Sonntag, 3. Februar 2019

26.01.2019 - Mathieu in London

Letztes Wochenende bin ich nach der Arbeit direkt nach London gefahren. Mathieu kam zu seinem Geburtstag vier Tage aus Paris. Inzwischen wohnen ja außer mir alle Freunde unserer kleinen Gruppe in London, sodass ich ohne Probleme übernachten konnte, während Mathieu bei Freunden in einem anderen Stadtteil wohnte.
Ich traf ihn als erster in der Markthalle des karibisch geprägten Viertels Brixton, woraufhin mich Ellie warnte bloß vorsichtig zu sein, weil sie das aus ihrer Jugendzeit als raues Pflaster kennt. Allerdings habe ich an diesem Wochenende gesehen, dass die Gentrifizierung überall voranschreitet. Wenn die Läden abends schließen, machen in den Gängen richtig gute Restaurants auf. Mir hat die Gegend großen Spaß gemacht und Ellie und ich haben beschlossen, mal ein Wochenende leger durch ihre Erinnerungen in London zu schlendern. Mathieu tauchte mit seiner Freundin auf, die er nie erwähnt hatte; ein sehr nettes Mädchen mit Interesse an Geschichte; jetzt habe ich große Lust mal Dijon zu besuchen.
Nach und nach stießen andere Leute dazu, ganz so wie damals als ich noch auf Freiwilligendienst war; sehr schön und interessant, die Sprachen und Geschichten. Wir gingen in einen Pub, wo mit Kabarettist, Zauberer und Dudelsäcken die Burns Nacht gefeiert wurde, eine schottische Tradition zu Ehren eines Dichters. Wir waren erst halb drei im Bett, was ich an Arbeitstagen eigentlich gar nicht aushalte. Wie meine Gastgeber dann Samstag morgen um zehn Uhr einen Termin wahrnehmen konnten ist mir völlig unklar. Dafür habe ich ein paar Stunden allein in einer ordentlichen Wohnung (weiterhin meine Präferenz über Häuser) genossen. Ebenso das Viertel auf dem Weg in die Stadt, einfach weil es mich an mein Leben früher erinnerte.
Ich bin mit Mathieu und Gang und Brettspielen durch Pubs und Cafes gezogen und abends sind wir ins Theater gegangen. Das war Teil eines jährlichen Festivals für sprachloses Theater; nicht ganz Pantomime und nicht ganz ohne Sprache, aber sie war nur Dekoration. Das Haus war voll, allen hat es gefallen, auch wenn niemand wusste, worum es ging, da habe ich nachher extra nachgefragt, ob vielleicht nur mir der Zugang zu moderner Kunst fehlt. Auch Sonntag ging es nochmal in so ein Stück, diesmal hat es mir über alle Maßen gefallen (Akrobatik, Pantomime und live Malerei). Vorher hatte ich Mathieu allein im Kriegsmuseum getroffen, was ich auch sehr schätzte.

In letzter Zeit hatte ich mich in Portsmouth immer wieder gestresst gefühlt und dass auf mangelnde Geselligkeit mit Leuten wie mir zurückgeführt. Darum hat es mir wieder richtig Spaß gemacht, in einer großen Stadt mit Ausländern unterwegs zu sein, die Sprachen, richtige Kultur und eine Menge gutes Essen aufzusaugen, aber  auch allein durch neue Viertel zu ziehen. Die Erfahrung lange Zeit im Ausland zu leben verbindet uns auf eine Weise, die mir im Alltag oft fehlt.

Schnee!

Donnerstag wurde für die Region Schnee angekündigt und mir wurde sofort gesagt, Freitag von zu Hause zu arbeiten. Wider erwarten kam bereits am Abend tatsächlich etwas Schnee runter; am Meer tobte ein richtiger Wintersturm. Freitag erreichten uns Katastrophennachrichten, dass das Leben weiter nördlich völlig zusammengebrochen sei. Darum bin ich Samstag in der Hoffnung auf etwas Winter nach Rowlands Castle gefahren, also in die Gegen um die Hubertuskapelle. Leider waren nur noch einge Flecken Restschnee übrig. Dafür schien die Sonne und die Vögel sangen, sodass ich eine schöne Wanderung über neue Feldwege machen konnte und mich am Ende vor dem Kamin eines Pubs ausruhen konnte. Abends bin ich mit Ellie und Freunden ins Spielecafe gegangen; ein unerwartet schöner Tag.

