Sonntag, 4. November 2018

Guildford

Heute haben wir die Stadt Guildford auf halben Weg nach London gesucht. Bisher kannte ich den Ort nur von der Durchfahrt oder von Tangoauftritten im dortigen Theater. Da hat er immer furchtbar ausgesehen, graue Nachkriegsarchitektur. Dann hat Ellie berichtet, dass sie mit Freundinnen richtig schöne Ecken gefunden hatte. Darum wollte ich mich auch mal umgucken. So habe ich herausgefunden, dass Guildford eine alte Stadt ist, vermutlich aus angelsächsischer Zeit, an der Furt des Flusses Wey. Der wiederum sah richtig schön aus und wurde schon im 17. Jahrhundert mit dem entstehenden Kanalsystem verbunden, was der Stadt Handelsreichtum brachte und heute eine super Ausgangslage für Bootsausflüge. Fürs Kajak im Frühling vorgemerkt. Überhaupt liegt der Ort, und die gesamte Anfahrt, in sehr schöner Gegen, mit den bewaldeten Hügeln und Tälern der North Downs - wohl dem Gegenstück der South Downs, in denen ich mich hier lokal gerne verlustiere.
Jedenfalls haben wir eine alte Burg Wilhelms des Eroberers gefunden, in dessen Nähe sich der Autor von Alice im Wunderland eine tödliche Erkältung zugezogen hat. Daneben verläuft die alte Hauptstraße, mit vielen alten Häusern, von der Tudorzeit an. Das "Guild" in "Guildford" kommt von "Gilde" im Sinne von Zunft, und in der Mitte der Straße steht die alte Zunfthalle mit allerlei Gepränge. Gegenüber liegt der alte Kornmarkt unter dorischen Säulen, denn obwohl Guildford Marktstadt war, hatte es nie einen Marktplatz. Weiter oben folgt das "schönste Armenhaus des Landes", in Palastform, wo noch heute Menschen mit "bescheidenen Mitteln" leben dürfen. Und wenn man sich dort oben zum Fluss umdreht sieht man, wie direkt gegenüber eine Straße den Hügel wieder raufgeht. Bis heute sieht man den Ursprung des Ortes als Handelplatz an einer Furt. Der Rest der Straße und historischen Häuser sind von Geschäften geprägt, die Ellie damals begeistert hatten und wo auch wir jetzt den Tag großteils verbrachten. Die Hauptstraße ist also schön, und viele schmale Seitengassen auch. Aber ein paar Schritte weiter geht die Misere los, die ich bis dahin immer gesehen hatte. Guildford wurde nicht besonders stark bombardiert. Wir vermuten, dass es im Boom der Nachkriegszeit ganz schnell für Pendler nach London ausgebaut wurde.

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