Dienstag, 29. Juli 2025

Ottos erstes Schuljahr ist vorbei. Jetzt sechs Wochen Ferien. Kaum zu glauben, dass er noch bis Ende August letzten Jahres in die Kita ging. Vollkommen absurd. Das ist kaum ein jahr her und wirkt wie ein anderes Leben. Die Schule hat ihm wirkloch gut getan. Was haben wir uns damals um ihn gesorgt.

Und Sebbi kommte damals gerade so laufen. Jetzt spricht er richtig. Aber anders als Otto damals macht er noch gut Mittagschlaf. Otto hat den ganzen Babyquatsch so schnell abgelegt wie er irgend konnte.

 

Montag und Dienstag hat Ellie die ganzen Ferien hindurch beide Kinder und tut was sie kann. Sie hat sich auch Mittwoch bis Freitag der ersten Ferienwoche frei genommen und war mit Otto Keramik malen und in der Spielhalle. Jetzt bin ich drei Tage lang dran. Otto strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus; so gut ihm die Schule gefaellt, freut er sich doch zu Hause zu bleiben und seine Eltern zu haben, zumal oft alleine fuer sich.


Letzten Sonntag waren wir wieder auf dem Spieplatz in Clanfield. Je oefter wir hinfahren, desto mehr gefaellt er uns. Die Kinder haben soviel Platz, und alles ist Gras. Sie rennen in der Sonne und machen Sport. Otto begeistert sich jetzt fuers Fussball spielen. Ellie und ich sagen immer, haetten wir nur soviel Platz vor der Haustuer.


Sebbi

sagt letztens haeufig: "Ich bin kein Baby". Faellt uns aber schwer, ihn nicht so zu nennen.

 

Otto

ich lese ihm weiter mit grossem Erfolg Harry Potter vor. Ich selbst habe das Buch auch schon wieder ausgelesen.

Montag und Dienstag nehme ich Otto in der Mittagspause ans Meer. Oft bade ich kurz, dann spielt Otto auf dem Spielplatz des Cafes. Gleiches machen wir Freitag abend, wenn Ellie tanzen faehrt. Beide Kindern moegen das, und ich auch, denn im Sommer gibt es keinen schoeneren Ort. Letztens lief Sebbi nur mit einer Windel durchs Wasser. Stunden koennte man bleiben, muessten sie nicht schlafen.

Auf Ottos Finger: ein Marienkaefer

 

Sonntag, 20. Juli 2025

In der Jurte

Zum zweiten Wochenende in Folge sind wir mit den Kindern weggefahren. Diesmal in eine Jurte im Umweltzentrum, eine halbe Stunde Fahrt weg. Das hat uns als erstes bestaetigt, dass es tatsaechlich zuviel Stress ist, nach der Arbeit zu packen und loszufahren.


Otto war bereits auf der Anfahrt ganz schön frech. Das sollte sich noch wiederholen. Als wir erstmal da waren Raum und Ruhe. Sonst war nur noch ein Stellplatz belegt. Die Kinder liefen durch Wiesen und Wald. Otto balancierte auf Bänken und war jetzt sehr lieb. Wir assen Picknick und spielten Theater auf der Holzbühne eines unbenutzten Jurtenstellplatzes.

Da wir nur einen Raum hatten, gingen wir mit den Kindern gemeinsam ins Bett und schliefen zum ersten Mal alle zusammen. Ellie mit Sebbi, Otto und ich in separaten Betten. Obwohl wir die Jurte nicht abdunkeln konnten, schliefen beide schnell ein.



Samstag

Leider wachten die Kinder wegen der Helligkeit auch frueh wieder auf. Zuerst um 4, dann schliefen sie nochmal bis um 6 weiter, wir Eltern waber nicht. Die ersten Morgenstunden regnete es. Wir waehlten die einfachste Route und fruehstueckten im Cafe.

Otto war so frech, dass wir ernsthaft überlegten abzubrechen. Wir fragten uns, was wir bei dem Wetter machen können, aber später spielten beide Kinder ganz gut am Pizzaofen des Zeltplatzes kochen und backen. Erstaunlich, denn normalerweise macht Otto nicht soviel Fantasiespiel.

