Samstag, 17. November 2018

Wanderlust

Letztes Wochenende habe ich eine schöne Wanderung gemacht. Papa hatte vor seinem vorletzten Besuch in einer Dokumentation von einem besonders guten Burger-Imbisswagen auf Portsdown Hill gehört, dem Hügel direkt nördlich von Portsmouth. Da sind wir einmal mit dem Bus zum Aussichtspunkt dort gefahren, wo so ein Wagen steht. Die Aussicht fanden wir toll, Burger ganz normal. Aber ich habe mir gemerkt, dass die Busfahrt ziemlich angenehm und schnell war, und dass vom Hügel viele Wanderwege in die Ebene im Norden führen, wo alles grün und ländlich ist. Letztens habe ich dann gehört, dass es noch einen zweiten Burgerwagen gibt, etwas weiter auf einem kleineren Parkplatz, und das wäre besonders gut. Also bin ich nochmal da hoch, den Grad entlanggelaufen, an einer der alten Festungen vorbei, habe diesen Wagen gefunden und der macht tatsächlich tolle Burger. Von dort bin ich runter in die Ebene, wo es verschiedenste Wanderwege gibt, aber ich wusste nicht genau, wie lange man läuft. War mir auch egal, denn man läuft über Landstraßen und besonders schöne Buchenwälder, wo momentan Laubdach und Boden aus roten und gelben Blättern bestehen. Letztendlich bin ich bis ganz ins Dorf Southwick gekommen, wo Papa und ich bei seinem letzten Besuch gewesen waren. Das ist erstens hübsch und war zweitens im Krieg Hauptquartier der Landung in der Normandie. Das kann man bis heute besichtigen, aber nur wenn einen das Verteidigungsministerium lässt, denn die haben das Gelände nie aufgegeben. Außerdem habe ich gelernt, dass in der ehemaligen Abtei, von der jetzt nur noch eine Mauer steht, Margarete von Anjou lag, als sie auf der Reise zur Hochzeit mit König Heinrich VI. von England an den Pocken erkrankte. Und die Hochzeit fand dann 1445 in der Abtei Titchfield statt - praktisch direkt neben meinem Büro. Beides wusste selbst Ellie noch nicht. Und wenn ich dem Wirt glauben kann, fahre ich jeden Morgen über eine kleine Brücke, die damals für diese Hochzeit gebaut worden war. Die führt in der Tat direkt auf die Abtei zu.
Auf dem anschließenden Rückweg zur nächsten Bushaltestelle bin ich ordentlich nass geworden. Das war es mir wert, ist aber vielleicht der Grund, warum ich momentan vielleicht krank werde. Mein Körper kann sich seit einer Woche nicht entscheiden.

Arbeit
Dafür hat mir die Arbeit die ganze Woche lang richtig Spaß gemacht. Ich führe zur Zeit zwei Projekte mehr oder weniger alleine durch, werde größtenteils in Ruhe gelassen, und kann vor allem ganz viel programmieren. Das ist das allerbeste - und ich lerne etwas dabei. Meine "Lehre", um die ich mich seit Januar bemühe, habe ich fürs erste auf Eis gelegt, da ich keinerlei Vertrauen mehr in den Anbieter habe. Vor kurzem bekam ich Erlaubnis (und Geld), im nächsten Jahr in Intensivkursen bei uns im Büro drei Module aus dem Aufbaustudium zu machen, aus dem ich schon 2017 ausgetreten war. Darum habe ich gesagt, dass ich die Lehre, sollte sie jemals wirklich stattfinden, erst im nächsten Juli beginne.

Musik
Ich habe dieses Semester noch gar nicht die Musik erwähnt, die wir im Chor singen. Wahrscheinlich, weil es eine Zusammenstellung von kurzen Liedern ist, und das Konzert eine kleine Veranstaltung, gratis. Das Thema ist "Abend", dazu singen wir Stücke von Clara Schumann, Brahms, Bruckner und anderen. Das Hauptstück ist von einer interessanten französischen Komponistin des früher 20. Jahrhunderts, Lili Boulanger. Kannte ich nicht, ihr Abend auf der Ebene gefällt mir aber mit seinen merkwürdigen Dissonanzen.

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