Montag, 28. Oktober 2013

16. Oktober - Darias Besuch

Den Hoehepunkt des Oktobers bildete der Besuch Darias und ihrer Freundin Marta aus Breslau. Daria hatte ich seit 2010 nicht mehr gesehen. Damit wir dann auch etwas Zeit hatten, habe ich mir Montag und Dienstag freigenommen, so hatten wir insgesamt vier Tage. Bis auf den Sonntag wurden wir dabei auch vom besten Wetter in diesem Herbst unterstuetzt.
Daria war zum ersten Mal in England, Marta ist beruflich häufig aber stets nur kurz in London. Ich wusste nicht ganz, was sie interessiert, habe aber ein lockeres Programm 'Portsmouth und typisches England' entworfen. Am ersten Tag sind wir die Seepromenade bis zum Hafen entlang gelaufen, mit Rosengarten, Seebruecke, Burg plus Geschichtseinfuehrung, Tee in der Altstadt und englischem Fruehstueck im Hafen, dann Meerschweinchen im Park und Klamottenlaeden, die hatten schon Kasia und Madzia 2011 in York begeistert. Abends hat mich Mathieu selbstlos dabei unterstuetzt, den Maedchen auch den klassischen Pub zu zeigen, sowohl Upper als auch Working Class - wir konnten uns dabei auf vorherige Forschungsarbeit stuetzen.
Sonntag mussten sich meine Gaeste an mein eigenes Programm anschliessen, denn ich hatte schon lange den letzten offenen Tag des Geschichtsdorf im Kalender. Leider goss es aus Kübeln; zum Glueck hatte sich am Vortag Mathieu mit seinem Auto mit angemeldet. Ausserdem nahmen wir Theresa mit, eine deutsche Austauschstudentin, die ich aus dem Chor kenne. Ich wusste nicht, wie sehr Daria und Marta sich bei Regen fuer Leute in Kostuemen interessieren, zumal die getreu ihrer Rolle von Polen noch nie was gehoert hatten. Gluecklicherweise hatten alle Spass, insbesondere auch Theresa und Mathieu fragten die Leute nach allen Details der Stoffproduktion und Armamputation. Urspruenglich hatten wir noch einige Stellen in der Region westlich bis Southampton geplant, dass aber aufgrund des Wetters verworfen. Theresa rettete meinen Tagesplan und lud uns alle zu sich ein, wo ein Freund aus Zypern kochte und wir uns alle unverhofft noch einmal in einer Athmosphaere wie in unseren eigenen Studentenkuechen fanden. Ich gab spaeter noch ein Einfuehrung Salsa, dann gingen wir abends alle zur richtigen Tanzstunde.
Montag fuhren wir nach Winchester als Beispiel einer englischen mittelalterlichen Stadt. Neben Rundem Artustisch (entgegen meinen bisherigen Vorstellungen ein Original eines englischen Königs aus dem 12. Jh.), Kathedrale, Bischofsburg und Fluss waren die Maedchen am meisten von einem klassischen Pub mit Kaminfeuer bezaubert, den mir Mathieu auf unserem letzten Besuch dort gezeigt hatte. Abends fuhr Marta weiter zu einer anderen Freundin. Daria und ich luden unsere Gastgeber vom Vortag ein, diesmal bei uns zu essen. Wir waren zwar beide am anderen Ende der 20er Jahre als sie, aber ganz ehrlich wurden wir richtig sentimental, zu Hause noch einmal  um einen zu kleinen Tisch mit billigem Wein zu draengen und Macarena zu tanzen. Soviel Leben hatte ich nicht mehr in meinem Haus, seit ich keine Uebernachtungen mehr anbiete.
Dienstag schliesslich nahm ich Daria mit auf die Isle of Wight. Keine Wolke hielt die Sonne auf, ich merkte, dass ich selbst in diesem Jahr noch nicht wirklich mit Zeit auf der Insel gewesen war, und mit Daria hatte ich ein Landkind, dass meine Sehnsucht nach Ruhe und Weite verstehen konnte. Wir liefen viel weiter als geplant, zum Vogelreservat, nach Seaview, die Huegel hinauf, um auch den Blick von oben aufs Meer zu zeigen. Dann bogen wir von der Strasse auf die Felder ab, kamen an einen noch vollen Brombeerbusch vorbei, machten in der windstillen Senke ein spontanes Picknick in der Sonne, als waere noch August. Ich muss wieder mehr auf die Insel.

Die Mädchen am Strand. Bis in den September war ich hier noch schwimmen.

Wer bei mir gewesen ist, weiß, dass an der Karte immer der Geschichtsunterricht stattfindet.


Im Hafencafe schafften es die Mädchen durch fast das halbe englische Frühstück. Die Würstchen wurden abgelehnt.


Englische Pubs fanden Zuspruch, englisches Bier nicht.

In der Schmiede von 1642 glüht das Feuer und ein polnisches Lächeln.

Rechts Theresa aus Siegen.

Der Wirtshausbesitzer.

 






Vor der Kathedrale in Winchester.

 

Der schönste Pub in Winchester.




Daria an der Promenade der Isle of Wight.

Im Juli 2012 habe ich ein Foto an gleicher Stelle gemacht.



Picknick unter Brombeeren.




Donnerstag, 19. September 2013

Zurück im Herbst

Die Abreise aus Deutschland war wie immer schwierig und das Reisen die inzwischen so ungeliebte Ermüdung wie gewohnt. Die Rückkehr nach England war aber diesmal glimpflich, auch wenn wie erwartet der Sommer eindeutig vorbei ist. Direkt nach dem Urlaub kam ja eine Konferenz in Wales, weshalb ich auf den nächsten Flughafen in Bristol geflogen bin. Übernachtet habe ich bei einer Klavierlehrerin, die fließend Deutsch sprach und richtigen Essen machen konnte, wozu ich echtes deutsches Brot beisteuerte. Während meine Kollegen für die lange Anfahrt von Titchfield um 7 Uhr losfuhren, konnte ich morgens im Klavierraum noch Singen üben und mich erst dann zum Bahnhof aufmachen.
Diese meine erste Konferenz, auf dem ersten Besuch in Wales, war eine schöne Erfahrung. Swansea ist nicht interessant, aber die Uni, auf deren Gelände alles stattfand, liegt 5 Minuten Fußweg von einer weiten Bucht mit Sandstrand und Leuchtturm auf einem Felsen. Dorthin habe ich mich gerne morgens und abends abgesetzt. Die Mensa hatte direkten Blick aufs Wasser. Vor allem aber konnte ich wieder richtig Student spielen und habe mir drei Tage lang Vorträge von schlauen Leuten angehört, darunter echte Koryphäen, deren Bücher wir im Studium gelesen haben. Ich selbst habe ganz am Ende auch meinen Vortrag gehalten.

Zurück in Portsmouth ist unser Haus richtig voll. Neben den drei „Sommer“bulgaren sind die zwei normalen Studenten zurück. Da der dritte sein Studium ja abgeschlossen hatte und weggezogen war, ist eine neue Engländerin dazugekommen. Sie ist mit Mitte 20 etwas älter als die anderen und hatte große Hoffnungen geweckt, da sie Musik und Schauspiel studiert, singt und tanzt und das auch unterrichtet, dem Chor und auch der Bauchtanzgruppe meiner Freunde beitreten wollte. Nach zwei Wochen ist aber klar, dass sie sich das Studium wohl etwas zu zeitfrei vorgestellt hat. So sehe ich von meinen Mitbewohnern wie gewohnt wenig, da ich ja selbst nicht viel zu Haus bin. Nach einem Abschiedsessen sind die drei Bulgaren jetzt ausgezogen; mit denen hatte ich gerne zusammen gewohnt.

Das neue Semester hat also begonnen und die Stadt ist überflutet mit Erstsemestern, was in England eine besonders niedere Lebensform ist. Auf der positiven Seite läuft auch der Unichor wieder, aber anfangs musste man sich durch eine richtige Flut dieser Leute auf Strassen und Gaengen kämpfen. Wir singen Mozarts Messe KV 167 und Salieris Messe in D, Konzert ist am 30. November. Ein interessantes Detail: im nächsten Semester studieren wir ein Stück der wohl wichtigen und sogar noch lebenden Komponistin Cecilia Macdowall ein. Die hat auf Betreiben unseres Dirigenten einen Ehrendoktor der Uni bekommen und hält uns dafür zum Probebeginn eine Rede. Gut also, in einem Unichor zu sein. Mit moderner Musik sollten wir dann auch die meisten Studenten loswerden. Auch mein Gesangsunterricht läuft, und von meinem Tangolehrer habe ich ein Lob bekommen! Ich bin also voll und ganz zurück in meinem Programm, mit all der dazugehörigen Zeitnot. Zum Glück ist natürlich der Sommer fast vorbei und man muss nicht mehr ständig auf tolle Konzerte und Schwimmen gehen (wobei letzteres noch lohnend ist). Darum verbringe ich wieder einige Zeit in der Bibliothek, wo ich durchaus auch Gesang und Tanz üben kann.
Meine Priorität war in den ersten Wochen aber, den Kontakt mit Freunden wieder herzustellen. Neben Einzeltreffen bot sich dafür das Portsmouth Sommerfest an, das am 21. September im zentralen Stadtpark (mit den Meerschweinchen) stattfand. Freunde machten eine Bauchtanzshow und andere hatten sich als Arbeitshelfer gemeldet. Das tat ich dann auch und hatte neben Aufbauhilfe für Stände der Öko- und Bewusster-Leben-Fraktion endlich mal die Zeit, mich in Ruhe zu unterhalten.