Dann musste Sebbi schon wieder schlafen. Ich stromerte mit einem gelangweilten Otto herum. Aber er klettert ganz gerne auf Dinge, waehlt sich an der Gaertnerei eine Pflanze zum mitnehmen aus, und besonders interessieren ihn Tiere unter der Borken von Baeumen. Ich hebe die Borke ab und er nimmt Asseln in die Hand. Einmal laeuft sogar eine Spinne ueber seinen Arm und er findet's gut.

Nachdem Sebbi aufwachte, fuhren wir ins Dorf Meonstoke, am Fluss Meon Pizza essen. Zu meiner Freude kommen dazu unsere Freunde vom Apfelgarten. Sogar Ellie macht die Unterhaltung mit ihnen Spass. Anschliessend verbingen wir viel Zeit auf der Wiese nebenan wo unsere kinder und die vieler anderer Urlauber im flachen Wasser spielen.

An sich sehr schön und pädagogisch wertvoll. Aber Otto wird wieder so schwierig, dass wir meines Erachtens (und spaeter stellt sich raus ich irrte mich) kurz davor stehen nach Hause zu fahren. Ignoriert uns wiederholt total. Ich machte mir wirklich Gedanken wie wir das handhaben sollen. Irgendwann ist seine Hose tatsaechlich voellig nass und er muss in Unterhose und Mamis Pullover am Pub vorbei ins Auto laufen.

Abends auf dem Zeltplatz dagegen ist er wieder liebreizend. Ich spiele mit ihm Volley- und Fussball; er laesst Sebbi ohne Meckern mitmachen. Letzteres macht Otto ueberraschend gut und mit Ausdauer. Haetten wir so eine Umgebung nur im Alltag.


Sonntag

In der zweiten Nacht schlafen wir weniger als in der ersten. Ein Sturm zieht auf, Regen haemmert auf die Plane. Klingt romantisch, ist aber vor allem laut. Morgens sind wir Eltern so kaputt, dass wir saemtliche Plaene auf dem Land vergessen und einfach nach Hause fahren.

Insgesamt wuenschte ich nur, dass die Jungs oefter solche Naturerlebnisse haetten. Denn sie waren durchaus stets interessiert an Tieren und Pflanzen und Spiel im Freien.


Sonntag Abend bat ich Ellie um eine Unterhaltung ueber Otto und zu meiner voelligen Ueberraschung hatte ich ihre Einstellung voellig falsch eingeschaetzt. Sie sah ueberhaupt kein Problem, fand ihn nie mehr als gewoehnlich frech und hatte nie ernsthaft einen Abbruch in Betracht gezogen. Das gab mir wieder sehr zu denken. Vielleicht bin ich das Problem.








 

Sonntag, 13. Juli 2025

Kent

Dieses Wochenende haben wir Ellies Mutter und Schwester besucht. Freitag nach der Arbeit kam alle hastig ins Auto und dann fuhren wir etwas drei Stunden. Den Kindern war langweilig, aber so haben sich gut geschlagen.

Wir hatten eine Ferienwohnung knapp fuenf Autominuten von Ellies Mutters Haus in Cranbrook gebucht. Die stand auf einem grossen Grundstueck reicher Leute; umgebaute Scheunen, endlos Platz fuer die Landesverhaeltnisse; eine grosse Wiese mit Spielplatz und Hausgarten und am Ende ein kleiner Teich, vor dem Ellie die Kinder das ganze Wochenende beschuetzte. Auf der Wiese zwei Schafe und zur Freude der Jungs auch Dusty der kleine Hund. Otto hat kuerzlich seine Angst vor Hunden wieder abgeschafft und warf jetzt froehlich Baelle und Stoecker. Sebbis besondere Freude war das Gehege mit drei Huehnern. Da gingen wir gerne rein, liessen Koerner aus unseren Haenden picken und Eier durften wir auch sammeln. Ellie machte uns daraus ein erwaehnenswert gutes Omelett!

Hinter dem Grundstueck schliesslich gingen die Felder und Baumreihen los, die ich mir gerne bei Sonnenuntergang besah, wenn die Kinder schliefen.

Das taten sie in ihrem eigenen Schlafzimmer, aufregenderweise in einem Doppelstockbett. Ellie brachte Sebbi ins Bett, waehrend ich und Otto unsere Ruhige Zeit im Schlafzimmer nebenan machten. Dann brachte ich ihn ins Bett, und er musste dann ja auch still sein. Das machte er auch sehr gut, und irgendwann schlich sich Ellie aus dem Zimmer.

