Gestern abend war ich beim öffentlichen Singen von Brahms Deutschem Requiem. Das heißt, einer der großen Chöre der Stadt stellt seinen Dirigenten und einen Pianisten in eine Kirche hier in Southsea und jeder kann mitsingen. Zwei Stunden Probe, dann einmal durchsingen. Ellie erzählt regelmäßig die Geschichte, wie sie das Stück dazu brachte dem hiesigen Chor beizutreten. Und auch ich bin darüber das erste Mal in einen Chor eingetreten: 2012 habe ich Freunde im Universitätschor York zum Konzert singen gehört und bin anschließend dem Chor beigetreten. Viel gemerkt hatte ich mir damals vom Stück wenig und selbst gesungen hatte ich es aber noch nie. Wie sich rausstellte, lässt es sich ganz gut vom Blatt ablesen. Mir hat es gut getan, den Abend unter vielen Leuten zu verbringen.
Ich habe noch etwas anderes musikalischen erfahren: als wir im Dezember beim lokalen Fussball waren, wurde vor dem Spiel eine folkloristische Melodie gespielt. Jetzt weiß ich: das war keine Seemannsweise von der Werft, sondern ein Stück namens "Portsmouth" von Mike Oldfield. Der gleiche Mike Oldfield, den ich bisher nur von der Schnulze Moonlight Shadow (1983) kannte. Interessant: Ellie hatte davon noch nie gehört, dafür ist Mike Oldfield für sie ein Held der Folkbewegung und besonders bekannt für seine Weihnachtslieder aus den 1970ern.
Unser Management hat mir endlich grünes Licht gegeben beim diesjährigen Pint of Science Festival mitzumachen. Das ist ein dreitägiges Festival, in vielen Städten in vielen Länder, wo abends in Kneipen zwanglose Vorträge über wissenschaftliche Themen gehalten werden. Mich hat das seit Jahren begeistert, nicht zuletzt weil fast alle Zweige heutzutage Datenanalyse betreiben. Letztes Jahr zum Beispiel habe ich mir von einem Sprecher ein Satz Bodenradardaten geben lassen und darauf grafisch die Grundrisse einer römischen Villa aus der Umgebung dargestellt. Ich hatte schon immer gesagt, dass mein Amt eine interessante Geschichte über die Entwicklung moderner Statistik zu erzählen haben und so einen Abend organisierten sollten. Jetzt also wurde ich erhört und muss zeigen, dass ich den Mund nicht zu voll genommen habe. Ich bin allgemein sehr zufrieden mit meiner derzeitigen Arbeit. Ich bin stark eingespannt, aber vor allem mit Projekten, die mir großen Spaß machen. Ich programmiere nicht nur viel, sondern darf auch andere über mein Programmieren belehren, neue Systeme bauen und eigene Projekte führe und zeigen, dass ich schon immer wusste, wie wir alles besser machen können.
In York lernte ich ein paar Franzosen kennen, die Physik und Musik studierten. Hat mich damals als sehr vernünftige Kombination beeindruckt. Ich überlege, mir ein Mikroskop zuzulegen.
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