Sonntag, 24. März 2024

Abtei Quarr, Isle of Wight

Sonntag sind wir alle zusammen auf die Isle of Wight gefahren um Ellies alte Freundin Mel zu treffen. Die beiden waren in der Schule ganz dicke, und Mel ist über die Jahre auch aus Kent hierher gedriftet und hat eine Familie gegründet.

Wir haben mit der Autofähre übergesetzt. Für Sebastian war es das erste Mal; nicht dass er ein Konzept von Fähre hat. Für Otto ist es bald Routine; nicht mal die Alarmanlagen der Autos stören ihn noch. Ich erinnere mich noch gut, wie ich ihm das erste Mal eine Autofähre gezeigt habe, und er sich das wirklich merkte. Sein Wort damals war "brumm brumm ro ro".

Nach dem Anlegen sind wir zur Abtei Quarr hochgelaufen und haben ein Picknick gemacht. Eine Weile später tauchte Mel auf und Sebastian musste mal schlafen. Also bin ich mit ihm im Kinderwagen spazieren gegangen. Der Frühlingstag und die Schiffsfahrt hat mir gut getan, und besonders, als ich mit Muße allein rumlaufen konnte. Die Osterglocken blühen allerorten. Weidenkätzchen und Schafe auf grünen Wiesen und im Hintergrund das Meer.

Auch Otto hatte sichtlich Freude. Auf der Rückfahrt saßen wir auf seine Bitte hin vorne am Bug und schauten aufs Wasser. Bald lag er auf meinem Schoß. Das Kind, dass nicht stillstehen konnte. Er hat abends ausgezeichnet geschlafen.





Montag, 18. März 2024

Ottos 4. Geburtstag

Zu Ottos 4. Geburtstag sind wir alle zusammen zum Tierhof Longdown im New Forest gefahren. Ich glaube da waren wir auch schon zum letzten Geburtstag gewesen. Damals waren der groesste Hit die stationaren Bagger, mit denen man mit richtigen Schaufeln und einer richtigen Sandgrube baggern kann.
Zum Glueck hat Sebastian ausgezeichnet mitgemacht. Er ist nicht gerne im Auto, aber dieses Mal hat er auf der jeweils einstuendigen Fahrt kaum geweint. Baby Otto haette uns das nie durchgehen lassen.
Auf dem Hof haben wir zuerst ein schoenes Picknick gemacht. An einem Montag hatte man dazu viel mehr Platz als letztes Mal. Dann haben wir all die ueblichen Tiere gesehen. Mir fiel ein, wie (vergleichsweise) klein Otto letztes Mal noch war, und wie aufgeregt, als er die Ziegen fuetterte. Dieses Mal war er schon ein Profi. Er ging auch wieder auf die Trampoline am Spielplatz und bekam im Kleintierhaus ein Meerschweinchen im Korb und ein Kueken im Socken zum Halten. Und er durfte fuenf mal auf die Bagger.
Ich bin mehrmals mit Sebastian separat rumgelaufen. Er ist so ein froehliches, aufgeregtes Baby. Am besten fand er die Enten in ihrem Gehege, die Kueken in ihrer Huette und vor allem Heu zum drauf sitzen und dran ziehen.
 
Nicht zuletzt hat es mir selbst gut getan, Felder, Baeume und Blueten zu sehen. Ich spuere momentan wieder das Interesse an Pflanzen und besonders Baeumen, dass ich in den letzten Jahren entwickelt hatte. Wahrscheinlich eine Reaktion auf die raeumlichen Beschraenkungen meines Lebens. Ich finde es irgendwie beruhigend, wie Sachen aus der Erde kommen, wachsen, im Winter verschwinden und dann wieder kommen.
 
Geschenke: Das Hauptgeschenk von uns war ein Fahrrad. Laut Ellie erwies sich Otto sofort als Naturtalent. Von mir bekam Otto ein kleines Kinderfernglas, das leider gleich kaputt ging.








Sonntag, 10. März 2024

Schichtdienst

Eine knappe Woche lang waren die Kinder gesund und wir Eltern hatten ab und zu etwas Zeit am Abend. Aber die naechsten Infekte sind da und die wenige Zeit wurde wieder aus dem Tag gequetscht. Ansonsten ist nichts erwaehnenswertes passiert. Wochentage und -enden sind wir ausgelastet, die Naechte manchmal kurz und unruhig. Zum Glueck haben wir Putzkraefte und einen Hausmeister; Ellie bestellt vielleicht auch noch Gaertner. Denn selbst schaffen wir nichts.
Wir spielen praktisch Kinder-Pingpong. Sehen uns eigentlich nur um Kinder auszutauschen. An manchen Tagen vermisse ich Ellie manchmal richtiggehend, auch wenn wir im selben Haus wohnen.

Sebastian Nachrichten

  • zeigt weiter mehr Interesse an der Theorie als der Praxis des Krabbelns. Beschraenkt sich darauf, nach vorne umzufallen damit wir ihm dann das Objekt seiner Begierde geben.
  • hat endlich seine eigenen Beiname erhalten: Queggels, Sir Queggles, Quegglett, etc. weil seine ersten Laute "Que" waren.
  • hat letztens zum ersten Mal das Meer bewusst wahrgenommen und die Wellen angelächelt
  • ist weiterhin Ottos größter Fan. Manchmal wendet er das Gesicht ab weil die Begeisterung einfach zu groß ist.

Otto Nachrichten

  • hatte nach langer Zeit wieder Besuch von einem Kind aus seiner Kita. Die Aufregung war schon am Vorabend fast zuviel fuer ihn. Fuer Ellie eine echte Erleichterung, weil es Dienstag sonst fast keinerlei Kinderunterhaltung gibt.
  • Otto guckt begeistert die Sendung mit der Maus. Jeden Abend gucken wir im Bett Lach- und dann Sachgeschichten. Und Otto lernt sowohl die Inhalte als auch deutsche Worte. Lange Zeit war sein der Bahnuebergang sein Lieblingsvideo, seit kurzem ist es der Rahmspinat.
  • ich spreche mit Otto doch zunehmend Englisch. Wenn es schnell gehen muss oder ich gestresst oder muede bin. Was eigentlich immer der Fall ist. Er sagt in letzter Zeit auch ein paar Mal, dass er mich nicht versteht, wenn ich deutsch rede. Anderseits lernt und benutzt er immer wieder richtig gute Woerter.
  • will seit einigen Tagen jeden Morgen alleine aufstehen und runter gehen. Bis vor kurzem hatte er noch Angst, wenn er beim aufwachen niemanden vorfindet. Aber eines Morgens fuetterte ich die Katzen vor seinem Zimmer, als die Tuer aufging. Seitdem heißt es jeden Morgen: "ich will alleine aufstehen" 

Johannes Nachrichten

  • Ich hatte ein erstes vielversprechendes Vorstellungsgespraech.
  • Mein Wohlbefinden ist in letzter Zeit wieder ganz schoen lediert. Wenn der Schlaf fehlt warte ich eigentlich schon morgens wieder auf den Abend. Duestere Gedanken laufen im Kreis wie weit wir von meiner Familie weg sind. Ellie hat ein gut aussehendes Quartier in der Biestower Dorfstrasse entdeckt. Aber wie sollen wir das organisieren wenn wir an einem Durchschnittstag nicht mal die Kueche sauber kriegen. 
  • Mir wird klar, dass ich frueher immer angenommen hatte, mit meiner Familie Besuche und Reisen machen zu koennen wie es frueher fuer mich normal war. An schlechten Tagen liegt mir das sehr auf dem Magen.
  • Meine groesste Freude ist momentan, wenn ich Donnerstag oder Freitag einen Filterkaffee in der Margaretenkirchen trinken kann. Eine halbe Stunde allein fuer mich mit einem Buch
  • Lesen: je nach geistiger Anwesenheit schmoekere ich wieder mehr oder weniger im Honecker Buch und ab und zu in der Wehner-Biographie.






im Haus von unserem Freund Andrew


Samstag, 2. März 2024

Hamsterrad

Die letzten drei Wochen waren bestimmt von Sebastians diversen Krankheiten. Diesmal ging es los mit anderthalb Tagen Fieber, in denen Ellie gar nicht aus dem Bett kam. In der Zeit hatte mal wieder niemand Zeit fuer Otto, denn ich musste ja arbeiten und unsere Haende reichen ganz einfach nicht aus. Seitdem ist es nur ein endloser Schnupfen, aber er will den ganzen Tag schlafen, und zwar nur wenn Mama da ist. Ellie und ich kriegen uns praktisch nicht zu sehen. Ich komme abends aus Ottos Schlafzimmer und fange an aufzuraeumen. Wenn Ellie endlich aus ihrem Schlafzimmer entkommt haben wir etwa zehn Minuten bevor Sebastian aufwacht, dann gehe ich hoch; auf mir schlaeft er, und so stecke ich dann fest, damit Ellie wenigstens essen und sich waschen kann. Dann loest sie mich ab, ich raeume bis half elf auf und gehe ins Bett. Es schlaegt mir durchaus auf die Stimmung.

Hoehepunkte der letzten 3 Wochen:

Wir hatten einen schoenen sonnigen Sonntag am Strand. Ellie mit Otto am Cafe, ich mit Sebastian und unserem Freund Andrew die Promenade entlang. Spaeter haben wir Kinder getauscht; Otto wollte ploetzlich den ganzen Abend am Wasser bleiben. Seine Fuesse wurden erst muede, als wir nach Hause gingen - dafuer aber sehr ploetzlich.

ich war mit Otto im Brettspielcafe. Kurz zuvor hatte Ellie das mit beiden Kindern probiert. Seit 4 Jahren traeume ich davon und es war richtig erfolgreich. Otto hat mit Konzentration Carla Caramel gespielt. Fuer mich ein echter Lichtblick in die Zukunft. Otto spielt desweiteren auch gerne Wuerfel, einfach darum wer mehr Augen wirft.

Wir haben alle zusammen Kartoffelpuffer gemacht. Das Rezept kam aus einem Buch deutscher Rezepte, das Ellie mir zu Weihnachten geschenckt hatte. Zur Abwechslung sind viele davon tatsaechlich machbar.

Als Ellie mal wieder in Sebastians Bett feststeckte, bin ich mit Otto nach Chichester gefahren. Hatten wir lange nicht mehr gemacht; Otto freute sich sehr. Kuchen im Cafe und Enten auf dem Kanal fuettern.

Otto Nachrichten

Aus der Kita kamen gute Nachrichten. Der Verdacht auf Verhaltensauffaelligkeiten, die vor einem halben Jahr registriert wurden, haben sich nicht verfestigt. Das entspricht in etwa unseren Beobachtungen. Vermutlich war der Ausloeser also die Umstellung durch die Geburt eines Geschwisterkindes.

Natuerlich war das fuer uns eine grosse Erleichterung. Nichtsdestotrotz denken wir aber trotzdem, dass da durchaus etwas charakterliches ist. Der Umstellungsstress hat es vermutlich mehr an die Oberflaeche gebracht. Aber etwas ist da. Er ist zweifellos besonders emotional, manchmal besonders impulsiv. Wir hatten ja von Anfang an den Eindruck, das Otto etwas besonders an sich hat. Nicht zuletzt unterstreicht das der Kontrast mit Sebastian. Je nach meiner persoenlichen Tagesstimmung macht mir das sowohl Angst als auch Freude.

  • Otto kann sich selbst die Zaehne putzen und anziehen und geht ganz alleine aufs Klo.
  • wir haben im Garten Senf gepflanzt
  • macht besonders gerne Fussbodenpicknicks
  • Otto singt und tanzt momentan gern. Ich mag seine kleine Stimme.

Sebastian Nachrichten

  • ihm wachsen weitere Zaehne und er hat Klatschen gelernt
  • schlaeft schlechter und isst besser
  • liebt seinen Bruder noch mehr als vorher
  • uebt Krabbeln, aber ohne echtes Interesse

Johannes Nachrichten

Seit einigen Wochen habe ich das erste Mal Probleme mit meiner Huefte. Ploetzlich musste ich das Bein beim Laufen hochziehen. Ich hatte dort schon lange etwas ueberspringen gespuert. Etwa seitdem auch mein Ischias kaputt ist. Ich sollte das vermutlich mal einem Arzt zeigen. Aber ehrlich gesagt fehlt einfach die Zeit. Allein der Termin beim Hausarzt hiesse eine Stunde in der Warteschleife und dann vier Wochen warten. Also legt man es auf den grossen Haufen mit den anderen Aufgaben, zu denen man auch nicht kommt.