Dementsprechend schliefen Ellie und ich wieder im gleichen Bett und ich kann nur sagen, das war eine der schoensten Dinge seit fuenf Jahren.

Insgesamt zeigte sich aber auch, dass es wohl noch zu frueh ist, Sebbi allein schlafen zu lassen. Ich bin beide Naechte immer noch etwa viermal rueber gelaufen wenn der Monitor anging, und so ein unterbrochener Schlaf ist einfach nicht gut genug.

Jeden Morgen nahm ich die Jungs raus auf die Wiese, waehrend Ellie das Fruehstueck machte. Ich wuensche mir jedes Mal nur, dass sie das jeden Morgen an Wochenende machen koennten. Draussen rumlaufen und Tiere sehen ist einfach gut fuer sie.

Samstag Morgens kam nach langer Ueberredung Ellies Mutter fuer einen Tee vorbei und brachte den Kindern Geschenke. Dann fuhren wir zu viert eine knappe Stunde zu Ellies Schwester Amber. Die wohnt seit zwei Jahren im Dorf Hersden, jenseits von Canterbury. Ellie hatte ihr, endlich eigenes, Haus noch nicht gesehen. Und auch nicht den neuen Freund. Das war alles positiv und mir gefiel vor allem der Blick von Ambers Huegel auf ein geschuetztes Seengebiet, auf dem ich diverse Boote sah. Wuerde ich gerne mal laufen und Boot fahren. Otto musste einige Male zur Ordnung gerufen und irgendwann sahen wir ein, das er zurueck in eine gewohntere Umgebung muss. Wie auch zu Hause war er in unserer Ruhigen Zeit aber lammzahm und beeindruckte mich mit Fantasie, Geduld, Feinmotorik, als er mit Dominosteine eine Eisenbahn baute.

Sonntag packten wir unsere Sachen wieder ins Auto und fuhren zu Ellies Mutter im nahen Cranbrook. Dazu kamen auch Amber und Freund sowie die Tochter des Manns von Ellies Mutter, und auch deren Freund. Man sass im Garten und ass zuviel. War etwas schwierig, die Kinder da zu unterhalten ohne das Geschirr oder Pflanzen kaputt gingen. Deren Hoehepunkt war sicherlich, als sie auf einem Motorrad sitzen durften.






Donnerstag, 10. Juli 2025

Sauna

2024 schenkte mir Ellie zum Geburtstag einen Besuch in einer Freiluftsauna mit See, nachdem ich einmal zu viel von den Uckermaerker Seen gesprochen hatte. Aufgrund von Kindern konnten wir aber nie einen Tag gemeinsam freinehmen. Erst zu meinem naechsten Geburtstag fahren wir zur "Fallen Willow Sauna" noerdlich von Winchester.

Dort steht, tatsaechlich unter einer umgestuerzten Weide eine Holzhuette an einem kleinem See. Der war urspruenglich vom Bauern als Zuchtbecken fuer kleine Krebse gegraben worden, ist heute aber nur noch das private Schwimmbecken der Familie. Daran mietet sich eine Frau einen Stellplaetz fuer ihre Sauna, und vermietet die sechs Plaetze darin fuer jeweils eine Stunde.

Ich hatte ja vor kurzem die kleine Sauna im Sportzentrum der Uni entdeckt. Aber das hier war natuerlich etwas anderes. Besonders schoen, die Erfahrung mit Ellie zu teilen. Ich weiss gar nicht, ob sie vorher schonmal in einer Sauna gewesen war. Am meisten Spass hat mir aber das Baden im See gemacht. Irgendwas von frueher kommt da in mir hoch. Der Geruch von Suesswasser, die Vogellaute und Baeume ums Wasser herum. Sogar Ellie war gerne im Wasser ohne zu erfrieren. Wobei das die groesste Schwachstelle war: es ist halt kein richtiges Kaltwasserbecken.

Insgesamt ist es an unseren seltenen Elterntagen weniger wichtig, was wir tun. Es ist einfach schoen zusammen zu sein. Ein Echo aus der Zeit, als man immer zusammen war. Ich freute mich echt, wie gut wir sich nach aller Zeit immer noch verstehen. Ich war teilweise auch traurig, dass es so selten ist.

