Sonntag, 30. September 2018

27. September 2018 - Freizeitkapitän

Ende September habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und war einen Tag auf einem Segelschiff unterwegs. Letztes Jahr hatte ich von einem Verein erfahren, der das anbieten. Sie bieten Touren zwischen einem Tag und mehreren Monaten an. Der Kapitän und Maschinist sind Profis, und es gibt auch eine ständige Crew, aber für die kleinen Touren zumindest besteht die Mannschaft vor allem aus Freiwilligen. Aber man kann nicht einfach Mitglied werden; erst macht man längere Touren mit, dann empfiehlt einen vielleicht jemand.

Aufs Wasser
Die Fahrt ging von Southampton aus und ging früh los, weshalb ich vorher bei Kalina übernachtete. Im Morgennebel radelte ich zum Schiff, was mittelgroß war, mit drei Masten. Gebaut 2000, speziell für den Verein. Bis Frühstück und Sicherheitseinweisung vorbei waren, hatte sich der Nebel gehoben. Der Tag wurde der schönste der ganzen Woche, nicht kalt, auch nicht zu heiß, trotz durchgängiger Sonne. Nur Wind war praktisch keiner. Darum sind wir unter Motorkraft aus dem Hafen und in die Meerenge vor der Isle of Wight gefahren. Dort haben wir über Mittag gar nicht weit von Portsmouth sozusagen geparkt; es gab Mittagessen und einige Übungen und nachmittag sind wir langsam wieder zurück gefahren. Mir wurde gesagt dass man bei Wind die Segel gesetzt hätte und zwischen den Festungen vor Portsmouth bis etwa zur Ostspitze der Isle of Wight gefahren wäre. Hat mich dieses Mal nicht gestört; ich war nur froh, endlich mal auf einer richtigen Segeltour zu sein.

In die Luft
Die größte Übung war, in die Takelage zu klettern. Ich ging als erster, trotz oder wegen meiner Höhenangst. Wir waren dreifach gesichert und dank der Windstelle bewegte sich das Schiff nicht. Ich habe mich natürlich trotzdem so dicht wie möglich an die Takelage gekrallt. Wir sind nur bis zum Nest auf der ersten Rah gestiegen; darüber kommen noch vier bis zur Mastspitze. Der Blick ist toll! Aber nie im Leben würde ich von der Plattform auf die Rah steigen, nur auf einem Seil stehend, vielleicht noch auf einer höheren Etage oder bei Seegang.

Am Rad drehen
Weil ich als erster rauf war stand ich relativ früh am Steuerhaus rum und wurde gefragt ob ich steuern will. Das heißt, alle durften mal, aber ich bekam gute 20 Minuten. Neben mir stand der Kapitän und gab Anweisungen, die ich wiederholen und dann am Steuerrad umsetzen musste. Nur zweimal hat er geschimpft! Der Ingenieur hat mir gezeigt, wie man am Mast vorbei Land anvisiert um zu sehen, wann sich das Schiff zu drehen beginnt. Ich war stolz wie Bolle so ein ganzes Schiff bei bestem Wetter zu steuern; zu spüren wie sich diese Masse nach meinen Angaben bewegt. Außerdem habe ich verstanden, wie nervenaufreibend es sein muss ein Schiff in einen belebten Hafen voll anderer Schiffe zu steuern, kleiner schneller und großer behäbiger. Je größer das Schiff desto träger ist es natürlich und desto langsamer reagiert es. Du musst also Minuten im Voraus berechnen, welche Geschwindigkeit und Richtung du brauchst, wann sie verändert werden müssen, und wo die andere Schiffe sein werden, die ja auch nicht einfach so aus dem Weg springen können. Neben dem Steuern habe ich im Funk die Koordination zwischen einem großen Containerschiff und der Hafenkontrolle mitgehört, dass klang ziemlich stressig. Das ist später auch an uns vorbeigefahren - ein Berg neben uns, und noch nichtmal besonders groß im Vergleich zu anderen.

Das Schiff



Aber morgens hatte es noch so ausgesehen

Die Tenacious, die Hartnäckige. Baujahr 2000, für den Segelverein Jubilee

Da oben hat die Crew die Segel vorbereitet, die dann doch nicht gebraucht wurden
Der Hafen von Southampton mit einem der Kreuzahrtschiffe

Ungefähr 30 Gäste wie ich waren an Bord
Da oben ging es hoch

Zum Glück nur zur ersten Plattform 

aber das sieht ganz anders aus, wenn man erstmal in der Takelage hängt


Nach getanem Abstieg
Mittagessen


Steuerstolz

Vermutlich etwas schwieriger auf so einem Schiff. Beim Steuern hatte ich den Funkverkehr mit der Hafenkontrolle mitgehört.

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