Sonntag, 21. Dezember 2025

Donnerstag haben Ellie und ich uns einen Tag zusammen gegoennt. Ich war krank und wir hatten das schlimmste Wetter des Monats. Wir liessen uns auf dem Weihnachtsmarkt in Winchester nass regnen. Wenigstens war er dadurch fast leer. Ich habe Bienenwachskerzen fuer den Adventskranz gekauft. Es bleiben eben nur kleine Freuden. Insgesamt merkte ich, dass man selbst an freien Tage maximal fuenf Stunden hat, ehe Otto schon wieder aus der Schule kommt.

Aber jetzt sind erstmal Ferien. Sebbi bleibt eine Woche zu Hause und Otto zwei. Ellie darf sie beide jeden Tag komplett betreuen. Ich nehme Otto in der Mittagspause.

Samstag vormittag fuhren wir zu viert wegen guten Wetters in die Burg Portchester. Dort liessen wir uns vor allem im Cafe der Marienkirche Tee und Kuchen bringen. Und ich bemerke, dass ich mehr nicht vom Leben will, als das mir jemand in einem historischen Gebaeude Tee bringt. Am besten mich mit einem Buch in Ruhe laesst. Anschliessend fuhren wir in einen Gartenbaumarkt in Havant; zwar war der Spielbereich dort bereits zu, aber wenn man schonmal aus Portsmouth raus ist, nutzt man alles zur Kinderbespassung.

Sebbi

ueberwaeltigt mich in letzter Zeit wieder mit seiner Froehlichkeit. Der spielt einfach froh und leise vor sich hin, ab und zu wirft er sich ploetzlich in meine Arme zum Kuscheln. Leider hat er den zweiten heftigen Husten innerhalb einer Woche. Pausenlos und wuergend. Macht mich wahnsinnig. Und ich muss nichtmal mit ihm schlafen.

benutzt das Toepfchen ohne Probleme. Strikt gegen die Nachtwindel. Ich glaube eigentlich auch, dass er sie nicht mehr braucht. 

Otto 

Mittwoch morgen sahen Ellie und ich Ottos diesjaehriges Krippenspiel. Ein anderes als letztes Jahr; die juengste Klassenstufe macht jetzt das gleiche wie Otto vor einem Jahr. Otto war dieses Mal der selbstbewussteste Hirte. Keinerlei Lampenfieber.

wir haben das Enid Blyton's Kirschbaumhof-Trilogie ausgelesen und machen jetzt weiter mit der erstaunlich aehnlichen Tetralogie The Magic Faraway Tree. Alles aus Ellies Kindheit; einige technische und soziale Archaismen muessen wir erklaeren.

Johannes

Ich habe zu meinem Stolz mein dickes Linux Buch ausgelesen. Aber jetzt geht es erst los: ich arbeite durch meine Notizen und lese Kapitel mit uebungsfaehigem Material nochmal. Ich war sehr stolz, als ich meine beiden alten Laptop verbinden konnte.

Ich bin krank und haenge durch. Ich mag es nicht, wenn beide Kinder in unserem kleinen englischen Haus sind. Wirken auf mich wie Tiger im Kaefig. Besonders morgens, wenn gerade Otto vor Kraft strotzend aufsteht.

Das Haus macht mich ueberhaupt wahnsinnig. Alles zu klein und alles zu voll. Und irgendwie misten wir nie aus. Arbeiten ist schwierig, beide Kinder schreien nur rum wenn man nicht koerperlich dazwischen steht. Otto pisackt Sebbi pausenlos.

Wir haben einer Freundin beim Umzug geholfen und einer anderen, alleinerziehenden unseren alten Fernseher gespendet.

Ellie hat, nach langer Ueberlegung, Kacheln fuer das neue Bad ausgesucht. Ende Januar geht es los, fuer mindestens zwei Wochen. Noch unklar ob wir in der Zeit ein Klo haben bzw. was passiert wenn nicht. Hotel funktioniert fuer mich nicht wirklich. Aber die erste Rate Geld ist schon bezahlt!




Sonntag, 14. Dezember 2025

Papa allein zu Haus

Sonntag traf Ellie in London ihre Mutter und Schwester. Ich gestehe, ich habe immer noch Schiss vor ganzen Tagen allein mit beiden Kindern.

