Dieses Ostern hatte ich das wahrscheinlich schönste Wochenende als Vater.
Freitag wollten wir nachmittags ursprünglich aufs Land fahren, sind aber aus Zeitgründen wieder an den alten Befestigungen am Nordrand der Stadt spazieren gegangen. Das ist inzwischen zu einem unserer Lieblingsziele mit Otto geworden, aber ich war doch etwas enttäuscht. Wir haben vereinbart, dass wir bei vier freien Tagen zweimal aus der Stadt fahren. Das hat gut geklappt, weil wir gleich nach dem Frühstück los sind.
Samstag sind wir zum Umweltzentrum gefahren, also das mit der Jurte. Da war Otto einmal im letzten Oktober gewesen. Diesmal: "uuuh, uuuh, uuuh, uuuh!" nach links und rechts. Blumen, Bienen, Seifenblasen. Am meisten haben ihn Brennnesseln und rostige Grillroste interessiert.
Sonntag sind wir in ein Waldstück ganz in der Nähe gefahren, wo um diese Zeit die ersten Hasenglöckchen wachsen. Zu meiner Überraschung war die Stelle nicht vollkommen überlaufen. Otto jedenfalls war begeistert. "uuuh, uuuh, uuuh, uuuh". Für mich war es eine wirkliche Offenbarung, als Familie bei Sonne in der Natur zu sein, ohne mir Sorgen um Zeit oder Schlaf machen zu müssen. Und ich habe mich total gefreut wie Otto die Natur annahm und zwischen den Bäumen spielte.
Nachmittags sind wir bei immer mehr Sonne in einen nahe gelegenen Park gegangen. Es war eine wirkliche Freude Otto zuzusehen. Er ist mit mir an der Hand losgelaufen, zu Büschen und Stöckern und Kindern und Hunden. Ich musste ihn wirklich nur festhalten, er macht das inzwischen alles alleine. Wir beobachten einen richtigen Entwicklungssprung und seiner Wahrnehmung, Mobilität und Entscheidungsfindung - er macht seine eigenen Pläne und setzt sie um, und manchmal kommuniziert er richtig klar, was er will. Ellie hat ihn einmal auf eine Weise beschrieben, die seitdem seine Entwicklung für uns zusammen fasst: Otto mochte einfach nie Baby sein. Er war immer neugierig und wollte sich selbst bewegen und Sachen kennen lernen. Die ganze Zeit, als er nur rumliegen und schlecht sehen könnte, das war nichts für ihn. Seit er krabbeln kann ist er immer fröhlicher. Wir haben einen eigenen Begriff für die Art und Weise, wie er die Welt erkundet: botten. Otto wacht morgens auf und bottet sofort los. Aus dem Schlafsack, auf allen Vieren zum Spiegel, auf seinen Beinchen durchs Haus. Im Park so schnell wie möglich zu den Büschen. Und am allermeisten mag er Busse: ich gucke an extra, wann der nächste Bus an der nächsten Haltestelle eintrifft und dann gucken wir zusammen zu wie er kommt, hält, und wieder losfährt. Ich würde zu gerne die Welt mit seinen Augen sehen und denke immer daran, wie mich in jungen Jahren die Harzquerbahn oder die Eisenbahn durch den Pölchower Wald fasziniert haben. Und während ich mit minimalem Aufwand Otto betreute konnte Ellie in der Zeit ganz in Ruhe unter einer blühenden Kirsche in der Sonne liegen. So hatte ich mir unsere Familie im besten Falle vorgestellt. In der Nacht hat Otto zum ersten Mal seit November in seinem Bettchen geschlafen, ohne dass ich ihn zu mir ins Bett nehmen musste Wir sind am nächsten Tag gleich nochmal in den Park, weil Ellies Vater mit Frau zu Besuch kam.
Ich weiß, dass in mir noch Sachen auf Aufarbeitung warten, aber dieses Wochenende fühlte sich wie ein Durchbruch an.
Ansonsten:
- Ich lese mit großer Freude weiter Harry Potter, inzwischen im zweiten Buch.
- Otto ist kürzlich seiner kleinen rosa Plastikbadewanne entwachsen und wird jetzt in der großen Wanne gewaschen. Die ersten zwei Abende hatte er damit irgendein Problem, aber seitdem findet er es toll. Plantscht und spritzt rum. Irgendwann wird er da gar nicht mehr rauswollen, und dann gehts rund.
- Otto lernt seit kurzem mit uns zu kuscheln. Ganz so wie mit Vorlesen fand er das nie toll, aber inzwischen legt er sein kleinen Köpfchen immer mal wieder an unsere Schulter. Manchmal macht er dann auch frohe Laute. Wir hoffen, das wir irgendwann als Familie kuscheln können, morgens im Bett und abends auf dem Sofa.
- Wir holen und spenden Klamotten in ganzen Sackladungen. Otto ist inzwischen bei Größe 2-3 Jahre angekommen; letztens mussten wir ein komplettes Geschenkpaket direkt weitergeben, weil er zu groß ist.
- Sein Vokabular hat sich so weiterentwickelt
- "mama" - entweder Mama oder "ich will das da", je nach Kontext
- "dada" - entweder Papa oder "ich mag das" bzw. "ich freue mich", je nach Kontext
- "nana" - ursprünglich "Banane", inzwischen allgemein "Essen"
- "wawa" - Hund
- "kra" - Vogel
- Ottos passiver Wortschatz ist überraschend. Er erkennt Worte wie "Vogel" in Liedern und wenn ich am Telefon rede. Dann sagt er nämlich "Kra".
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