Samstag, 25. Februar 2023

Junge Junge

Letztes Wochenende sind wir mit dem Boot auf dem Kanal von Chichester gefahren. Beim ersten Mal hatte Otto die gesamte Fahrt noch wegen zuviel Eis im Magen verpennt. Diesmal fand er die Enten sehr aufregend, später aber vor allem das schäumende Wasser von den Schrauben. Mir tut die der Kanal und das Leben im Wasser immer gut. Eines Tages werde ich mit Otto im Ruderboot da lang fahren und er kann die Brombeeren von den ungestörten Ranken am Ufer pflücken.

Am Tag darauf habe ich mit Otto und Anna einen Ausflug zur Hubertuskapelle gemacht. Eines Tages werde ich mit Otto in dieser Landschaft wandern gehen und er kann die Brombeeren von den Sträuchern am Weg pflücken.

Otto Nachrichten

  • Fotos aus dem letzten Jahr zeigen mir, dass seine Haare dunkler geworden sind. Ellie hatte immer vermutet, dass er vielleicht doch noch braun wird wie sie.
  • seine Fernseh-Obsessionen haben sich in den letzten Monaten von Geckos Werkstatt zu Cocomelon verschoben. Dank eines Buches verschiebt es sich jetzt hoffentlich endlich weiter auf Thomas die kleine Lokomotive
  • kann seine Hose selbst ausziehen, was er auch gerne macht, auch im Kindergarten. Einmal hat er sich dabei auch mit einem Stift auf den Po gemalt und war darauf sehr stolz.
  • Ist seit Neuestem Geräusch empfindlich. Hatte schon lange Angst vor Sachen wie Handtrocknern und Staubsaugern. Aber jetzt beschwert er sich regelmäßig, dass der Kindergarte zu laut ist. Er ist auch auffallend schnell müde. Also vermutlich irgendeine Entwicklungsphase.
  • wir spielen viele fantasiebasierte Spiele. Insbesondere wenn dabei jemand zuviel isst und dann laut ausspuckt.

Baby Nachrichten

Zweiter Ultraschal, zweiter Junge. Jetzt ist die Namensnot groß. Otto freut sich sehr auf seinen Bruder und kuschelt allgemein mit allen greifbaren Babys. Ich befürchte jedoch, dass er sich ein neues Spielzeug vorstellt und nicht jemanden, mit dem er die Aufmerksamkeit und Zeit seiner Eltern teilen muss.

Ellie ist in der Phase angelangt, wo sie in keine Position bequem sitzen, stehen oder liegen kann. Und der Reflux ist da. Und nichts passt mehr.

Johannes Nachrichten

Mir geht es seit einigen Wochen relativ gut. Die Arbeit ist anstrengend, aber ich scheine abends etwas mehr mehr Energie übrig zu haben. Zum Beispiel lese ich plötzlich Obamas Biographie Stück für Stück zu Ende. Irgendwie habe ich darauf häufig mehr Lust als auf ein Puzzle oder ein Computerspiel. Vermutlich, weil wir seit einem guten Monat alle gesund sind. Ich bilde mir auch ein, dass sich das Verhältnis von harter Arbeit und Freude am Vatersein in meinem Kopf verbessert hat. Mir machen langsame Morgen und Abende mit Otto mehr Spaß. Mache mir weniger Stress, die knappe Zeit produktiv zu nutzen. Wird ja bald auch wieder stressig genug werden.