Neben allem lässt sich auch die richtige Arbeit nicht völlig vermeiden. Zum Glück ist es aber ruhig. Unser bisheriger Chef wurde hinauskomplimentiert und wir wurden mit einer der letzten großen Arbeitsgruppen der immer weiter schrumpfenden Abteilung Volkszählung vereinigt. Dadurch kann sich wieder jeder auf ein Thema konzentrieren, und ich bin zurück in meinem Lieblingsbereich, der Variablenentwicklung und -qualitätsprüfung. Das darf ich in Ruhe vor mich hintreiben und das macht mir Spaß. Außerdem gibt es viele Fortbildung, zur Konfliktregelung, zur Sicherung von privaten Daten und zur Erschliessung von Datenquellen aus den nichtstatistischen Verwaltungsbehoerden.

Sonntag, 15. September 2013

18.08.2013 - Skandinavien

Jetzt bin ich also zurück aus Skandinavien und habe ganz viele tolle Sachen erlebt und gedacht, die alle wahr sein können oder auch nicht, am besten gebe ich nur einige Details, die unbestreitbar sind. Allgemeingültigkeit haben nur die echt deutsche Laufleistung, handfeste Bildung und zügellose Albernheit.

Die ungewohnte Weite, das Grün und Blau von Schweden schon beim Anflug. Die akurate Ordnung in jedem Detail. Die Katharinenkirche und ihr Viertel auf der Södermalm.

Die traumhaft ruhige Fahrt durch das Licht und die Weite der Schären. Die offene Ostsee danach. Am nächsten Morgen am Bug im Regen bei der Einfahrt nach Helsinki.

Die barbarischen Horden auf den Fähren (ich traf sie später wieder im Flieger zurück in ihre Heimat).

Erste warme Mahlzeit bei unserem Gastgeber in Helsinki. Seine Bücher und Musik. Die finnische Sauna im Wohnblock von 1929. Der endlose Lärm der Touristen in der Felsenkirche. Auf der Festungsinsel am Meer zu schlafen.

Wie die Führerin des Tourismusvereins Tallin aus ihrer Bude sprang, um Friedemanns alte Karte zu sehen. Die Konzertprobe in der Kellerkneipe. Als wir in Tallin Kasia zufällig früher als geplant in die Arme gelaufen sind.


Wie ich mich wieder einsam fühlte, als am Ende alle weg waren.

Stockholm Altstadt.

Stockholm Altstadt.

Stockholm Altstadt.


Palastwache.






Das Schiff ist eine Jugendherberge.


Wachwechsel am Palast.


Rathaus bei Nacht, mit drei Kronen über dem Turm.

Auf der östlichen Insel Djurgarden liegt auf ein schöner Park...

...mit Apfelwiese.



Bei der Abfahrt Richtung Helsinki.


Bei der Fahrt durch die Schären klart auch das Wetter auf.




Es wird Nacht.

Tallinn Altstadtrathaus.

Orthodoxe Kirche.

Der Hafen voller Kreuzfahrer und Fähren.



An der Kamera fotografiert auch Friedemann mit.

Interessantes Detail.



Helsinki Felsendom.

Helsinki: bei unserem Gastgeber.

Auf der Festungsinsel vor Helsinki.

Hier wohnen auch noch Menschen.


 



Wie ganz Helsinki ist auch der weiße Dom erst bei Sonne richtig schön.


An der Brücke zur Traditionsinsel Helsinkis.

