Seit letzter Woche geht Otto nach langer Unterbrechung wieder zur Tagesmutti. Das hat seinen Rhythmus sofort und vollkommen durcheinander gebracht. Wochenlang hatte er jeden Tag wunderbar geschlafen, jetzt kommt er wieder völlig wuselig zurück, braucht ewig zum Einschlafen und wacht dann den ganzen Abend lang wieder auf. Ellie und ich pendeln zwischen Wohn- und Schlafzimmer, bis man ihn irgendwann, relativ früh, ins Bett holen und damit selbst schlafen gehen muss. Die Abende sind dadurch kaum den Namen wert; weder kann ich etwas erledigen noch kriege ich Ellie zu sehen. Manchmal ist die Frustration wieder immens, wenn auch kleinste Aufgaben wochenlang rumliegen und man das Gefühl hat sich nur im Kreis zu drehen.
Samstag haben wir bei Sonnenschein Frühstück am Meer gegessen. Otto war sehr vom Anblick des Luftkissenboots angetan, auf Englisch Hovercraft, was er genauso ausspricht wie "Uropa". Anschließend sind ins Dorf Droxford am Fluss Meon gefahren. Das uns aus der Vergangenheit vertraute Cafe in der Kirche hat expandiert und wir haben draußen im Gras gesessen und später in der Spielecke der Kirche. Ein Pfad läuft am Fluss entlang, an der alten Mühle vorbei zu einer Stelle, wo Otto mit den Füßen ins Wasser kann. Da waren bereits ein paar Jugendliche mit einem Pferd, dass sie wie Pippi Langstrumpf den Lauf auf und ab ritten. Könnte ich Otto nur so etwas bieten.
Am Sonntag habe ich mich bei Regen nachmittags abgeseilt und ein Waldstück erkundet. Ich muss einfach den Mai nutzen, wenn alles blüht. Der Wald ist ein kleines Schutzgebiet, vierzig Minuten Fahrt nördlich von Portsmouth, in den South Downs. Hohe alte Bäume, dichtes Gehölz, wo die Natur wachsen kann wie sie will. Gerade jetzt ist alles mit Grün überzogen, Blätter oben, Moos auf Totholz unten, Teppiche von Bärlauch und viele Orchideen. Daneben liegt ein großes Feld (ehemals muss das alles mal der Park eines großen Hauses nebenan gewesen sein) von wo viel Wildwechsel stattfindet. Ich hab zwei Rehböcke gesehen und ein Raubvogel wollte sich gerade in einer Baumkrone niederlassen, eh er mich bemerkte.
Otto Nachrichten
- Blumen gießen ist weiterhin ein beliebter Spaß und seit kurzem darf Otto seine Gießkanne abends auch mit in die Badewanne nehmen
- Neues Hobby: Mülltonnen raustragen. Müllautos waren schon immer eine Attraktion, aber weil Otto schon ein großer Junge ist, hilft er Papa jeden Donnerstag Morgen, die Tonnen vors Haus zu stellen
- Neulich hatten wir ein paar Bekannte mit Kindern zu Besuch und Otto hat vorbildlich geteilt Essen und Spielzeug geteilt.
Johannes Nachrichten
- eine Weile hatte ich überlegt, mehr Jane Austen zu lesen. Aber am Ende fiel mir ein, dass ich ja noch Barack Obamas Autobiographie fertig lesen könnte. Trotz aller Müdigkeit steht mir auch abends häufig noch der Kopf danach.
- In den Zeiten, als wirklich keine geistige Kraft mehr übrig war, hatte ich mir mit bunten Computerspielen beholfen. Das beste davon habe ich kürzlich beendet: Der Fluch von Monkey Island, ein Klassiker von 1997, den ich aber nie gespielt hatte. Ob auf Brett oder Computer, richtig gute Spiele fühlen sich an wie richtig gute Bücher. Ich habe gleich nochmal angefangen, denn zum Glück gibt es einen zweiten Modus mit mehr Rätseln.



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