemacht hatte, und nachdem später einmal alle meine Schuldgefühle wegen des Kontaktmangels mit der Familie einmal aus mir hervorgebrochen waren, war ich entschlossen, trotz aller Umstände zu ihrem Geburtstag zu kommen. Es gibt nämlich seit Monaten nur noch Verbindungen ganz früh oder ganz spät, wenn ich denn nicht ganz weit anfahren will.
Eine Woche vor Abflug wurde ganz Großbritannien richtigerweise auf die Risikoliste gesetzt, d.h. ich brauchte einen negativen Covid Test. Der durfte maximal 48 Stunden alt sein und das Labor braucht mindestens 24 Stunden - ab Eingang der Probe - in Durham am anderen Ende des Landes. Dann informierten uns Freunde, die uns eine Woche vorher einen ganzen Abend besucht hatten, dass sie beide positiv getestet worden waren. Für mich war der Test auch ziemlich schwierig; ich bin kaum an die relevante Stellen im Rachen rangekommen und war mir gar nicht sicher, ob es überhaupt ein klares Ergebnis bringen wird.
Am Abend vor Abflug war noch nichts da. Nichtsdestotrotz stand ich um 4 Uhr auf und fuhr zum Flughafen. Während der Fahrt bekam Ellie ihr negatives Ergebnis (sie hatte das öffentliche Gesundheitssystem benutzt, während ich es privat machen musste). Also war ich wahrscheinlich auch negativ - wenn es denn ein Resultat gab. Auf Gatwick angekommen hatte ich immer noch kein Ergebnis und ich überlegte, trotzdem einfach zu fliegen. Wahrscheinlich würde das Ergebnis ja noch am Freitag kommen, und wenn nicht könnte ich in Deutschland am Flughafen einen Test machen. Nur, sollte der britische Test unklar sein, müsste ich mich isolieren, soweit das Hotel da mitmachte. Und ob der deutsche Test dann rechtzeitig vor meinem Rückflug Montag 7 Uhr käme? Außerdem waren einige Angaben der deutschen Behörden unklar. Der britische Test durfte nicht älter als 48 Stunden sein - aber 48 Stunden vor was? Abflug? Ankunft? Ich hatte ab Abflug gerechnet, um dem Labor mehr Zeit zu geben. Und ein negativer Test kann die 14 Tage Quarantäne unnötig machen - aber was genau heißt das?
Am Ende entschied ich, dass ich nicht riskieren kann, 14 Tage festzustecken und Ellie alleine zu lassen. Ich saß am Abflugsteig und wartete auf ein Ergebnis, bis sie die Tore zumachten. Dann fuhr ich zurück nach Hause. 18 Uhr kam dann das negative Ergebnis. Seitdem ist aus mir ziemlich die Luft raus und ich frage mich, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Besonders, als ich Fotos aus Templin sah. Ich hätte ein Wochenende Urlaub wirklich gebrauchen können. Ellie hat mir am folgenden Tag extra ein Hotelfrühstück gemacht, worauf ich mich so gefreut hatte. Nach 7 Monaten Elterndienst sehnt man sich nach Faulsein. Trotzdem hatte ich gerade nachmittags wieder zu knabbern. Früher hatte ich eine Faustregel, die mit sehr wenigen Ausnahmen immer richtig war, nämlich das man im Zweifel etwas besser tut als es nicht zu tun. Aber am Ende komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass ich momentan keinen Spielraum selbst für kleine Risiken habe, wenn es um Kind und Haushalt geht. Nichtsdestotrotz habe ich irgendwie das Gefühl, dass unsere kleine Blase von Haus, Parks und Strand undurchdringlich ist. Ich hatte auch mal eine weitere Regel, dass einmal getroffene Entscheidungen abgeschlossen sind. Wahrscheinlich muss man dafür ausgeschlafen sein.
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