Sonntag, 15. September 2013

18.08.2013 - Skandinavien

Jetzt bin ich also zurück aus Skandinavien und habe ganz viele tolle Sachen erlebt und gedacht, die alle wahr sein können oder auch nicht, am besten gebe ich nur einige Details, die unbestreitbar sind. Allgemeingültigkeit haben nur die echt deutsche Laufleistung, handfeste Bildung und zügellose Albernheit.

Die ungewohnte Weite, das Grün und Blau von Schweden schon beim Anflug. Die akurate Ordnung in jedem Detail. Die Katharinenkirche und ihr Viertel auf der Södermalm.

Die traumhaft ruhige Fahrt durch das Licht und die Weite der Schären. Die offene Ostsee danach. Am nächsten Morgen am Bug im Regen bei der Einfahrt nach Helsinki.

Die barbarischen Horden auf den Fähren (ich traf sie später wieder im Flieger zurück in ihre Heimat).

Erste warme Mahlzeit bei unserem Gastgeber in Helsinki. Seine Bücher und Musik. Die finnische Sauna im Wohnblock von 1929. Der endlose Lärm der Touristen in der Felsenkirche. Auf der Festungsinsel am Meer zu schlafen.

Wie die Führerin des Tourismusvereins Tallin aus ihrer Bude sprang, um Friedemanns alte Karte zu sehen. Die Konzertprobe in der Kellerkneipe. Als wir in Tallin Kasia zufällig früher als geplant in die Arme gelaufen sind.


Wie ich mich wieder einsam fühlte, als am Ende alle weg waren.

Stockholm Altstadt.

Stockholm Altstadt.

Stockholm Altstadt.


Palastwache.






Das Schiff ist eine Jugendherberge.


Wachwechsel am Palast.


Rathaus bei Nacht, mit drei Kronen über dem Turm.

Auf der östlichen Insel Djurgarden liegt auf ein schöner Park...

...mit Apfelwiese.



Bei der Abfahrt Richtung Helsinki.


Bei der Fahrt durch die Schären klart auch das Wetter auf.




Es wird Nacht.

Tallinn Altstadtrathaus.

Orthodoxe Kirche.

Der Hafen voller Kreuzfahrer und Fähren.



An der Kamera fotografiert auch Friedemann mit.

Interessantes Detail.



Helsinki Felsendom.

Helsinki: bei unserem Gastgeber.

Auf der Festungsinsel vor Helsinki.

Hier wohnen auch noch Menschen.


 



Wie ganz Helsinki ist auch der weiße Dom erst bei Sonne richtig schön.


An der Brücke zur Traditionsinsel Helsinkis.

Mittwoch, 7. August 2013

Die zweite Julihälfte war eine schwierige für alle regulären Freizeitaktivitäten, da ich stark beschäftigt war, die Reisen nach Skandinavien, Deutschland sowie meine erste (noch deutsche) Steuererklärung zu organisieren. Jetzt sind Fahrkarten und Übernachtungen organisiert, am Samstag geht es nach Stockholm, und aus den nächsten vier Wochen werde ich drei auf Reisen sein. Vorher will ich daher noch das Tagebuch aktualisieren.

Wenn ich freie Zeit hatte, habe ich weder singen geübt noch gelesen, sondern habe natürlich immer die viel beklagte Hitzewelle genossen. Mit Ausnahme des letzten Sommers habe ich wohl selten so aktiv gelebt. Jeden Abend nach der Arbeit geht es Schwimmen, und zum ersten Mal im Leben finde ich das sogar unter sportlichem Gesichtspunkt angenehm. Wenn die Sonne den ganzen Tag geschienen hat und es noch richtig warm ist, liegt der Strand noch voller Menschen. Wenn nicht, ist man fast alleine und hat die Sonne auf dem Wasser auf Augenhöhe, und auf dem Rückweg leuchtet sie noch einmal die Blüten im Rosengarten aus. Oft kommt Mathieu mit und dann gehen wir noch in einen Pub oder kochen. Mein Haar durfte lange nicht mehr so lang wachsen, weil es vom Meerwasser gebleicht auch so gut aussieht. Und sogar bei einer guten Brise ist es noch tief entspannend, nach dem Schwimmen am Wasser zu liegen, den Wellen zuzusehen und der ewigen Brandung zuzuhören.