alle sind müde




Entenboot


Samstag, 11. Februar 2023

Ein wenig Bewegung

  • Im Laufe des letzten Monats waren wir wieder ein paar Tage krank, diesmal alle zusammen. Die Infekte hauen wirklich viel mehr rein seit wir ein Eltern sind. Seitdem sind wir aber bereits zwei Wochen ohne richtige Krankheit!
  • Ottos Waldschule im Umweltzentrum hat nach einer Weihnachtspause wieder angefangen. Dieses Semester findet es nur alle zwei Wochen statt, dafür läuft es bis in den April, wenn Ottos Kitaplatz kostenlos wird und er daher diesen Morgen in die Kita gehen wird. Das wird uns einiges Geld sparen,  aber ich werde diese Morgen vermissen. Einen Sonntag haben wir zu dritt einen besonders schönen Ausflug zu dem Zentrum gemacht. Otto ist einfach glücklich draußen in der Natur.
  • Otto kann die ersten Buchstaben lesen ...
  • ... spielt gerne Schildkröte und Kleine Ottokatze...
  • ... arbeitet gerne mit dem neuen Staubsauger
  • ... war zur Gewöhnung bei der Freundin die ihn übernehmen wird, wenn Ellies Wehen einsetzen
  • ich beobachte, dass sie Otto Ellie gegenüber definitiv anders verhält als mit mir. Ich konnte ihn, vermutlich aufgrund weniger Übung, schon immer weniger einfach unterhalten. Aber seine Reaktion war eigentlich immer gleich. Heutzutage habe ich das starke Gefühl, dass meine Versuche weniger fruchten als Ellies.
  • Ellies Schwester war aufgrund eines Schicksalsschlages spontan einige Tage bei uns

Johannes Nachrichten

  • seit Otto wieder gesund ist entkomme ich der generellen Stagnation etwas. Ich spüre ein Minimum an Bewegung. Insbesondere habe ich es endlich geschafft, eine Woche in Deutschland zu buchen. Die Verbindungen sind so schlecht, dass ich zum ersten Mal mit Umstieg in Amsterdam fliegen muss. Und wir wollten eigentlich zu dritt im Februar kommen. Aber das hätten wir alles organisieren müssen, als wir im November alle krank waren.
  • Bücher: Ich habe aus der James Bond Reihe die Bände Goldfinger und For your Eyes only gelesen
  • Mein erstes 1000 Teile Puzzle ist fertig. Jetzt arbeite ich an Der französischen Gasse, ein Geschenk von Ellie zum vorletzten Weihnachten. Das abendliche Sitzen vor der grünen Matte tut mir gut.
  • Ich war einmal wieder bei einem Chor singen! Seit 3 Jahren das erste Mal. Eine Bekannte vom Tango erzählte mir von einem öffentlichen Nachmittag ihres Chor in Portsmouth mit Elgars Traum des Gerontius. War gut wieder organisiert zu singen. Ähnlich wie beim ersten Tangoabend fühlt man sich praktisch als Zuschauer, wenn alte Reflexe Geist und Körper übernehmen.
  • Ich habe Anna das D-Day Museum und den Ausblick vom Hügel über Portsmouth gezeigt.
Papa hat das nervige Auto repariert


Bücher

Enten füttern


Dienstag, 17. Januar 2023

neustart

Anfang Dezember ist bei uns so ziemlich alles zusammen gebrochen. Otto war sieben Wochen mit verschiedensten Dingen krank gewesen, da hat es Ellie erwischt. Zwei Tage hat sie mit Fieber im Bett gelegen und hat sich danach erst langsam erholt. Die  daraus folgend Arbeitsbelastung hat mich an die schlimmsten Wochen nach Ottos Geburt erinnert. Man war einfach nicht genug. Abends hat man sich nur noch berieseln lassen. Advent konnten wir gleich wieder vergessen. Die Weihnachtspause hat uns eine Pause verschafft. Wir fangen jetzt praktisch von vorne an.

Anna

Das schönste Erlebnis im Dezember war, dass wir es geschafft haben, Anna aus der Ukraine eine gute Wohnung in Portsmouth zu finden. Die war im März geflüchtet, erst nach Polen dann nach Fareham. Sie kommt aus dem ukrainischen Statistikamt und ich hatte erfolglos versucht ihr eine Arbeit zu finden. Dann brauchte sie eine Wohnung in Portsmouth. Zum Glück ist Ellie praktischer als ich. Im schlimmsten Fieber fand sie eine Annonce eines lokalen Vermieters, der spezielle Ukrainern helfen will. Am kältesten Tag habe ich Anna getroffen und am Ende hatte sie wirklich ein Zimmer in einer schönen Wohnung in schöner Lage. Es ist ein wunderbares Gefühl, konkret, substantiell geholfen zu haben. Ich versuche Anna seither einmal die Woche zu treffen und ihr bei Ankommen zu helfen, weil ich mich erinnere, wie deprimiertend es ist sich in einem fremden Land Arbeit und Wohnung suchen zu müssen. Und dann im Winter in Portsmouth. Das war mit Abstand das beste Erlebnis im ganzen Dezember.

Mit dem Vermieter will ich mich auch nochmal treffen.  Der ist richtig interessant. Soldat in der Sicherungskompanie hier im Marinehafen. Militärfamilie. Hat viel zu erzählen.

Und was Anna so erzählt bestätigt alles, was man liest und sieht. Ihre Mutter lebt in Poltava unter Raketen. Sie kennt einen Arzt in Butscha. Scheiß Russen. Scheiß Russenknechte überall. Nur draufhauen.

Weihnachten

... war zuerst nicht toll. Ich hatte bis zum letzten Moment gearbeitet; dann wollte Otto Heiligabend am liebsten im Spielkasino auf der Seebrücke verbringen und musste schreiend nach Hause gezerrt werde; dort war ob der verlorenen Zeit Putzstress. Ich habe abgekotzt, dass es ein Samstag wie jeder andere war. Bescherung wurde dann besser. Ich bekam eine Puzzlematte mit der ich endlich größere Puzzle machen kann. Ellie bekam die Sicherheitsente in Ölfarben. Die hat sich über die Jahre bewährt und etwas dauerhaftes verdient.


Safety Duck protects


Otto bekam gleich zwei Kreisel und hat innerhalb weniger Tage auch gelernt sie zu drehen. Sein Interesse daran hat mich besonders gefreut. Da gehen einige Entwicklungen voran. Er lässt sich auch sehr gerne etwas vorlesen, zeigt gezielt auf den Text. Ein Musik Buch über Beethoven hat ihn so eingefangen, das wir die Reihe auf seine Geschenk Liste gesetzt haben. Der Roller interessiert ihn bisher aber gar nicht. Sieht man wieder: besser klein und billig, denn das Interesse ist sehr zufällig. Und es sind auch dieses Jahr wieder Geschenke aufgrund ihrer Menge liegen geblieben. Gut für den Geburtstag.

Zum englischen Festmahl am Weihnachtstag kamen Anna und unser Freund Andrew. Die Gesellschaft hat uns allen gut getan. Mein Befinden besserte sich ab dem Tag. Und Otto blüht auch spürbar auf, je mehr Leute er zur Verfügung hat.


Ellies Geburtstag
Zu Ellies Geburtstag habe ich mir frei genommen zu einem unserer seltenen Elterntage. Auto war kaputt, Eisenbahn streikt, also mussten wir lokal bleiben. Aber während des Mittags wurde Ellie ihr neuer Job bestätigt. Mir fehlt die Zeit und Muße genauer zu beschreiben, wie sehr es mich erleichtert, dass sie etwas hat, wo sie ihren Geist aus der Flasche lassen darf. Und wenn nur bis zum Mutterurlaub.

Otto-Nachrichten

  • Seine Erstsprache wird deutlicher Englisch, aber wenn er einige Stunden mit mir alleine ist, benutzt er auch mehr deutsche als bisher. Er zählt auf deutsch und sagt seit Dezember auch auf deutsch "nein". Er benutzt auch kompliziertere Worte wie "Geräusch".
  • Otto ist überglücklich wenn beide Eltern da sind
  • die Katzen lassen sich zu seiner absoluten Begeisterung von ihm Leckerlis geben. Dann schallt es durchs Haus, "Buddha, Mochi - Dreamies!"
  • Otto hat den Dachboden entdeckt

Ausflüge

In den zehn freien Tagen über Weihnachten waren wir fast immer unterwegs, aber auch hier konnte ich nie schreiben
  • Kurz vor Weihnachten trafen wir Ellies Mutter im Wasservogelpark in Arundel. Würde ich gerne mal in Ruhe alleine durchgehen.
  • Wir waren zusammen in Chichester, dem kleinen Zoo in Staunton
  • im Forest of Bere wurde Otto im Bach völlig durchnässt
  • Das Schwimmbad in Portsmouth war eine echte Offenbarung. Gut für Otto; super Alternative für Regentage; auch ich selbst fand die Athmosphäre in dem weiteren Fitnesszentrum richtig motivierend.

Otto im Schwimmbad

Otto im botanischen Garten

Dachbodenfenster

Otto auf dem Bauernhof

die Katzen lassen sich von Otto füttern


Johannes-Nachrichten

  • ich lese ob geistiger Kräfte vor allem James Bond. Dr No, und jetzt Goldfinger.
  • der erste Ultraschall Mitte Dezember verlief erleichternd
  • Nikolaus
  • Apropos Weihanchtsgeschenke: vor zwei Jahren hatte mir Ellie ein Papp-Theater geschenkt, für das ich nie Zeit hatte. In der Weihnachtspause haben wir es einen Abend zusammen gebaut und Aschenbrödel durchgespielt
  • die Puzzlematte ist dagegen sofort und viel im Einsatz. Das tut mir abends wirklich gut. Ich habe drei 1000-Teile Puzzle hier, die seit Jahren rumliegen; es tut mir gut für jeweils mehrere Wochen ein kleines Projekt zu haben.
  • Unsere Telefone haben seit Wochen keinen Empfang mehr. Keine Ahnung warum. Aber wir können nur per Internet telefonieren. Vermutlich ein weiterer Brexit Bonus.


Sonntag, 27. November 2022

Farben froh

In den letzten Wochen haben wir das Herbstwetter nochmal genutzt.

Vor zwei Wochen zum Beispiel sind wir ins Umweltzentrum gefahren. Otto und ich haben Ellie die Stelle im Wald gezeigt, wo wir momentan Mittwoch vormittags zur "Waldschule" gehen. Ursprünglich sollte das einfach einem Stadtkind die Natur etwas näher bringen. Und es schlägt auch erstaunlich gut an, inklusive Singen und Geschichten zuhören. Aber auch ich selbst atme auf, wenn wir zwischen den Buchen sitzen.

Tags drauf sind wir wieder einmal in den Apfelgärten meiner Tango-Genossen gefahren. Diesmal haben wir drei große Tüten mitgenommen, und einen Strauß Petersilie. Auch dort ist der Herbst wunderbar, mit dem schönen Blick über die Felder auf die Bäume am Alten Winchester Hügel. Besonders freut mich, dass auch Ellie sich in der Gesellschaft ihr bis vor kurzem Fremder wohlfühlt. Und unsere Gastgeben freuen sich auch, wenn wir kommen; insbesondere über Otto.

Einen anderen Tag sind wir in Petersfield um den Ententeich gelaufen. Anschließend hat Otto auf dem Spielplatz entdeckt, dass er Schrägen herabrollen kann.


Abnutzung

Otto hustet seit inzwischen einem Monat rum. Besonders abends im Bett. Hustet und hustet und hustet. Auch wenn es ihm aus irgendwelchen Gründen keine Schmerzen zu bereiten scheint, ist es für uns Eltern schwer zu ertragen. Wir vermuten inzwischen eine Bronchiolitis, offenbar eine Kinderkrankheit. Nach diesem Monat wurde es für einige Tage dann statt besser noch schlimmer. Ellie hat zwei Nächte praktisch nicht geschlafen. Offenbar hat er sich im Kindergarten einen separaten Husten dazu geholt. Irgendwann nach 21 Uhr kriegt er oft einen besonders schweren Anfall und wir müssen früh ins Bett. Da liegen Ellie und Otto dann die Nacht lang rum und schlafen nicht. Und ich liege nebenan und fühle mich hilflos und wütend.

Ellie geht es schon schlecht genug. Ihr ist hundeübel. An manchen Tagen hält sie nur ihre Härte gegen sich selbst am Laufen. Ich leide auch, weil ich dann eigentlich den Tag übernehmen will, mir aber nicht ständig frei nehmen kann.

Was dann auch mein Wohlbefinden beeinträchtigt. Es geht auf und ab, aber ich spüre den Stress. Besonders abends, wenn ein weiterer Tag einfach ohne Befriedigung endet. Wenn man den ganzen Tag lang darauf wartet, endlich Ruhe und Zeit zu haben, dann aber keins davon eintrifft. Der typische Abend ist zu kurz und zuviel muss reinkomprimiert werden. Endlich in Ruhe mit Ellie reden, aber auch endlich wichtige Aufgaben erledigen, aber gleichzeitig will man nach den Aufgaben des Tages auch endlich mal einfach Unterhaltung. Dann sehe ich, dass unser Familienleben auch bei bester Planung am Ende einfacher Arithmetik ausgeliefert ist: es gibt einfach zuviel zu tun und zu wenig Hände. Und an solchen Abenden fragt man sich, wie es denn mit zwei Kindern werden soll.


Otto Nachrichten

  • ein neues Gutenacht Spiel: wenn wir die Treppe hochgehen, rennt Otto erst nach rechts in Gästezimmer. Er kommt aber kichernd zurück, wenn Papa ankündigt eben selbst im Ottobett zu schlafen.
  • Otto macht große Fortschritte auf seinem Töpfchen. Er sagt ziemlich verlässlich rechtzeitig bescheid, wenn er muss. Ich bin überrascht, dass er das innerhalb weniger Wochen erlernt hat.
  • er übt die letzten zwei Wochen hüpfen und springen. Oft mit Froschlauten.
  • Sprachentwicklung: wenn wir im Auto das Lied von der Vogelhochzeit hören, kommentiert er, dass auch wir ja Mittwochs immer in den Wald fahren. Und er weiß, dass Papa des Müllers Lust teilt.
  • Auch benutzt er den Konjunktiv und "vielleicht", was mich überrascht.
  • er reagiert auf unsere Gefühle: wenn es Mami nicht gut geht, macht er sich große Sorgen und umarmt sie.
  • seine Kita Tage ändern sich und damit Ellies Arbeitstage. Er geht jetzt Mittwoch bis Freitag, d.h. so wie früher zur Tagesmutti. Das gefällt mir besser, weil er generell am glücklichsten ist, wenn er mehrere Tage bei uns ist.

Johannes Nachrichten

  • Diesen Montag musste ich zum ersten Mal seit fast drei Jahren ins Büro, um einen neuen Laptop abzuholen. Sogar in Deutschland war ich in dem Zeitraum häufiger. Wirkte auch gar nicht merkwürdig. Und es ist völlig leer. Ganze Räume sind verlassen und abgeschaltet. Offenbar bevorzugen die meisten wie ich zu Hause zu arbeiten. Lange möge das so bleiben.

  • An dem Tag habe ich auch gemerkt, welchen Unterschied ein paar Stunden weniger Bildschirm machen. Ich war abends richtig frisch.

  • letztens eine schöne Anekdote. Thomas, vor 10 Jahren auf der Isle of Wight und heute in Münster und taucht alle paar Jahre in meinem Leben auf, lud mich zu seinem 50. Geburtstag nächstes Jahr zum Wandern in Schottland ein. Wir mir zu dem Zeitpunkt unmöglich sein, aber der Modus der Einladung, mit fotokopierter Handschrift in Brief, hat mich so angesprochen, dass ich für die Antwort selbst mein bestes Briefpapier rausholte.

  • Lektüre: ich lese ob Erschöpfung stochastisch; etwas Wilhelm Busch, etwas Jane Austen, etwas Obama, etwas Geschichte, und den Anfang eines interessanten Buches über den polnisch-sowjetischen Krieg 1919-20 und die Bildung Zentraleuropas nach dem Ersten Weltkrieg.


Otto zeigt Mami wo er Mittwochs am Lagerfeuer singt

Wer unseren Garten erkennt der sieht, dass der letzte Sturm den besten Busch in der Ecke umgeweht hat. Das war der einzige Schatten im Sommer.

Mochi lässt Otto langsam an sich heran

Mittwoch, 9. November 2022

Neue Vorlieben

Otto war ein paar Tage krank mit Husten. Nichts großes, aber wir hatten sofort Schiss vor plötzlichen Krupp Anfällen.


Inzwischen wissen wir, dass Otto wirklich gerne in die Kita geht. Gleichzeitig findet er die Unterhaltung toll, zu der wir jeden Mittwoch in den Wald am Umweltzentrum fahren. Ich war wirklich überrascht, dass er das Vorlesen und das gemeinsame Singen am Ende nicht nur ertrug, sondern sich richtig gefreut hat. Mittwoch ist für ihn toll; er freut sich auf den Wald am Vormittag und auf die Kita danach. Schadet nicht, dass er dazwischen aus dem Cafe immer Kuchen kriegt.


Für mich ist der Vormittag auch wertvoll. Der Kontrast zwischen Schreibtischloch und den Stunden zwischen den Buchen tut mir sehr gut. Gerade im Moment genieße ich die Herbstfarben, und das vorwinterliche Gefühl in der Landschaft, gerade dort in den South Downs, wo man Blicke hat.


Otto Nachrichten

Otto lässt sich seit Neuesten gerne vorlesen. Besonders abends legt er sich dazu in sein kleines blaues Zelt im Wohnzimmer. Vielleicht, weil er etwas krank ist und ruhen will. Wobei das eine bisher nie zum anderen geführt hatte. Einmal hat er sogar auf dem Sofa gelegen und alleine durch ein Bilderbuch geblättert. Das macht mich sehr glücklich; ich wollte das schon lange machen, aber bisher hat er alle Versuche lautstark abgelehnt.

Otto hat seine volle Eloquenz gefunden. Er plappert los sobald er aufwacht ("steht der grüne Honda auf der Straße Mami?") und hört nicht auf bis er einschläft. Seit er das Wort "Warum" gelernt hat setzt er es rücksichtslos ein.


Johannes Nachrichten

Ich schreibe seit einem Monat erfolglos an Weihnachtskarten. Die Abende sind so kurz, man fühlt sich immer zerrissen etwas zu schaffen oder endlich mit Ellie zu sprechen wie normale Menschen. An Arbeitstagen ist man den ganzen Tag im gleichen Haus, aber in getrennten Leben.


Mit Klanghölzern im Liederkreis im Wald

Der kleine Lord lässt sich vorlesen



Samstag, 29. Oktober 2022

Potto

Inzwischen geht Otto seit drei Wochen in die Kita. Inzwischen schließe ich vorsichtig, dass er da lieber hingeht als zur Tagesmutti. Losgehen will er nicht, aber wenn wir erstmal da sind, stürmt er gleich hinein. Und soweit wir wissen, spielt er begeistert mit allen Spielzeugautos und den Pfützen im Außenbereich. Er ist abends auch müde und nicht aufgedreht wie nach der Tagesmutti. Für uns ist die Logistik eine Erleichterung.

Unabhängig davon habe ich Otto sechs Teilnahmen an einer wöchentlichen Kinderbespaßung im Wald im Umweltzentrum gebucht. Das findet praktischerweise jeden Mittwoch vormittag statt, wenn ich ihn habe. Bisher haben wir einen sehr schönen Herbst und auch mir tut es sehr gut, mal in die Natur zu kommen. Otto spielt dann in der Matschküche, oder sägt und bohrt Holz, oder hämmert Pfähle in die Erde.

Dieses Wochenende hat er dann spontan seine Windel gegen einen Pott eingetauscht. Eigentlich hatten wir dafür eine Woche eingeplant, um ihn richtig umzugewöhnen bevor er wieder zur Kita geht. Aber er hat seit einiger Zeit gegen Windeln protestiert, und Samstag Morgen wollte er dann endlich seinen Pott haben. Bisher stellt er sich erstaunlich geschickt an. Nicht ganz klar, wie es dann nach nur zwei Tagen in der Kita läuft.

