Sonntag, 23. September 2012

Zusammenfassung

Zusammen fahren
Freitag morgen war ich aufgewacht und mein Körper sagte mir, dass ich zulange keine Pause vom Radfahren genommen hatte. Einen Ausflug musste ich aber noch machen, Samstag zur Ruine der Abtei Netley auf halben Weg zwischen Arbeit und Southampton. Dieser Plan war noch lange vor dem Umzug entstanden, als ich in Rostock die Landkarte studierte und mich besorgt fragte ob sich eine Wohnung auf dem Land vermeiden lässt; ob sich die Distanz von einer der Städte fahren lässt. Als ich noch Southampton als Wohnort favorisierte, entdeckte ich den Namen Netley Abbey am Meer und stellte mir träumerisch vor, wie ich nach der Arbeit mit einem Buch dort halten würde, schwimmen und lesen.
Nun ist weder Southampton noch dieser Feierabend wahr geworden, aber die Abtei war immer nah genug für einen Ausflug. Ursprünglich sollte das mit Adriana passieren, jetzt hatte sich vor einer Woche der deutsche Mitbewohner meiner Gastgeberin Charlotte interessiert gezeigt. Auf dem Weg wollten wir auch die Abtei Titchfield besuchen, eben jene in meinem Arbeitsort und direkt neben der Theaterscheune (vgl. 21.08.2012), die ich durch die Arbeitszeiten nie von nahem zu Gesicht bekommen hatte. In der Tat trafen wir uns Samstag morgen am Hafen, er kam von der Insel und ich vom Gespräch mit einer Rumänin, die richtigen, nichtenglischen Kuchen bäckt. (Ich kann ungewöhnlich sozial sein, wenn ich mich allgemein wohl und sicher fühle). Wieder war der Tag gut gewählt, die Sonne strahlte, anders als was für den Sonntag angekündigt war, der endlich als Pause geplant war.
Thomas aus dem Ruhrgebiet ist seit März im Land und war mit dem Teil des Festlands noch nicht vertraut. Wir setzten über den Hafen und fuhren am Meer entlang Richtung Westen, bis zum mehrmals erwähnten Vogelschutzgebiet (vgl. 13.08.2012), und über den ebenfalls bekannten Kanalweg (vgl. 02.09.2012)nach Norden, direkt nach Titchfield. Die dortige Abtei war vom gleichen Bischof wie Netley gegründet worden und bei beiden erwähnt der Lexikonartikel, dass sie eine solide und absolut unspektakuläre Geschichte hatten, bis sie von Heinrich VIII aufgelöst und beide von Höflingen in Privatresidenzen umgewandelt wurden. Von Titchfield ist weit weniger übrig, vom gesamten Klosterkomplex nur der Westteil der Kirche, der in ein betürmtes Torhaus wurde. Dafür ist das Gelände von fruchttragenden Apfelbäumen bewachsen, die ich sehr schätze.
Ich zeigte kurz die ebenfalls bekannten Klosterteiche und dann fuhren wir weiter nach Westen in unbekanntes Gelände, Richtung Netley. Das liegt auf der anderen Seite des Flusses Hamble, sodass wieder eine Fähre anstand, und zwar die süßeste der Welt, eine kleine rosa Nussschale, deren pensionierter Kapitän seine Arbeit an sonnigen Tagen wie diesem liebt. In der Tat war es noch einmal richtig Sommer, der Fluss ein einziger langer Ankerplatz für hunderte Segler und das andere Ufer für Besucher ausgebaut, wo ein ebenfalls Hamble genanntes hübsches Dorf Leuten Gastronomie am Wasser bietet und ich im Minutentakt mitteilte, was mich gerade an das schöne schöne Rostock erinnert.
Einige Kilometer weiter erreichten wir die Abtei Netley, die in ihrer Geschichte der in Titchfield ähnelt, aber viel vollständiger erhalten ist. In der Tat ist es „eine der am vollständigsten Zisterzienserabteien in Südengland“. Im 19. Jahrhundert, als der Geschmack der Romantiker nun das Mittelalterliche entdeckte wurde ihr Wert als pittoreske Ruine entdeckt und alle Spuren des Herrenhauses entfernt, was wiederum moderne Historiker bedauern. Auch heute wurden beide Abteien als Fotomotiv für Hochzeiten genutzt. Nach einem Rundgang machten wir beiden Mittagsruhe unter einer großen Eiche, bevor ich mir mit einem Lexikonausdruck bewaffnet die Gebäude im Detail betrachtete; größtenteils sehr ähnlich zum berühmten Schwesternhaus der Abtei Fountains (vgl. 18.9.2010).