Einen Freitag war ich mit Cristina in Winchester tanzen. Das hat leider enttäuscht, da keine von mir beherrschte oder auch nur tolerierte Musik gespielt wurde. Auf dem Rückweg am nächsten Tag habe ich wieder in der Burg Portchester halt gemacht, wo ich lernte, dass ich seit einem Jahr Unsinn erzähle: die Kirche dort ist nicht angelsächsisch, sondern normannisch! Auch konnte ich spontan einen weiteren Punkt auf der Liste abhaken und bin auf den großen Hügel nördlich von Portsmouth gefahren. Von dort hat man wirklich einen großartigen Blick, der einzige Ort, von dem man mit eigenen Augen sieht, dass Portsmouth eine Insel ist, die zwischen zwei weiteren Ausbuchtungen liegt, und auch die Isle of Wight kann man nur hier von einem Ende zum anderen sehen, während vor ihr die Queen Mary 2 vorbeifuhr.
Ein anderes Mal habe ich den Tag der offenen Tür in Cristinas Kanuverein besucht. Da konnten wir gratis den Fluss Hamble befahren, samt intensiver Ausbildung. Das war natürlich fast wie damals 2006 auf dem Bug, insbesondere als ich ein Kanu allein staken konnte.
Sonntags ging es immer zum Konzert am Meer. Einmal kamen dazu fünf Portugiesen um unsere Bekannte Carla, mit der wir bereits in Brighton und Salisbury gewesen waren. Einmal mehr tanzten wir uns in sengender Sonne die Hacken ab zu sehr tanzbarem Elektroswing. Zu schade, dass ich danach nur noch zwei Konzerte miterleben konnte, bevor ich alle Augustwochenenden der restlichen Saison weg bin. Anschließend sind wir alle schwimmen gegangen und noch durch den Rosengarten, der zwar seine Blüten langsam schon wieder verliert, aber ein allgemein geschätzter Ort von Ruhe und Eintracht ist. An einem sonnigen Abend haben wir auch einen meiner Tanzkurse an den Konzertstand am Meer verlegt.

Wenn ich zurückkomme, wird es langsam wieder Herbst werden und ein langer Winter wird zwischen uns und dem nächsten Sommer stehen, bevor Portsmouth von einer mittelmäßigen Stadt zum besten Ort der Welt wird. Wie im Frühling erahnt war der Sommer viel zu kurz. Viele Pläne sind ein weiteres Mal liegen geblieben – aber ich bin auch schnell gelernt, wie wenig sie einen interessieren, wenn man auch jeden Tag einfach ans Meer kann. Und so wie der Sommer mit der Pause einiger meiner Hobbies mehr Zeit zu versprechen schien, so freut sich ein Teil von mir auf sein Ende, wenn man nicht mehr so zerrissen wird von den endlosen Angeboten und Möglichkeiten.
Tanzstunde am Meer. Mein Wuschelkopf hinten Mitte links. Die beiden Lehrer rechts daneben.


Samstag, 13. Juli 2013

Sonne, Meer, Sonne, Meer, Sonne...

Hatte ich jemals gedacht, der Sommer würde ohne Chor und Kaltwasserexperiment gemächlicher, so beweist mir auch der Juli das Gegenteil. Ein typisches Sommerwochenende: Cristina hat mich zu einem Treffen von Hobbykayakfahrern am Strand der Insel Hayling (wo ich im letzten September fast von der Flut überrascht worden war) mit Grill eingeladen. Das war ein Dutzend Leute und einige Boote an einem perfekten Sommertag am Strand. Ich bin zum ersten Mal seit 2006 Kayak gefahren und auch prompt gekentert, aber das Wasser war an diesem sonnigen Tag ohnehin der angenehmste Ort. Später bin ich nochmal mit kurzer Hose in die Brandung gesprungen, trocknet alles von selbst.
Am gleichen Tag fand ich noch einen tollen Platz in Portsmouth, eine ehemalige Kirche, die in 32 Einzelateliers für lokale Künstler umgewandelt worden ist. Die hatten gerade offenes Wochenende und ich hatte einfach nicht genug Zeit für so ein großes Projekt mitgebracht. Abends gab es bei Mathieu noch mehr Grillen mit seinen Nachbarn unter einer Linde.
Sonntag morgen habe ich meine neuen bulgarischen Mitbewohner kennen gelernt, ein Mädchen und zwei Jungs aus Sofia und Umgebung. Machen hier Praktika über den Sommer. Sie sind zwar erst 19, aber alle nett und zuverlässiger als meine übliche Truppe.
Dann mit Mathieu schwimmen. Dann zum Tag des offenen Schiffs im Marinehafen. Dann Mittag im französischen Restaurant. Dann schnell weiter zum Kunstprojekt, alles von gestern nachholen. Ein Künstler verteilt gratis Bilder, ich kriege eine beängstigende rotschwarze Figur. Wir picken eine weitere Sommerbewohnerin der Stadt auf, die im Weingarten mal schnell ihre Wasserfarben aus der Handtasche holt und uns was malt. Abends zu dritt Grillen am Meer.
Alles also wie ich es mir im Idealfall vorgestellt habe, damals in Rostock, von einem Leben am Meer. Und was fühle ich am Ende am meisten? Frust. Dass wir das Konzert am Meer nicht geschafft haben. Das wir nicht zum Poesieabend in diese Kneipe gekommen sind, in der soviel Musik stattfinden soll. Dass ich wieder nichts für geschafft habe für Gesang, Walzer, Tango, Literatur, Statistik, Russisch. Überangebot, kulturell und sozial, war selten mein Problem. Ich bin daran gewöhnt, alles unterbringen zu müssen. Und die Unmöglichkeit, hier alles zu machen, macht mich wahnsinnig. Durchreisende kann ich schon lange nicht mehr aufnehmen, und habe jetzt auch offiziell das Angebot zurückgezogen. Im Sommer in Portsmouth werde ich vermutlich lernen, Prioritäten zu setzen.

Eine Woche später kehrten Cristina und ich an die gleiche Stelle auf der Insel Hayling zurück, um dort den ersten richtigen Strandtag in diesem Sommer zu verbringen. Es gab sogar richtigen Sand, Kinder tobten, ich habe ordentlich Sonnenbrand gekriegt. Am Tag darauf kam mich Kalina in einem bezaubernden Sommerkleid zu meinem Geburtstag besuchen. Bei drückender Hitze spazierten wir das Meer hinab bis zum Sonntagskonzert, bei dem ich zum ersten Mal tanzte. Inzwischen sind alle Geburtstagspakete und - briefe angekommen und mit Dank bedacht worden.
Eine weiter Woche darauf bin ich auf eine Bauchtanzschau gegangen. Die war von einer meiner Tanzlehrerinnen organisiert worden, die hauptsächlich in dieser Richtung aktiv ist. Am Sonntag darauf gab es den lang erwarteten Höhepunkt der sommerlichen Konzertreihe am Meer, das lateinamerikanische Programm. Dazu traf sich die gesamte Salsagemeinde der Stadt und tanzte sich in der sengenden Sonne die Absätze von den Schuhen. Ich konnte nur die ersten zwei Stunden mitschwitzen, denn danach war Tangostunde. Dort üben wir jetzt alle paar Sonntage für einen Auftritt irgendwann. Für den Gesangsunterricht übe ich jetzt aus dem Buch 28 Italienische Lieder und Arien des 17. und 18. Jahrhunderts. Lesen tue ich das kurzweilige Comicbuch Persepolis.

Auf der Arbeit verlässt meine direkte Vorgesetzte leider das Team. Das wird allgemein bedauert, weil unser Gruppenleiter allgemein als inkompetent angesehen wird und sie de facto für Führung gesorgt hatte. Ersatz wird gerade erst geplant, wir haben ohnehin zu wenig Leute, und keiner in meinem Projekt hat große Lust, direkt dem Leiter zuzuarbeiten. Offenbar wurden umfangreiche Absprachen getroffen, um uns von anderen Gruppen indirekt zu steuern. Im Moment kann ich mich selbst genug orientieren, da ich mit der Zeit ein bestimmtes Projekt übernommen habe, das ich jetzt recht gut kenne und mit einer Kollegin selbstständig beackere. Ich persönlich bedauere den Weggang, weil mir meine Chefin gerade am Anfang massiv durch Schwierigkeiten geholfen hat.

Beim Kayaktreffen. Beim letzten Mal 2006 hatte ich leider noch keine Digitalkamera.
  Am Strand der Insel Hayling ist wieder Sommer.
Tag der Streitkräfte. Kinder mit MGs.

Irena aus dem Kunstzentrum malt uns im Weingarten was.


Mit Kalina an der Promenade.

Mit englischen Schönheiten auf dem Konzert.

Meine allerschönste im Rosengarten. Vor dem Ausgang zum Meer.


Einige Woche früher, auf dem Weg in den Neuwald. Auch Southampton blüht.

Kürzlich hatte ich Zeit, nach der Arbeit wieder an die Fischteiche der alten Abtei Titchfield zu fahren.

Ein Feld hinter den Fischteichen. Manchmal wird mir richtig wehmütig nach der Uckermark.

Die Große Scheune, in der ich vor einem Jahr mit Monika und Kollegen Shakespeare gesehen habe.