Mehr Winter gabs nicht

Mit Rakete im Spielecafe


Sonntag, 13. Januar 2019

Musik und Wissenschaft

Gestern abend war ich beim öffentlichen Singen von Brahms Deutschem Requiem. Das heißt, einer der großen Chöre der Stadt stellt seinen Dirigenten und einen Pianisten in eine Kirche hier in Southsea und jeder kann mitsingen. Zwei Stunden Probe, dann einmal durchsingen. Ellie erzählt regelmäßig die Geschichte, wie sie das Stück dazu brachte dem hiesigen Chor beizutreten. Und auch ich bin darüber das erste Mal in einen Chor eingetreten: 2012 habe ich Freunde im Universitätschor York zum Konzert singen gehört und bin anschließend dem Chor beigetreten. Viel gemerkt hatte ich mir damals vom Stück wenig und selbst gesungen hatte ich es aber noch nie. Wie sich rausstellte, lässt es sich ganz gut vom Blatt ablesen. Mir hat es gut getan, den Abend unter vielen Leuten zu verbringen.

Ich habe noch etwas anderes musikalischen erfahren: als wir im Dezember beim lokalen Fussball waren, wurde vor dem Spiel eine folkloristische Melodie gespielt. Jetzt weiß ich: das war keine Seemannsweise von der Werft, sondern ein Stück namens "Portsmouth" von Mike Oldfield. Der gleiche Mike Oldfield, den ich bisher nur von der Schnulze Moonlight Shadow (1983) kannte. Interessant: Ellie hatte davon noch nie gehört, dafür ist Mike Oldfield für sie ein Held der Folkbewegung und besonders bekannt für seine Weihnachtslieder aus den 1970ern.

Unser Management hat mir endlich grünes Licht gegeben beim diesjährigen Pint of Science Festival mitzumachen. Das ist ein dreitägiges Festival, in vielen Städten in vielen Länder, wo abends in Kneipen zwanglose Vorträge über wissenschaftliche Themen gehalten werden. Mich hat das seit Jahren begeistert, nicht zuletzt weil fast alle Zweige heutzutage Datenanalyse betreiben. Letztes Jahr zum Beispiel habe ich mir von einem Sprecher ein Satz Bodenradardaten geben lassen und darauf grafisch die Grundrisse einer römischen Villa aus der Umgebung dargestellt. Ich hatte schon immer gesagt, dass mein Amt eine interessante Geschichte über die Entwicklung moderner Statistik zu erzählen haben und so einen Abend organisierten sollten. Jetzt also wurde ich erhört und muss zeigen, dass ich den Mund nicht zu voll genommen habe. Ich bin allgemein sehr zufrieden mit meiner derzeitigen Arbeit. Ich bin stark eingespannt, aber vor allem mit Projekten, die mir großen Spaß machen. Ich programmiere nicht nur viel, sondern darf auch andere über mein Programmieren belehren, neue Systeme bauen und eigene Projekte führe und zeigen, dass ich schon immer wusste, wie wir alles besser machen können.

In York lernte ich ein paar Franzosen kennen, die Physik und Musik studierten. Hat mich damals als sehr vernünftige Kombination beeindruckt. Ich überlege, mir ein Mikroskop zuzulegen.

Dienstag, 8. Januar 2019

Mottisfont

Für meinen Geschmack hatten wir über die Weihnachtspause zu wenig gemacht. Ich hatte zu wenig Bewegung und Gesellschaft gehabt. Am Ende war ich richtig froh, wieder zur Arbeit zu gehen. Darum habe ich beschlossen: das nächste Wochenende mache ich endlich mal wieder einen Ausflug, mit viel Zeit und wenn nötig allein. Ellie hatte darauf im Winter wie erwartet keine Lust, jedenfalls nicht wenn man dafür früher aufstehen musste. Das war mir eigentlich ganz recht, einen Tag ganz nach meinem Geschmack zu gestalten.

Mein Ziel war das Herrenhaus Mottisfont, nordöstlich von Southampton. Gegründet worden war es als Augustinerpriorat, heute im Besitz des National Trust. Ich hatte das im Blick gehabt, seitdem ich mehrmals im Zug daran vorbeigefahren bin. Die Region hat mir schon immer sehr gefallen; sie ist sehr grün und leicht hügelig, umfasst unter anderem Salisbury und Stonehenge, und die Idee eines alten Klosters mit Rosengarten dort hatte mir schon immer gefallen. Auf der Autofahrt dorthin bin ich gleich an mehreren weiteren vielversprechenden Schildern zu Gärten und Häusern vorbeigekommen und werde sicherlich noch mehr erkunden.

Mottisfont also liegt direkt am wunderschönen kleinen Fluss Test. Der Kalkboden produziert sehr klares Wasser, auf dem Gelände bricht eine Quelle direkt aus dem Boden und läuft in einem Wasserspiel in den Flusslauf. Mir wurde gesagt, dass Angellizenzen tausende Pfund pro Tag kosten - daher darf man wohl auch nicht Boot fahren. Sehr schade, genau den Gedanken hatten ich immer gehabt.

Das Priorat wurde im 12. Jahrhundert von einem schlimmen Steuereintreiber gegründet, später Sherrif von Nottinghamshire und möglicherweise der bewusste Sheriff von Nottingham selbst war. Mit zunehmendem Alter hat er sich wohl Sorgen um sein Seelenheil gemacht; praktischerweise war da genug Steuergeld an seinen Fingern kleben geblieben um drei Klöster zu gründen. Mottisfont war von der Pest aber fast zerstört worden und als Heinrich VIII. es auflöste, war es ohnehin praktisch leer. Es war dann bis ins früher 20. Jahrhundert Sitz mehrerer Familien, bevor es ein reicher Banker kaufte, dessen Sohn es dann in den 1950ern dem Trust übergab.

Das habe ich alles auf einer Führung gelernt. Das Haus selbst ist ziemlich klein und momentan noch im Weihnachtsdekor. Im Erdgeschoss wurde die Nacht vor Weihnachten dargestellt, wo in englischen Häusern alles schläft und von den Betten bereits riesige, gefüllte Geschenkstrümpfe hängen. Eigentlich kitschig, aber mir hat das gefallen. Normalerweise sieht man natürlich die Innerneinrichtung. Im Keller war noch einige mittelalterliche Bausubstanz zu sehen.
Dann bin ich das Gelände abgelaufen, am Fluss entlang, über ein Feld und zwischen einigen Bäumen hindurch die wohl als Wald gelten. Der große Garten hatte sich leider noch keine Pflanze aus dem Boden gewagt. Aber jetzt wo ich alles einmal abgelaufen habe kann ich zur Blütezeit mit Ellie wiederkommen.

Freitag, 28. Dezember 2018

Advent und Weihnachten

Dieses Jahr ist Weihnachten völlig an mir vorbeigegangen. Dabei ging es gut los: Mitte November hatte ich Zeit über Geschenke nachzudenken, hatte noch vor dem Advent alles organisiert und einmal gebacken. Aber danach schien ich niemals wieder Zeit und Muße zu haben. Das lag einmal an meiner Arbeit: man lässt mich endlich ernsthaft programmieren. Aber ich merke auch, dass ich nach so einem Tag ziemlich wuschig im Kopf bin und mich abends nicht mehr besinnen kann. Und meistens gab es dringende Sachen zu erledigen. Ein anderes Problem war die neue Katze, die am 17. Dezember ins Haus kam und sich bisher nicht besonders gut mit Buddha verträgt.


Weihnachtsstimmung im Büro: ich mache einen Spaziergang, um den Kopf zwischen vielem Programmieren wieder freizubekommen


Am 2. Dezember war das diessemestrige Chorkonzert, in einer Kirche in Gosport. Eine eklektische Sammlung von Lieder zum Thema "Abend", gratis, für einen wohltätigen Zweck der uns nie mitgeteilt wurde. Solche kleineren Veranstaltungen werden nicht so ernst genommen. Einige schöne Lieder von deutschen Komponisten wie Clara Schumann, Brahms, Bruch und Rheinberger waren darunter und das wunderschöne Soir sur la Pleine von Lili Boulanger, die ich bei der Gelegenheit zum ersten Mal gehört habe. Im neuen Jahr singen wir etwas herzhafteres, Haydn und Mozart; allerdings werde ich zum Konzert in Japan sein. Ich darf aber bis zwei Wochen vorher mitproben.

Zwei Tage später, am 4. Dezember sangen wir wie jedes Jahr beim Adventsgottesdienst der Uni in der Kathedrale. Die Chorleitung hasst das immer, aber die ehrlicheren Sänger geben zu, dass wir Weihnachtslieder eigentlich mögen. Ellie hat sich dazu angeschlossen, weil sie die Lieder ja alle aus der Vergangenheit kennt. Sie ist ja seit zwei Jahren nicht mehr im Chor, um sich mehr dem Bauchtanz zu widmen. Ich fühlte mich an diesem Tag etwas krank und hatte von zu Hause gearbeitet. Es tut mir aber nicht gut, nur allein im Haus zu hocken. Darum hat mir diese Veranstaltung richtig gut getan. Zum ersten Mal bekam ich ein ganz bisschen Weihnachtsstimmung.

Nach dem Adventssingen in der Kathedrale von Portsmouth

Weitere zwei Tage später habe ich mit meinen tschechischen Freunden sozialistisches Brauchtum gepflegt und Drei Haselnüsse für Aschenbrödel geguckt. Mit dabei waren ihre kleine Tochter, der Opa, sowie Ellie. Ellie und die Tochter haben den Film zum ersten Mal gesehen und ich zum ersten Mal auf Tschechisch. Und habe erfahren: in der tschechischen Version singt Karel Gott über die kleine Birke. Die englische Komponente bestand aus dem berühmten Weihnachtspudding, sogar stilecht mit brennendem Brandy übergossen.


Samstag den 8. Dezember haben wir unseren Weihnachtsbaum gekauft und geschmückt. Ich war erst genervt, dass das unbedingt nach 21 Uhr geschehen musste, aber es hat das Haus in der Tat etwas adventlicher gemacht. Am Sonntag sind Ellie und ich wieder zum schönen Weihnachtsmarkt in Winchester gefahren.

Unser Weihnachtsbaum


Weihnachtsmarkt vor der Kathedrale in Winchester

Am 16. Dezember hatte Ellie Geburtstag und ich hab sie zu einer Überraschungprivatstunde Ballet gefahren. Hat nichts mit Advent zu tun, aber in der Zeit konnte ich kurz aufs Land fahren und dort etwas Ruhe und Alleinsein erfahren. Der Ort Hambledon ist einfach ein Dorf zwischen den Hügeln der South Downs, aber bekannt als der erste Cricketverein der Welt. Mir hat die völlige Stille in der Kirche und ein Abschnitt eines mittelalterlichen Wanderwegs sehr gut getan.


Der restliche Advent ist dann leider völlig an mir vorbeigerauscht bis Weihnachten selbst vor der Tür stand. Am letzten Adventwochenende bekam ich aber schon mein Hauptgeschenk von Ellie: sie nahm mich nach London zu einer Aufführung des Weihnachtsoratoriums in einer Kirche ganz nah am Parlament. Sie hatte das schon letztes Jahr machen wollen, aber keine Karten mehr bekommen, weshalb sie damals stattdessen die Matthäuspassion im März gebucht hatte. Gesungen hat eines der Colleges der Universität Canterbury, natürlich ganz toll und auswendig, ohne Noten und auf Deutsch.

Westminster Abbey auf dem Rückweg vom Weihnachtsoratorium

Am 24. wurde mir auch nicht besonders weihnachtlich. Erst als ich nach Dunkelheit zum Meer gejoggt bin und etwas allein am Strand gestanden habe, wurde es etwas besser. Unter anderem fehlt mir ganz einfach Bewegung und Interaktion mit Menschen, gerade nachdem ich ein paar Tage zu Hause gearbeitet hatte. Als ich zurück kam, war dann schon der Abendbrottisch gedeckt und erst zu diesem Zeitpunkt bekam ich etwas Stimmung. Anschließend war Bescherung zwischen mir und Ellie sowie die Pakete aus Deutschland. Dann haben wir den traditionellen englischen Weihnachtsfilm "Stirb langsam" geguckt bevor wir zur Mitternachtsmesse gegangen sind. Am Weihnachtsmorgen gab es dann die englischen Geschenke; auch ich habe nochmal einen Weihnachtsstrumpf am Bett hängend gefunden.


Ich hatte mir die ganze Weihnachtswoche freigenommen, aber auch diese Zeit schien zu verfliegen zwischen späten Abenden, spätem Aufstehen, Besuchen und Katzenfürsorge. Eigentlich haben wir nur eine kleine Wanderung in den South Downs gemacht, die dafür besonders schön war.