Mittwoch, 7. August 2013

Die zweite Julihälfte war eine schwierige für alle regulären Freizeitaktivitäten, da ich stark beschäftigt war, die Reisen nach Skandinavien, Deutschland sowie meine erste (noch deutsche) Steuererklärung zu organisieren. Jetzt sind Fahrkarten und Übernachtungen organisiert, am Samstag geht es nach Stockholm, und aus den nächsten vier Wochen werde ich drei auf Reisen sein. Vorher will ich daher noch das Tagebuch aktualisieren.

Wenn ich freie Zeit hatte, habe ich weder singen geübt noch gelesen, sondern habe natürlich immer die viel beklagte Hitzewelle genossen. Mit Ausnahme des letzten Sommers habe ich wohl selten so aktiv gelebt. Jeden Abend nach der Arbeit geht es Schwimmen, und zum ersten Mal im Leben finde ich das sogar unter sportlichem Gesichtspunkt angenehm. Wenn die Sonne den ganzen Tag geschienen hat und es noch richtig warm ist, liegt der Strand noch voller Menschen. Wenn nicht, ist man fast alleine und hat die Sonne auf dem Wasser auf Augenhöhe, und auf dem Rückweg leuchtet sie noch einmal die Blüten im Rosengarten aus. Oft kommt Mathieu mit und dann gehen wir noch in einen Pub oder kochen. Mein Haar durfte lange nicht mehr so lang wachsen, weil es vom Meerwasser gebleicht auch so gut aussieht. Und sogar bei einer guten Brise ist es noch tief entspannend, nach dem Schwimmen am Wasser zu liegen, den Wellen zuzusehen und der ewigen Brandung zuzuhören.

Einen Freitag war ich mit Cristina in Winchester tanzen. Das hat leider enttäuscht, da keine von mir beherrschte oder auch nur tolerierte Musik gespielt wurde. Auf dem Rückweg am nächsten Tag habe ich wieder in der Burg Portchester halt gemacht, wo ich lernte, dass ich seit einem Jahr Unsinn erzähle: die Kirche dort ist nicht angelsächsisch, sondern normannisch! Auch konnte ich spontan einen weiteren Punkt auf der Liste abhaken und bin auf den großen Hügel nördlich von Portsmouth gefahren. Von dort hat man wirklich einen großartigen Blick, der einzige Ort, von dem man mit eigenen Augen sieht, dass Portsmouth eine Insel ist, die zwischen zwei weiteren Ausbuchtungen liegt, und auch die Isle of Wight kann man nur hier von einem Ende zum anderen sehen, während vor ihr die Queen Mary 2 vorbeifuhr.
Ein anderes Mal habe ich den Tag der offenen Tür in Cristinas Kanuverein besucht. Da konnten wir gratis den Fluss Hamble befahren, samt intensiver Ausbildung. Das war natürlich fast wie damals 2006 auf dem Bug, insbesondere als ich ein Kanu allein staken konnte.
Sonntags ging es immer zum Konzert am Meer. Einmal kamen dazu fünf Portugiesen um unsere Bekannte Carla, mit der wir bereits in Brighton und Salisbury gewesen waren. Einmal mehr tanzten wir uns in sengender Sonne die Hacken ab zu sehr tanzbarem Elektroswing. Zu schade, dass ich danach nur noch zwei Konzerte miterleben konnte, bevor ich alle Augustwochenenden der restlichen Saison weg bin. Anschließend sind wir alle schwimmen gegangen und noch durch den Rosengarten, der zwar seine Blüten langsam schon wieder verliert, aber ein allgemein geschätzter Ort von Ruhe und Eintracht ist. An einem sonnigen Abend haben wir auch einen meiner Tanzkurse an den Konzertstand am Meer verlegt.

Wenn ich zurückkomme, wird es langsam wieder Herbst werden und ein langer Winter wird zwischen uns und dem nächsten Sommer stehen, bevor Portsmouth von einer mittelmäßigen Stadt zum besten Ort der Welt wird. Wie im Frühling erahnt war der Sommer viel zu kurz. Viele Pläne sind ein weiteres Mal liegen geblieben – aber ich bin auch schnell gelernt, wie wenig sie einen interessieren, wenn man auch jeden Tag einfach ans Meer kann. Und so wie der Sommer mit der Pause einiger meiner Hobbies mehr Zeit zu versprechen schien, so freut sich ein Teil von mir auf sein Ende, wenn man nicht mehr so zerrissen wird von den endlosen Angeboten und Möglichkeiten.
Tanzstunde am Meer. Mein Wuschelkopf hinten Mitte links. Die beiden Lehrer rechts daneben.