Für
Samstag hatte ich einen ernsthaft guten Plan: am Tudorhaus in
Southampton fand ein Tudorfest (Zeit der englischen Renaissance &
Reformation) statt und die Leute vom historischen Dorf Gosport (vgl.
27.08.2012) nahmen mich mit – komplett mit Kostüm. Das Fest
bestand aus einem zeitgemäßen Markt im Rest der Altstadt, auf dem
Platz zwischen dem Tudorhaus (ein zeittypisches Fachwerkgebäude,
heute Museum) und der St. Michaelskirche (der einzigen von 5 in
der Altstadt, die 1940 überlebt hat). Ich hatte das mit Abstand
coolste Kostüm innerhalb der Stadtmauern und spielte je nach Lust
einen deutschen Wollhändler, oder einen deutschen Offizier, der das
neue stehende Heer Heinrich VIII. ausbilden sollte, der sich ja
gerade mit dem Papst überworfen hatte. Ich musste auch nicht mehr
machen, als stolz herumzustolzieren, was mit eine Schwert im Gürtel
ganz von alleine kommt. Und eins muss man sagen – damals wurde noch
richtige Kleidung gemacht! Ich spielte nicht nur Adel, ich muss auch
so ausgesehen haben, denn es war gar nicht zu übersehen, welche
Blicke ich anzog. Ganz abgesehen von diversen Bitten um ein Foto,
inklusive einige ebenfalls adliger Ladies. Ich war an keinen Stand
gebunden und konnte die Altstadt inspizieren, von der ich gar nichts
wusste. Zwar hatte der Krieg auch nicht viel von ihr übrig gelassen,
aber es gibt doch einige Häuser, Türme und eine ganze Länge
Stadtmauer waren noch zu besichtigen. Das Tudorhaus selbst war mir zu
voll, sodass ich gleich beschloss, am Sonntag gleich nochmal zurückzukommen.
Samstag
abend fand in der anglikanischen St. Michaelskirche noch eine
katholische Messe statt – vermutlich die erste seit der
Reformation. Dazu sang der Kammerchor der Uni Renaissance in Latein. Sonntag meldete ich mich zum Bannertragen bei der Prozession entlang der fünf zerstörten Kirchen. Ich schnappte mir natürlich das größte von allen und rief am enthusiastischsten Hurra, wenn der Ausrufer seine Texte an jeder Station mit einem "Gott schütze den König" beendete. Ganz zum Ende hörte ich noch den Minnesängern beim Geschichtenerzählen zu, und auf dem Rückweg nach Portsmouth habe ich noch kurz bei Burg Portchester vorbeigeschaut (vgl. 30.06.2012).
Mehr Fotos auf: http://www.flickr.com/photos/reinardina/
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| Copyright by Reinardina @ http://www.flickr.com/photos/reinardina/ |
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Der
Herbst ist unverkennbar da. Vor kurzem habe ich das erste Mal im Dunkeln zugesehen, wie die Wellen ans
Ufer brüllen. Die Lampen der Küstenstraße sind dann in Wasserdunst
gehüllt. Gut, dass mein neues Zimmer richtig gemütlich ist. Lärmprobleme habe ich
gar keine, und ich mag das Art Nouveau Profil der hohen Decke mit
Stuckrose und Kunstpostern.
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Abschließend: ich bin Zeuge einer spürbaren Welle spanischer
Emigranten. Die letzten Wochen habe treffe ich immer wieder junge Spanier, die hier gerade angekommen sind und Arbeit suchen. Wie in den Siebziger Jahren, als hätte es ein paar Jahrzehnte wirtschaftlicher Aufholarbeit nie gegeben.
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