Ebenso schoen war unser Mittagessen in einem Pub mit Terasse direkt am Fluss Test gleich daneben. Wiederum: so schoen mal in Ruhe zu essen und zu reden. Ohne die Haelfte abgeben zu muessen und sofort unterbrochen zu werden.

Als letzten fuhren wir in einen sog. Wassergarten, der um viele kleine Teiche mit Fischen und exotischen Pflanzen gebaut war. Dazu gehoerte noch ein Gartenbauzentrum oben auf einem Huegel, wo wir noch einmal Kaffee trinken konnten, bevor es zurueck ging.


Die Saunabude.
 

Mittagessen. Hinten fliesst die Test.




Samstag, 5. Juli 2025

Hier ist ein Nachtrag; viele Sachen habe ich vergessen, als ich ueber mehrere Wochen nicht schreiben konnte.

Am letzten Juni Wochenende sind wir samstags nach Buriton und sonntags zum Dell gefahren. In Buriton waren wir wieder auf dem grandiosen und fast immer ruhigen Spielplatz vor den Schienen. Am Dell war es zum Glueck nicht zu heiss, und ich habe Sebbi den Hafer auf dem Nachbarfeld gezeigt.

Am ersten Juli Wochenende kamen Ellies Vater mit Frau, aber diesmal ohne Cousine Layla. Ich habe davon wenig mitbekommen, weil Sebbi extra langen Mittagsschlaf hielt.

Ellie gab sich zu meinen Geburtstag trotz der Umstaende wie immer grosse Muehe. Den Tag selbst nahm ich mir nicht frei, denn wir hatten den folgenden Donnerstag zusammen freigenommen. Geschenke packte ich ohnehin noch seit Sebbis Geburtstag aus. Besonders im Gedaechtnis blieben mir die Haengematte von Ellie, die beiden Raetselhaefte aus Deutschland und Sannis Buch, siehe unten.

Ausgelesen habe ich, nachdem ich es lange Zeit vergessen hatte, Absolutely Ausgesperrt: deutscher Journalist laeuft waehrend der Pandemie durch ganz England. Leichte Lektuere war mir in stressigen Monaten eine Hilfe. Schoen, dass er am Ende in Newcastle ankommt. Im Rueckblick wird mir klar, dass ich die Stadt damals niemals wirklich kennen gelernt hatte. Als Rentner werde ich mal wieder hin, und dann die Hadriansmauer entlang. Jetzt lese ein sehr interessantes Buch ueber politischen Witz im Ostblock. Ein Kapitel pro Land. Polen war mal wieder deprimierend. Und im Bett lese ich Harry Potters ersten Teil nochmal.

Otto

scheint mir in letzter Zeit oft gemein und ruecksichtslos. Wieder so ein sozialer Entwicklungsschub. Mir faellt immer auf, dass er in unserer Ruhigen Zeit vor dem Bett zahm ist wie Lamm, sobald wir zu zweit sind. Die wird letztens immer spaetere, und danach habe ich wenig Abend uebrig.

Sebbi

Kurz nach Ottos erstem Zeugnis bekam auch Sebbi seine regelmaessige Kita Einschaetzung, und auch die glaenzt. Haette ich Zeit wuerde ich sie uebersetzen. Insgesamt reflektiert sie, was wir von ihm kennen. Aufgeschlossen, froehlich, kommunikativ und gute Sprachfaehigkeit. "Sebbi ist ein wunderbarer kleiner Junge und eine absolute Freude zu betreuen."

Der Weg am Kitamorgen: Baustelle, Lollipop-Mann (hilft Schulkindern ueber die Strasse), Rasenmaeher im Park, und ab da wird selber gelaufen.

Seit einigen Monaten wird neben einem nahen Umspannwerk gebaut. Im Werk leben Fuechse, und ich hatte mal erwaehnt, dass die bestimmt Angst vor den lauten Maschinen haben. Seitdem will Sebbi immer wieder da hin, informiert uns "Fuchs hat Angst" und sagt manchmal ueber sich selbst "hat Angst". Inzwischen bedeutet das meistens, dass er kuscheln will. Wir haben ihm auch bedeutet, dass die Fuechse sich sicherlich an den Laerm gewoehnt haben und keine Angst mehr haben.

 

"hat Angst!"

im Hafer

Spielplatz Buriton