Dann sind wir mit einem Pubaufenthalt den ganzen Weg zurück gefahren, Thomas auf die Insel und ich nach Hause, wo ich noch einmal baden ging, mit richtiger Lust auf kaltes Wasser.

Abtei Titchfield unter einem Apfelbaum. Nur der Südteil der Kirche bleibt, der zum Hauseingang wurde.


Die Fähre über den Fluss Hamble. Der pensionierte Kapitän mag seinen Job sehr.

Das Mastenmeer auf dem Fluss.

Abtei Netley. Eckige Fenster sind Herrenhaus, Spitzbögen Kloster.

Ostfenster der Klosterkirche. Von rechts stiegen die Mönche 2 Uhr morgens zur ersten Messe aus dem Schlafsaal hinab.

Bildung unter einer Eiche; ein Hund ist auch interessiert.

Kircheingang.

Auf der Rückfahrt.
Zusammen singen
Ich bin recht zufrieden mit mir, denn momentan bin ich relativ aktiv. Donnerstag Abend besuche ich jetzt eine weitere, soweit vielversprechende neue Tanzstunde, wo endlich der Umstand berücksichtigt wird, dass wir eben keine Lateinamerikaner mit Musikgefühl sind. Am letzten Mittwoch ist außerdem endlich der Universitätschor zusammengetreten. Wie die der Uni ist er strikt zweite Klasse, ohne Einzelproben der Stimmgruppen und wir singen im Auditorium Maximum, weil es keinen Konzertsaal gibt. Die Stimmqualität ist unverkennbar mangelbelastet und wir haben ganze sieben Tenöre. Mir fehlt die Professionalität der HMT, ganz zu schweigen vom Stadthafen am Abend danach. Ja, manchmal vermisse ich die ganze elende Arbeitslosigkeit. Aber zumindest gibt es einen Chor, denn die Uni Portsmouth hat gar kein Musikstudium, nur eine Musikgesellschaft. Der Dirigent ist motiviert und schafft es, trotz Verantwortung für alle vier Gruppen auf einmal, den Chor in dieselbe Richtung zu steuern. Sein Humor ist sich der Herausforderung klar bewusst (Noten und Worte sind nicht wichtig, sondern dass es laut ist!) und das Prinzip lautet, wenn schon nicht gut dann wenigstens Spaß dabei. Er ist erstaunlich gut vorbereitet und zwar vor allem auf Anfänger, kennt die Noten genau und weiß auch, was Laien nicht verstehen werden. Insbesondere gibt er sehr viel Hintergrundwissen über die Carmina Burana. Das sind ja säkulare Lieder, die in der Beschreibung ihrer Welt kein Blatt vor den Mund nehmen. Und auf einmal versteht man den beißenden Witz einer Zeile Latein, dass alles und jeder gerne trinkt.

Zusammen wohnen
Auch meine Suche nach Gesellschaft macht vorsichtige Fortschritte. Freitag Abend hat mich das spanische Pärchen besucht und wir haben spanisches Omelett gemacht. Am Morgen muss Monika ausgezogen sein, ohne ein weiteres Wort, aber dafür hat sie mir ihre übrigen Lebensmittel in den Schrank gestellt, wer daraus schlau wird... Ich habe bereits neue Mitbewohner, da offensichtlich das neue Semester losgegangen ist. Matty ist im zweiten Jahr Illustration/Gestaltung, hat einen merkwürdigen Schlafrhythmus und ist meiner Ansicht nach sehr jung und etwas verwirrt. Alex ist im letzten Jahr (was hier drüben vermutlich das dritte ist, weil der zweite mögliche Teil eines Studiums ja nur ein Jahr dauert) Architektur und sieht dementsprechend seriös aus. Zori schließlich ist wohl auch um die 21 und soll Montag eintreffen, Bulgarin sein, die aber hier aufgewachsen ist, und sehr gerne putzt. Daher hoffe ich, dass wir hier einen ruhigen und vor allem sauberen Haushalt führen können. Die Gespräche mit Charlotte haben nämlich alle schlechten Erfahrungen mit englischen Studenten wieder wachgerufen. Matty und Alex bringen ihre Fahrräder mit, was den Schuppen eng macht. Matty schläft nicht nur zu komischen Zeiten sondern offenbar auch leicht, weshalb ich zugestimmt habe, die Zimmer zu tauschen, da an meinem weniger Leute vorbeilaufen. Jetzt wohne ich im Erdgeschoss direkt unter meinem alten Raum. Die Decke ist etwas höher und hat eine sehr schöne Stuckrose, die gut zu meinen Kunstposter im Jugendstil passen. Hoffentlich irre ich mich mit meinem besseren Schlaf nicht.

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