Mitte der Woche hatten wir richtig Stress, als unser Internet ausfiel und unser Anbieter einfach kein Ersatzgerät organisiert bekam. Einige Tage habe ich bei einem Freund um die Ecke gearbeitet. Am Ende hat es Ellie gelöst, in dem sie sich auf sozialen Medien öffentlich beschwert hat. Ich kann sowas nicht.

Es war wieder ein Beispiel, wie mich Dinge viel mehr stressen, als sie es vor drei Jahren getan hätten. Man kommt zu so wenig, da fällt das Haus schneller auseinander als man hinterherreparieren kann. Die letzten Wochen brauche ich dann wieder mehr  Entspannung durch Ablenkung und bunte Geschichten. Zum Beispiel spiele ich weitere Folgen der alten Computerspielreihe Monkey island. Ich erinnere mich, früher mit Adventures gar nichts anfangen zu können. Aber heute schätze ich eine schöne Geschichte mit schönen Farben. Ebenso lese ich eher Stolz und Vorurteil zum zweiten Mal als Obama zum ersten. Altbekanntes schlägt neues; ich frage mich ob das nicht allen Eltern so geht nach einiger Zeit.

Aus den selben Gründen habe ich endlich meine Herbstwanderung ausgeführt. Erstaunlich, was man aus der Natur zieht, wenn man den Großteil seines Lebens im gleichen Zimmer verbringt. Hinter der Hubertuskapelle bin ich die Strecke gelaufen, die ich mit Friedemann im Mai erkundet hatte. Ich habe einen Turmfalken, drei Rehe und hundert Fasane gesehen, die aus Feldern und Büschen stoben. Die Bäume haben eine schöne Färbung, ebenso die Beeren an manchen Büschen, und es gibt sogar noch Brombeeren. Eine schöne Frühwinterliche Athmosphäre liegt über manchen Stellen.





Im Wald




Sonntag, 9. Oktober 2022

Alle Ottos Äpfel

Heute sind wir ein zweites Mal aufs Land zu meinen Tango-Bekannten mit den Apfelbäumen gefahren. Wie gestern war es ein besonders schöner, sonniger Herbstag. Zuerst machten wir ein Picknick an der Kirche von Droxford, zwischen der Pracht der Bäume, die sich gerade färben. Ein Freude, Otto dazwischen zu sehen.

Bei unseren Bekannten angekommen haben wir zwei große Säcke mit Äpfeln gefüllt ohne den Bäumen viel Last abzunehmen. Otto schnappte sich auch einige tief hängende Früchte und rannte ansonsten viel rum. Diesmal erfuhr ich etwas mehr über unsere Gastgeber. Sie wohnen etwa 40 Jahre in diesem Haus, was inzwischen Millionen wert sein muss mit dem wunderschönen Blick auf den Alten Winchester Hügel und der Nähe zu den wohlbetuchten Orten am Fluss Meon. Er war in der Handelsmarine; sie stammt aus Finnland und lernte ihn kennen, als sie in den frühen 1970ern auf seinem Schiff nach England fuhr, bevor es Billigflüge gab. Ihre Kinder sind in vier Ländern verstreut, nur die jüngste wohnt in London. Und die Ernte in ihrem großen Garten wird mit dem Alter eben nicht einfacher. Aber Tanzen haben sie fast zur gleichen Zeit wie ich angefangen (2009, Salsa in Lodz).

Mir tut die Fahrt über Land und die Blicke und die Natur immer sehr gut. Während wir uns unterhielten, beschäftigte Ellie Otto, der am liebsten in den Gartenteich gestiegen wäre. Ich merkte, wieder, dass ich mir irgendwo Sorgen mache, sobald wir uns diese Aufgabe nicht genau zur Hälfte teilen.

Johannes Nachrichten

  • Ich habe eine neue Klobrille angebracht. Hat mich gerade mal ein halbes Jahr gekostet.