Ellie hatte mir zu Weihnachten ein Wochenende nicht weit ihres Heimatortes geschenkt, wo wir mehrere historische Orte besuchen wollten, zu denen sie als Kind und Schülerin regelmäßig gefahren war.
Fotos
Die Schlacht von Hastings im Jahr 1066 ist das wichtigste Einzelereignis der englischen Geschichte. Jedes Kind kennt die Jahreszahl. Damals übernahmen die Normannen England von den Angelsachsen. Die Schlacht fand gar nicht in Hastings statt (dort waren die Normannen gelandet, an der Küste weiter südlich), sondern auf einem freien Feld. An der (vermuteten) Stelle wurde aber ein Kloster errichtet, um das sich dann der kleine Ort Battle (englisch für "Schlacht") entwickelte. Die Überreste des von Heinrich VIII. aufgelösten Klostern waren einer unserer Besuchspunkte.
In der Nähe dieses Ortes hatte uns Ellie Quartier auf einem Bauernhof gebucht. Dort wurden vier alte Wirtschaftsgebäude zu Gästezimmern umgewandelt, in schöner Balance aus rustikal und gemütlich: Außenwände noch alles Holz, innen der Sprachassistent Alexa. Die vier alten Scheunen stehen um einen kleinen beblümten Innenhof. Es gab Enten, Schweine, Pferde und auf allen Feldern Schafe.
Ich sage ja immer, dass es in Südengland keine wirklich einsamen Gegenden gibt. Hier waren wir mal nah dran. Morgens und abends bin ich extra noch kurz nach draußen gegangen, um die Stille zu hören, und die Vögel, und in die Täler zu gucken. Und abends war es wirklich so dunkel, dass ich meine eigene Hand nicht vor Augen sehen konnte. Am ersten Abend sind zu Fuß zu einem Pub in der Nähe gelaufen, der auch super war, aber zurück haben wir lieber ein Taxi genommen. Nachtwanderung ist ja alles sehr schön, aber wenn man dabei nur Straßen zum laufen hat muss man ständig nach Autos lauschen.
Ursprünglich hatte ich mein Teleskop mitbringen wollen, aber schon die Wettervorhersage machte klar, dass es stark bewölkt werden würde.
Am Samstag sind wir zur Burg Bodiam gefahren, über die man viel erzählen kann, aber sei sie nur als Bilderbuchwasserburg beschrieben, am Fluss Rother. Von ihr habe ich über die Jahre immer wieder gehört, weil es das typische Ziel für Schulausflüge war. Dort haben wir uns mit Ellies Mutter getroffen und einige Stunden im Cafe und der Burg verbracht.
Ursprünglich hatten wir von dort mit dem Traditions-Dampfzug nach Tenterden fahren wolle, Ellies Heimatort. Aber der fährt im Januar noch nicht. Überhaupt gibt es in der Region diverse Dampfzüge und Burgen, aber die meisten davon haben entweder an Wochentagen oder überhaupt ganz zu.
Im Flusstal zog Nebel auf und alle umliegenden Besuchsstätten machten langsam dicht. Darum sind wir relativ spontan zu Ellies Vater gefahren, im nahen Cranbrook. Genau gesagt hatte seine Frau Geburtstag (beide Eltern haben in den letzten anderthalb Jahren ihre langjährigen Partner geheiratet) und ich traf die gesamte Familie; einige kannte ich bereits von der Beerdigung von Ellies Opa im letzten Jahr. Ellie hatte nicht vorgehabt ihre Familie abzufahren, aber ich habe die Orte ihrer Jugend gerne besucht. Nach der nebligsten Heimfahrt der Welt habe ich sie noch lange zu ihrem Leben befragt.
Am Sonntag haben wir das Kloster von Battle besucht. Davon stehen die Umfassungsmauern und das Torhaus, aber nur Ruinen der Gebäude.
In drei Wochen fahren wir wieder in die Gegend, zur Beerdigung von Ellies anderem Opa. Für uns war das vermutlich der letzte Urlaub ohne Kind.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen