Freitag, 5. Dezember 2025

Meine Psyche schleift in letzter Zeit ganz schoen. Letztes Wochenende war richtig schlecht. Das Verhalten der Kinder zaehrt an mir: die rivalisierenden Beduerfnisse, das staendige Verlangen nach meiner gesamten Zeit und Aufmerksamkeit. Und Otto ist oft ganz einfach gemein. Zu mir, zu Ellie, aber vor allem zu Sebbi. Ich kann damit sehr schlecht leben. Die ueblichen Argumente treffen dort auf die Notwendigkeit, Sebbi nie daran zu gewoehnen, dass er weniger gut ist als andere weil er kleiner, schwaecher oder sprachlich weniger entwickelt ist. Ich finde das sehr schwer. Es laugt mich sowohl psychisch als auch koerperlich aus. Samstag war ich ab 11 Uhr erledigt. Das ist nicht unueblich. Gleichzeitig ist Sebbi selbst durchaus fordernder als frueher. Und er will ueberall mitmachen. Was ich unterstuetze und ermutige: so hat, glaube ich, Otto viel gelernt. Aber ihm konnte ich auch meine gesamte Aufmerksamkeit geben. Es tut mir leid, dass Sebbi das nicht kriegt.

Sehr wahrscheinlich sind beide Kinder auch einfach beide krank. Aber ist irgendwann auch egal. Am Ende des Wochenendes hatte ich einfach die Schnauze voll und wollte nur allein gelassen werden. 

Schoen war an diesem Wochenende nur das schwimmen mit Otto am Samstag, und der Sonntag Nachmittag mit Sebbi. Da bin ich mir ihm endlich Bus und Bahn gefahren. Mit dem Bus zum Bahnhof, und dort mit dem Zug in den Hafen, und wieder zurueck. Hatte ich eine Weile oft mit Otto gemacht. Sebbi hat auch sehr gestaunt, es war fuer ihn erst das zweite Mal in England, und das erste Mal, dass es ganz fuer ihn gemacht wuerde. Ich glaube es hat seinem Geist auch was zum Verdauen gegeben. Mir hat es grossen Spass gemacht.

Ich konnte mich Sebbi mal ganz widmen, weil Otto in der Zeit mit Ellie im Krankenhaus war. Ellie und ich hatten uns am Vorabend aufgrund verschiedener Symptome vollkommen grundlos in eine Panik geredet. Schien bereits am naechsten Morgen voellig bekloppt. Und die Aerztin fuehrte es auch nur auf Kaelte, Sport und eventuell eine vergangene Grippe zurueck. Aber es war auch typisch fuer unsere Situation: sobald die Idee im Raum stand hatte ich keine Kraft mich gegen furchtbare Bilder zu wehren. Zumal vor der Nacht, die ja sehr lang sein kann. Habe mich gleich neben Otto gelegt, weil ich unten keine Ruhe gefunden haette.

Wenigstens lernte er eine deutsche Aerztin kennen, die ihn auch gruendlich untersuchte. Sie sprachen beide deutsch, was mir zum Ende dieses Wochenendes nochmal grosse Freude gab. Haette ich gerne miterlebt.

Sebbi

Am Ersten Advent scheint der Knoten auf dem Toepfchen geplatzt zu sein. Seitdem sagt er verlaesslich wann er muss, und es geht kaum etwas daneben. Was hatten wir uns die einen Stress gemacht in der ersten Woche.

Ist weiter besessen von Zuckowskis Lied ueber die Weihnachtsbaeckerei.

Otto

scheint sich insgesamt koerperlich langsam zu erholen.

hat ein Schulprojekt ueber das Feuer von London 1666 abgeschlossen. Wir hatten dafuer ein Haus gebaut, dass er am Ende doch nicht verbrennen lassen wollte.

hat bei jaehrlichen Weihnachtsgeschenkebasar wieder wirklich gute Geschenke fuer uns alle ausgesucht. Das war uns schon im letzten Jahr aufgefallen. 

Johannes

Ich brauche mal Zeit fuer mich. Etwas alleine und nur fuer mich machen, ohne Kompromisse. Ich hatte das einige Mal probiert, aber immer kamen die Kinder dazwischen. Mittwoch bin ich einmal zum Brettspielen gegangen. Das hat mir gleich gut getan.

Ich hatte zum Ersten Advent gerade noch einen Kranz und Kerzen bekommen. Ich will den Kindern sowas frueh zeigen. Die Pyramide hatte nach einem Tag bereits Figuren verloen. Konnte ich zwar wieder ankleben, aber es symbolisiert, wie selbst kleinste schoene Sachen nur unter grossen Schwierigkeiten moeglich sind.

Ich komme dieses Jahr schon etwas in Adventsstimmung. Aber sehr oft denke ich melancholisch daran wie es frueher war und kaum noch ist. 

In letzter Zeit sehe ich Ellie wieder verdammt wenig. Wir sind abends beide so fertig. Entweder raeumen wir beide auf und sitzen dann erledigt auf dem Sofa. Oder ich gehe schlafen wenn Ellie aus dem Kinderschlafzimmer stolpert.

Wir gerieten zufaellig ins Stadtmuseum und dort in eine Ausstellung ueber einen ehemaligen Musikklub vor Ort. Nebenan erfuhr Otto das erste Mal etwas ueber den hier geborenen Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes.



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