Ich suche weiter nach einer neuen Stelle. Es ist mit der mir verfuegbaren Zeit fast unmoeglich, Bewerbungen zu schreiben, und in einem ersten technischen Test habe ich klaeglich versagt. Ab April soll ich dann zwei Tage die Woche ins Buero fahren. Links und rechts kuendigen die Kollegen, aber ich stecke fest.

Meine Stimmung ist in letzter Zeit eher schlecht. Die Umstaende wirken irgendwie sehr beschraenkend.







Mittwoch, 7. Februar 2024

Klaglos

Otto war das ganze Wochenende eine Freude. Lieb, anhänglich und furchtbar schlau.

Samstag sind wir zu viert auf die Seebrücke gegangen. Waren wir schon lange nicht mehr da gewesen. Früher wollte Otto ständig da hin, zur Spielhalle. Wurde vermutlich vom Tablet abgelöst. Er durfte mit Ellie spielen, während ich mit Sebastian lieber draußen am Wasser geblieben bin.

Sonntag bin ich mit Otto zur Müllkippe gefahren. Das ist irgendwie bei uns allen eine beliebte Aktivität. Und seit einigen Wochen versuchen wir das Haus etwas zu entrümpeln. Otto hat Sachen ganz allein getragen! Und ich erkläre ihm gerne die Welt. Zu Hause haben wir dann noch Kresse und Senf gepflanzt.Montag habe ich mir frei genommen und bin mit Ellie und Kindern zu Ottos Lieblings-Spieltreff gefahren.  Das findet jede Woche in einer Kirche ganz in der Nähe meiner alten Wohnung statt. Sowohl Ellie als auch Otto gefällt es dort seit geraumer Zeit besonders. Otto hatte sich schon lange spürbar gefreut, dass ich mitkommen würde und war auch super drauf. Mir hat es dort auch sehr gefallen. Viel Platz und schöne Angebote. Am meisten aber hat mir gefallen, dass mir Tee gemacht wird. Richtiger Kirchentee in Plastiktassen, von älteren Frauen in der Teeküche vorbereitet. Seit ich Kinder habe, schätze ich es bedient zu werden.

Nebenbei habe ich dort eine alte deutsche Bekannte vom Tango getroffen. Die wohnt schon länger hier als ich, ebenfalls mit englischem Partner und zwei Kindern, inzwischen in meiner alten Straße.

Dann hat Otto in der Kita Gesichtsfarben entdeckt. Hat sich einen Regenbogen ins Gesicht malen lassen. Ellie hat ihm flux eigene Farben nach Hause bestellt und er hat mich bemalt. Mit erstaunlicher Konzentration und Vorsicht.

Momentan machen wir uns keine Sorgen um Otto.

Sebastian wachsen wohl die nächsten Zähnchen.

Hausmeister Paul hat u.a. ein Netz für Ottos diverse Kuscheltiere angebracht


definitiv kein Lampenfieber


Sonntag, 28. Januar 2024

mal was schönes

Ich habe vor, das Tagebuch wenigstens mit kurzen Wochenberichten wieder anzufangen. Eine Zusammenfassung des letzten halben Jahres schreibe ich spaeter.

Otto hatte Montag Nacht wieder einen Anfall von Pseudokrupp. Der Notdienst ist katatrophal: erst wurden uns 2 Stunden angekundigt, aber nach 5 Stunden waren immer noch 6 Leute vor uns in der Schlange. Anders gesagt, sie kommen nicht. Also habe ich Otto nach einer schlaflosen Nacht auch noch zum Krankenhaus gefahren. Wenigstens funktioniert die Kindernotaufnahme schnell (die fuer Erwachsene daneben ist ein deprimierendes Bild).

Mittwoch und Donnerstag blieb Otto noch zu Hause; Donnerstag war dann Ellie krank im Bett und ich habe beide Kinder betreut. Danach war ich vollkommen erschoepft. Keine Ahnung wie Ellie das jede Woche macht.

Geistig ging es mir auch nicht gut. Darum haben wir am Wochenende endlich etwas schoenes gemacht und sind ins Umweltzentrum gefahren. Die Landschaft war sonnig winterlich, die Voegel und die Natur haben mir Freude bereitet. Sebastian ist auf seiner Mami eingeschlafen, wodurch wir mehr Zeit hatten. Ich habe lange mit Otto gespielt; er hat mal Interesse an der Natur geaeussert und Schneegloeckchen gesehen. Und wir haben viel Zeit und Geld im Cafe gelassen; ich hatte schon lange Lust gehabt es mir an einem schoenen Ort gut gehen zu lassen.

Sonntag hat Otto sogar mal Lust ans Meer zu gehen, was lange nicht mehr vorkam. Er wollte dann trotz des kalten Windes sogar lange am Wasser stehe und spielte vor den Wellen wegrennen. Am Ende blieben wir solange da, dass ich fast den Sonnenuntergang mitbekam. Nur waren seine Beine müde, sobald wir nach Hause wollten.

Johannes Nachrichten

Ich war in dieser Woche physisch und geistig erschoepft. Die verlorene Nacht, regelmaessige Gedanken um Ottos Verhalten. Der Ausflug am Wochenende hat mir dann sehr gut getan. Ich lese Stolz und Vorurteil, und Sherlock Holmes und hoere viel freundliches Radio. Fuer ernsthafte Sendungen fehlen mir meistens die Nerven.

Ich habe gelernt wie man jede Art Kohl ordentlich kocht. Und sogar Rote Beete.

Sebastian Nachrichten

  • arbeitet am Krabbeln
  • ist allgemein ein froehlicher Wonneproppen
  • ... ist viel aktiver and entwickelter als das stumme Wuermchen vor ein paar Monaten!
  • schlaeft ab und zu allein in seinem Bettchen, d.h. Ellie kann mal etwas alleine machen
  • interessiert sich moment fuer Essen. Aber nicht ansatzweise so wie Otto damals.

Otto Nachrichten

  • ist ziemlich anhaenglich. Moechte manche Tage am liebsten komplett auf mir verbringen. Ist spuerbar verstoert wenn das nicht geht. Problematisch bei der Arbeit. Fragt immer wieder "warum arbeitest Du so viel?"
  • Wir haben in der Woche zweimal Brot gebacken.
  • Sachgeschichten aus der Sendung mit der Maus sind grosse Mode. Ich geniesse es, jeden Abend Videos zu gucken. Besonders beliebt: Wie funktioniert ein Bahnuebergang.





Dienstag, 1. August 2023

Zum Thema Weniger Panik: letzten Freitag stellten die Hebammen fest, dass Sebastian nicht zunimmt. Nicht ab, aber auch nicht zu. Wir versuchten rational zu bleiben. Aber wider besseren Wissens und Wollens kommen sofort die schlimmsten Bilder ins Bewusstsein. Ist Sebastian letztens nicht tatsächlich lethargisch? Ist er zu schwach mehr zu tun? Ist Bekannten ihr erstes Kind in den ersten Wochen nicht fast verhungert, ohne das jemand Alarm geschlagen hätte? Wie sehr man sich auch wehrt, die Stimmung ist sofort im Arsch; man denkt an nichts anderes.
Also rufen wir Samstag im Krankenhaus an, auch wenn man dort eigentlich nicht mehr zuständig ist. Und sie lassen uns tatsächlich kommen. Ich setze Ellie morgen ab und fahre mit Otto weiter zu den Pferden auf dem Hügel hinter dem Krankenhaus. Erwarte, dass ich sie bald wieder abhole. Aber nein, man behält sie nachts da; tatsächlich kriegt Sebastian nicht genug und jetzt muss Ellie alles drei auf einmal machen, Bruststillen, Pumpen und Flasche, die Sebastian aber nicht will. Von wegen Stillen funktioniert. Innerhalb eines Tages sind wir halb wieder da, wo wir mit Otto gewesen waren. Angst, Stress und Schuften. Denn in der Zeit habe ich Otto allein, der natürlich merkt, dass irgendwas nicht stimmt und wieder schwierig wird. Und das Haus versinkt im Dreck. Und Ellie wird um die Tage betrogen, an denen sie Otto endlich mehr sehen wollte.
Ich hatte es ja gesagt: das erste Jahr kann mir gestohlen bleiben.


Das hatte ich am Abend dieses Tages geschrieben. Danach geschah dann das:
  • Ellie blieb noch eine Nacht im Krankenhaus
  • alles dauerte ewig
  • Ellie wurde wütend und bekam dafür noch Besuch vom Psychologischen Dienst, was alles noch weiter rauszögerte.
  • erst Montag abend konnten wir sie abholen, weil man 6 Stunde für Formulare brauchte
  • seitdem wurden wir von zwei anderen Beratern besucht die den ganzen Krankenhausbesuch für unnötig halten
  • wir waren beide vollkommen erschöpft
  • ... und am nächsten Tag ging für mich die Arbeit wieder los und Ellie sollte irgendwie Baby und Otto jonglieren

Zum Glück kamen kurzfristig Ellies Vater samt Frau und haben geputzt gekocht und Otto bespaßt. Eine Woche später besuchten sie uns nochmal.

Inzwischen arbeite ich wieder. Ich habe Otto nur noch am Wochenende, das haut dann aber auch richtig rein bei mir. Die Kita Tage sind am leichtesten. Montag und Dienstag werden jetzt die schwersten Tage, wenn Ellie beide Kinder alleine jonglieren muss.

Sebastian Nachrichten

  • hängt nur noch an der Brust; Ellie kann sich nur mit Mühe bewegen und leidet zunehmend darunter, dass sie Otto kaum betreuen kann.

Otto Nachrichten

  • ich arbeitete sehr hart an Ottos Unterhaltung. Unter anderem sind wir im Zug nach Chichester und dort das erste Mal mit dem Ruderboot gefahren. Otto war ganz begeistert und hat sich größtenteils an meine Sicherheitshinweise gehalten, vermutlich ich ihn dann an die Brombeerbüsche am anderen Ufer ranfuhr.
  • so stressig das Wochenende als solches war, so war das Rudern doch eine willkommene Vision der Zukunft
  • Otto braucht Sport. Wird ein bisschen dick. kürzlich hatten wir Ottos Gymnastik Stunden aufgegeben. Dann haben ihn Leichtathletik probieren lassen. Hat ihn auch nicht lange interessiert. Schade, das fand an schöner Stelle statt. Ganz ehrlich mache ich mir inzwischen Sorgen, wieviel weniger Konzentration als andere Kinder in dem Alter er zeigt. Und ich bin ein bisschen deprimiert, dass Ellie ihn mit links überredet mitzumachen und ich schaffe es gar nicht
  • irgendwas soziales entwickelt sich bei ihm. Das merkte man an seinem Verhalten, als Ellie im Krankenhaus war. Und als wir sie endlich abholen konnten, wollte er erst nicht hinfahren, sehr wahrscheinlich weil er schon am Vortag enttäuscht worden war, als wir auch dachten, dass sie nach Hause käme. Und jetzt hängt er spürbar an ihr. Aber er war auch traurig, als seine Grosseltern wieder nach Hause gefahren sind. Da wollte er sich gar nicht verabschieden.
  • er reagiert auch zunehmend negativ darauf, dass seine Eltern sich nicht mehr vollständig um ihn kümmern können
  • seine Geräuschempfindlichkeit nimmt weiter zu. Er hält sich immer häufiger die Ohren zu, selbst, wenn er ein Geräusch nur erwartet.

Johannes Nachrichten

  • Wohlbefinden: meine Nerven wurden letztens mitgenommen. Und ich bin körperlich erschöpft und fühle mich gleichzeitig schlecht, dass Ellie am wenigsten schläft
  • Ottos derzeitige Phase fällt mir schwer. Tagsüber sehe ich keine Wahl als bestimmte Verhaltensregeln durchzusetzen. Das ist mental und physisch anstrengend und frustriert. Wenn Otto dann endlich friedlich im Bett schläft hinterfrage ich mich trotzdem jedes Mal. Frust, Schuld und Angst, das ist Eltern sein.


Abrissbirne auf einer Party

Sebastian wird angemeldet

das erste Mal Rudern

wir haben einen grossen Satz Eisenbahnen und Lego uebernommen