Sonntag, 23. September 2018

Alte Knochen in Lyme Regis

Um den 22. September sind Ellie und ich auf einen weiteren Wochenendausflug gefahren. Dieses Format gefällt uns mehr und mehr, da es wenig Planung erfordert und Buddha nicht lange allein ist. Dieses Mal ging es nach Lyme Regis, einen relativ kleinen Hafenort in den Klippen an der Südküste der Grafschaft Dorset, drei Autostunden westlich von Portsmouth. Der Ort fällt die steilen Hügel zum Meer hinab; wir hatten eine Wohnung ganz oben. Am Abend unserer Ankunft hatten wir noch Zeit den kleinen Fluss und diverse hübsche, teure alte Häuschen entlang direkt in den Hafen zu laufen. Das war von der Aussicht her schon die schönste Zeit, denn das restliche Wochenende würde es regnen. Das Städtchen selbst ist historisch und hat viele schöne Gassen, aber der eigentliche Trumpf ist das Meer. Man hat eine tolle Blick auf die Steilküste, nach Osten hin bis zur Insel Portland gegenüber des Ortes Weymouth, wo ich vor einigen Jahren mit Mathieu gewesen war. Der Hafen von Lyme Regis ist bekannt für seine Seemauer, den Cobb, der ins tiefe Wasser ragt und eine ruhige Ankerzone ermöglicht, früher für diversen Fracthverkehr, heute für Fischer- und Freizeitboote. Wir sind bis fast zur Spitze gelaufen, wo bei starkem Wind die Wellen anklatschen, während darüber der Vollmond aufging. Bei Dunkelheit haben wir einen ruhigen Tisch in einem Cafe direkt am Meer gefunden; ein Vorteil der Nebensaison.

Samstag hat es fast durchgehend geregnet, aber das war ok. Seine eigentliche Berühmtheit hat Lyme Regis nämlich durch die unzähligen Fossilien erhalten, die bis heute oft an der erodierenden Küste gefunden werden. Hier wurde Paläontologie praktisch geboren, insbesondere durch die heute erst richtig anerkannte Mary Anning. Das war ein armes Mädchen, dass Fossilien an die gnändigen Herrschaften verkaufte und dadurch zur ersten Expertin wurde, durchaus schon zu Lebzeiten anerkannt. Die ganze Stadt ist voller Fossilienläden und auch das Stadtmuseum konzentriert sich auf sie. Als Beispiel für den Fundreichtum: das Lokalmuseum eines Ortes von der Größe Templins hat an der Wand mehrere fast vollständige Skelette großer Dinosaurier hängen. Insbesondere Ichtyosaurier, der von Mary Anning hier zuerst gefunden und identifiziert worden war.
Am Nachmittag sind wir noch in ein zweites, privates Fossilienmuseum gegangen. Das wird von einem Paläontologen und seiner Frau geführt, ist ganz traditionell ein Riesenschaukasten aller seiner Funde, mit selbstgeschriebenen Erklärungen, und hat uns beiden ganz besonders gefallen, nachdem wir es zuerst für altmodisch und amateurhat gehalten hatten. Ich hätte in beiden Museen stundenlang bleiben können, dann ein Buch drüber lesen und damit wieder zurückkommen.
Vor, zwischen und nach den Museen haben wir fleißig Geld ausgegeben. Unter anderem für guten Wein aus einem Laden von Vertretern der Mittelklasse. Auf deren Empfehlung sind wir ganz zum Schluss noch italienisch Essen gegangen; man gönnt sich ja sonst nichts. Dabei haben wir noch gelernt: ein paar Kilometer vor der Küste leben Delfine. 1998 sind die einmal bis in den Hafen gekommen. 
Auf dem Landweg zum Hafen


Blick nach Osten
Die Strandpromenade bis zum Hafen


Im Hafen liegt auch irgendwo das Fischerboot unserer Gastgeber




Der Ort von der Hafenmauer aus gesehen
Nachmittags sind wir durch Zufall noch Zeugen einer Parade des lokalen Armeeregiments geworden. Ich werde mich mein Lebtag nie wirklich daran gewöhnen.

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