Heiligabend

Katzenjammer

Seit dem 17. Dezember haben wir eine zweite Katze. Die Geschichte dahinter ist die: eines Tages hörten Ellie und befreunde Katzendiener auf dem Weg nach Hause von der Arbeit einen kleinen Kater nach Hilfe miauen. Das Tier war völlig verängstigt und abgemagert. Wir vermuten es war ausgesetzt worden und konnte nicht gut jagen. Der Tierarzt schätzt ihn auf zweieinhalb Jahre. Sie haben in der Straße erfolglos nach den Besitzern gesucht. Über sympathisierende Anwohner kam die Katze in eine Rettungsstelle, aber Ellie hatte bereits gesagt, dass sie sie übernehmen würde, sollte sich kein Besitzer finden. Wir hatten über die Jahre immer wieder überlegt, ob Buddha einen Mitbewohner mögen würde, wenn wir unterwegs sind, insbesondere seitdem wir 10 Tage in Japan gebucht haben. Am 17. Dezember hat Ellie die Katze dann abgeholt, zum Beginn ihres Weihnachtsurlaubs. Wir nennen ihn Mochi, nach einer japanischen Nachspeise.
Natürlich weiß man nie, ob sich Katzen verstehen. Bisher sieht es nicht gut aus. Nach einigen Tagen Eingewöhnung in einem Zimmer haben wir Mochi in den Rest des Hauses gelassen. Es ist ausgesprochen freundlich und zutraulich mit Menschen. Aber leider scheint er Buddha herumzuschubsen, der sich nicht zu wehren weiß, vermutlich weil er sein Leben lang von seiner Katzenmutti verwöhnt und beschützt wurde, während Mochi auf der Straße gelebt hat und vielleicht instinktiv sein Revier verteidigen muss. Ich war über Weihnachten teilweise richtig genervt, weil die beiden nur unter ständiger Beobachtung zusammen sein können und damit will ich nicht die gesamte freie Zeit verbringen. Manchmal hat mich das richtig an den Zivildienst erinnert, wo ich völlig erschöpft war, die Kinder keine Sekunde aus den Augen zu verlieren. Nach einigen Tagen hat auch Ellie die Zuversicht verloren. Wir versuchen jetzt noch einmal von vorne anzufangen, die Katzen einige Tage zu trennen und dann ganz, ganz langsam zusammen zu bringen. Aber wenn das nicht funktioniert, müssen wir Mochi zurück ins Tierheim bringen. Das macht uns beide unglücklich, aber wenn wir wieder arbeiten gehen, müssen sich die beiden vertragen. Schließlich können wir Mochi nicht den ganzen Tag in einem Zimmer einsperren.

Fußball

Am 8. Dezember habe ich endlich das Fußballstadion von Portsmouth kennengelernt. Letztes Jahr war ich ja mit Papa bei einem Spiel in Southampton gewesen und hatte den lokalen Verein schon immer mal sehen wollen. Von Kollegen und aus dem Stadtbild hatte ich einen positiven Eindruck des Publikums bekommen, und wenn der Wind richtig steht, hört man an Spieltagen sehr ordentlich Gesänge. Portsmouth hat sich in den letzten Jahren sehr gut erholt. Vor vielen Jahren aus der Oberliga abgestiegen, stiegen sie vor meiner Zeit in die dritte Liga auf (Ellie erzählt, wie damals die ganze Stadt feierte) und haben sich diese Saison bereits den Aufstieg in die zweite gesichert. Gute Stimmung also.  Ellie ist auch mitgekommen, obwohl sie sich auch wenig für Fußball interessiert.Ein fußballinteressierter Freund hat Karten organisiert. Seitdem geburtenschwache Jahrgänge ins Studentenalter gekommen sind, sponsort die Uni den Fußballverein, um unter jungen Leuten zu werben - und Unimitarbeiter kriegen Kartenrabatt. Also waren wir zu dritt, dass allein fand ich schon gut, weil ich seit Mathieus Wegzug immer noch keinen echten Freundenkreis hier habe. Wie wir später erfuhren, waren diverse Freunde auch im Stadion. Das hat mir auch gefallen, weil es noch relativ klein ist und nahbarer wirkt als die großen Arenen. Tradition steckt auch drin: ein Flügel steht unter Denkmalschutz. Und man spürt die Geschichte des Vereins in einer Hafenstadt: vor der Partie wurde die "Hornpipe" gespielt, eine traditioneller britischerr Seemannstanz, über den man sich auf jeden Fall informieren sollte - offenbar hat ihn Händel in seine Wassermusik gesteckt. Und dazu trug man ein Plakat mit der Zeichnung eines Matrosen um das Rund, das ich schon oftmal gesehen hatte; offensichtlich hat es einen lokalen Hintergrund. Das Spiel wurde souverän gewonnen.

Die gegenüberliegende Seite steht unter Denkmalschutz, weil sie ein Stadionarchitekturspezialist 1909 gebaut hat.