Meine Strategie ist immer so schnell wie moeglich aus dem Haus zu kommen. Wir fuhren vormittags auf den Kleintierhof Staunton, bis Otto sauer wurde, weil das Haus mit den Fischen zu war. Also kochten wir zu Hause zusammen; die Kinder "helfen" dabei gerne.

Sebbi macht mit mir keinen Mittagschlaf mehr, sondern nur noch Babyparty. Als Otto das hoerte, kam auch er ins Schlafzimmer gestuerzt. Allein ich war fast eingeschlafen.

Also trafen wir uns stattdessen mit seinem Schulfreund Eddie und dessen Familie, erst auf dem Spielplatz und dann bei uns zu Hause. Ich kochte fuer alle nochmal und zu 18 Uhr gingen wir dann nochmal zum Adventssingen in der Margaretenkirche. Meine Kinder waren schon muede, aber es war trotzdem richtig schoen. Es hat mir persoenlich richtige Freude gemacht, endlich wieder zu singen.S ebbi ueberascht mich immer noch. Singt ganze Strophen, deutliche Worte. Als er sich dann immer mehr auf meine Schulter legte, und Otto die Konzentration ausging, liefen wir nach Hause, und da kam auch bald Mami wieder.

Ein langer Tag, aber insgesamt glimpflich. 



 

Samstag, 13. Dezember 2025

Splendid Isolation

Samstag ging ich Wandern. Seit langer Zeit fuehlte ich den zunehmenden Druck, einmal etwas nur fuer mich zu machen, ohne Kompromisse und Unterbrechung. Ich stellte das Auto in Horndean ab und lief ueber drei Felder, ein Waldstueck und einen der steilen Huegel der South Down zum Pub in Finchdean, nah der Hubertuskapelle. Ich hatte grosses Glueck mit dem Wetter gehabt: blauer Himmel, Sonne und kein Wind. Ich bekam trotzdem tatsaechlich etwas Winterstimmung, weil an den Bueschen rot die (in England winterlich konnotierten) Stechpalmenbeeren hingen.

Bereits im ersten Dorf hatte ich eine angenehme Ueberraschung: in der Allerheiligenkirche war ein "Weihnachtsbaumfest" und vor allem bekam ich Kaffee, Kuchen und Smalltalk mit Erwachsenen, waehrend im Hintergrund das Weihnachtsoratorium vom Band lief. Solche kleinen Sachen entspannen mich heutzutage wirklich.

Im Pub goennte ich mir ein Mittagessen, allein und nur fuer mich und mit einem Buch. Und auf dem Rueckweg wartete noch eine Ueberraschung, die zwar trivial war, aber auf mich doch wirkt. Ich schaute mir den ehemaligen Kirchhof der vor langer Zeit abgerissenen St Giles Kirche an. Das ist einfach ein kleines, dreieckiges Stueck Rasen und alten Grabsteinen und Baeumen. Aber an einem hingen noch kleine, gelbe Aepfel (das beobachte ich in diesem Herbst und Winter eine Menge, immer an der Autobahn) und die stellten sich nicht nur als essbar heraus, sondern auch als besonders lecker. Ich pflueckte was ich erreichen konnte.

Zu Hause halfen in dieser Zeit Ellies Vater mit Frau und Ottos Cousine aus. Herr Howlett identifizierte meine Aepfel als Cox' Orange.

Allerheiligen, Blendworth


Pferdemist, 20 Pence pro Tuete


George Inn, Finchdean

Cox Orange in Blendworth

Abends war ich noch mit Sebbi Schokolade nachkaufen. Aber natuerlich gilt: keine Quality Street.

Samstag, 6. Dezember 2025

Helferlein

Samstag morgen war zur grossen Aufregung der Kinder der Nikolaus gekommen. Diesmal hat es Sebbi auf jeden Fall verstanden. Danach ging es mit Otto schwimmen wie immer, und ich frage mich immer mehr, was eigentlich noch fuer die naechste Stufe fehlt.

Anschliessend machten wir etwas besonders: Otto hatte eine Karatepruefung und bekam einen roten Guertel. Dazu lud der an vielen Schulen lehrende Verein, dementsprechend war dort eine ganze Halle voll aufgeregter Kinder. Fuer die Eltern blieb kein Platz, und so konnte ich etwas wunderbares machen: im Auto eine gute Stunde schlafen. Dann holte ich einen froehlichen Otto ab, der mir stolz seinen neuen Guertel zeigte.

Die Pause hat mir wirklich den Tag gerettet, denn vorher war ich schon wieder mit meinen Kraeften am Ende gewesen - und nun hatte ich die Kinder allein, waehrend Ellie zu einem Tanzauftritt fuhr. Weil ich sie nie gerne zu Hause unterhalte (und besonders jetzt, da sie voellig unterschiedliche Interessen haben, aber trotzdem immer um die gleichen Dinge streiten), bin ich mit ihnen Bus und Bahn gefahren. Das ist bei beiden populaer, und macht mir auch Spass. Zumal Sebbi inzwischen ziemlich sicher ohne Windel ist. Also nahmen wir den Bus zum Hafen, von dort die Bahn nach Havant und zurueck, und mit dem Bus nach Hause. Dann in die Wanne und ins Bett, geschafft. Wenn das klappt, fuehle ich mich hinterher gut und kompetent.


Sonntag beim Adventsfruehstueck hatten Ellie und ich diese schoene Idee nach Chichester zu fahren. Ich hatte ja um etwas Zeit allein gebeten, vielleicht koennte ich da in Ruhe nach Geschenken suchen die immer noch fehlen. In Praxis fiel uns erst vor Ort auf, dass Sebbi krank war und ich fuhr mit ihm nach einem stressigen Mittagessen wieder nach Hause. Otto und Ellie folgten spaeter per Bahn.
 
Beide Kinder wollen im Moment "helfen". Ich darf mir ohne Sebbi keinen Tee machen und ohne Otto nicht backen, und wehe wenn ich es heimlich versuche. Irgendwo bin ich stolz, dass meine Kinder daran gewoehnt sind, praktisch mitzumachen. Aber manchmal will ich einfach nur schnell Tee machen.

Sebbi

Auf der Fahrt hoerte Sebbi die Rathausglocken, und seitdem will er Videos mit Ding Dongs sehen.

Hat sein erstes "boeses Wort" gelernt: jetzt grinst er und sagt "Blut". Er hat sich auch die ersten ungezogenen Sachen von Otto abgeguckt. Geben wir ihm etwas nicht, rennt er selbst los und sagt "ich hole es!". Heute hat er auch mal gesagt, er wuerde mich treten - beides woertliche Kopien seines Bruders.

Otto

wollte unbedingt Eier trennen ueben. Mit meiner Hilfe ging nichts daneben. Jetzt muss ich viel backen.

macht Sebbi runter sobald in den Raum kommt. Aber wenn es Sebbi nicht gut geht, gibt er sich grosse Muehe zu helfen. Er will also vermutlich, kann sich aber noch nicht helfen. Ich finde keinen guten Mittelweg, einem kleinen Kind zu helfen langwierig seine Gefuehle zu kalibrieren ohne das ein kleineres Kind den Preis dafuer zahlt. Denn dazwischen gibt es keinen Mittelweg. Man verliert so oder so.

Johannes

ich hangele mich von Tag zu Tag. Wenn ich gut schlafe ist es ganz ok. Aber ich braeuchte wirklich mal etwas Zeit allein fuer mich. Ich habe Karten und Geschenke fertig. Das gibt etwas Gefuehl von Fortschritt.
 
vorher

nachher


 

Freitag, 5. Dezember 2025

Meine Psyche schleift in letzter Zeit ganz schoen. Letztes Wochenende war richtig schlecht. Das Verhalten der Kinder zaehrt an mir: die rivalisierenden Beduerfnisse, das staendige Verlangen nach meiner gesamten Zeit und Aufmerksamkeit. Und Otto ist oft ganz einfach gemein. Zu mir, zu Ellie, aber vor allem zu Sebbi. Ich kann damit sehr schlecht leben. Die ueblichen Argumente treffen dort auf die Notwendigkeit, Sebbi nie daran zu gewoehnen, dass er weniger gut ist als andere weil er kleiner, schwaecher oder sprachlich weniger entwickelt ist. Ich finde das sehr schwer. Es laugt mich sowohl psychisch als auch koerperlich aus. Samstag war ich ab 11 Uhr erledigt. Das ist nicht unueblich. Gleichzeitig ist Sebbi selbst durchaus fordernder als frueher. Und er will ueberall mitmachen. Was ich unterstuetze und ermutige: so hat, glaube ich, Otto viel gelernt. Aber ihm konnte ich auch meine gesamte Aufmerksamkeit geben. Es tut mir leid, dass Sebbi das nicht kriegt.

Sehr wahrscheinlich sind beide Kinder auch einfach beide krank. Aber ist irgendwann auch egal. Am Ende des Wochenendes hatte ich einfach die Schnauze voll und wollte nur allein gelassen werden. 

Schoen war an diesem Wochenende nur das schwimmen mit Otto am Samstag, und der Sonntag Nachmittag mit Sebbi. Da bin ich mir ihm endlich Bus und Bahn gefahren. Mit dem Bus zum Bahnhof, und dort mit dem Zug in den Hafen, und wieder zurueck. Hatte ich eine Weile oft mit Otto gemacht. Sebbi hat auch sehr gestaunt, es war fuer ihn erst das zweite Mal in England, und das erste Mal, dass es ganz fuer ihn gemacht wuerde. Ich glaube es hat seinem Geist auch was zum Verdauen gegeben. Mir hat es grossen Spass gemacht.

Ich konnte mich Sebbi mal ganz widmen, weil Otto in der Zeit mit Ellie im Krankenhaus war. Ellie und ich hatten uns am Vorabend aufgrund verschiedener Symptome vollkommen grundlos in eine Panik geredet. Schien bereits am naechsten Morgen voellig bekloppt. Und die Aerztin fuehrte es auch nur auf Kaelte, Sport und eventuell eine vergangene Grippe zurueck. Aber es war auch typisch fuer unsere Situation: sobald die Idee im Raum stand hatte ich keine Kraft mich gegen furchtbare Bilder zu wehren. Zumal vor der Nacht, die ja sehr lang sein kann. Habe mich gleich neben Otto gelegt, weil ich unten keine Ruhe gefunden haette.

Wenigstens lernte er eine deutsche Aerztin kennen, die ihn auch gruendlich untersuchte. Sie sprachen beide deutsch, was mir zum Ende dieses Wochenendes nochmal grosse Freude gab. Haette ich gerne miterlebt.

Sebbi

Am Ersten Advent scheint der Knoten auf dem Toepfchen geplatzt zu sein. Seitdem sagt er verlaesslich wann er muss, und es geht kaum etwas daneben. Was hatten wir uns die einen Stress gemacht in der ersten Woche.

Ist weiter besessen von Zuckowskis Lied ueber die Weihnachtsbaeckerei.

Otto

scheint sich insgesamt koerperlich langsam zu erholen.

hat ein Schulprojekt ueber das Feuer von London 1666 abgeschlossen. Wir hatten dafuer ein Haus gebaut, dass er am Ende doch nicht verbrennen lassen wollte.

hat bei jaehrlichen Weihnachtsgeschenkebasar wieder wirklich gute Geschenke fuer uns alle ausgesucht. Das war uns schon im letzten Jahr aufgefallen. 

Johannes

Ich brauche mal Zeit fuer mich. Etwas alleine und nur fuer mich machen, ohne Kompromisse. Ich hatte das einige Mal probiert, aber immer kamen die Kinder dazwischen. Mittwoch bin ich einmal zum Brettspielen gegangen. Das hat mir gleich gut getan.

Ich hatte zum Ersten Advent gerade noch einen Kranz und Kerzen bekommen. Ich will den Kindern sowas frueh zeigen. Die Pyramide hatte nach einem Tag bereits Figuren verloen. Konnte ich zwar wieder ankleben, aber es symbolisiert, wie selbst kleinste schoene Sachen nur unter grossen Schwierigkeiten moeglich sind.

Ich komme dieses Jahr schon etwas in Adventsstimmung. Aber sehr oft denke ich melancholisch daran wie es frueher war und kaum noch ist. 

In letzter Zeit sehe ich Ellie wieder verdammt wenig. Wir sind abends beide so fertig. Entweder raeumen wir beide auf und sitzen dann erledigt auf dem Sofa. Oder ich gehe schlafen wenn Ellie aus dem Kinderschlafzimmer stolpert.

Wir gerieten zufaellig ins Stadtmuseum und dort in eine Ausstellung ueber einen ehemaligen Musikklub vor Ort. Nebenan erfuhr Otto das erste Mal etwas ueber den hier geborenen Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes.