Donnerstag, 23. Januar 2020

Ottos Richards

Am letzten Wochenende war Opas Beerdigung. Ehrlich gesagt hatte ich mich auf das Wochenende schon einige Zeit gefreut. Schließlich hatte ich schon während meiner Zeit auf der Farm einen Aufsatz geschrieben, wie mir Frankfurt gefällt. Und die Familie sehe ich ohnehin zu wenig. Etwas Sorge hatte ich schon, wie das wird, wenn wir zum ersten Mal alle vier zusammen sind, seitdem ich Mitte 20 war. Aber im Nachhinein war es trotz des Anlasses eine richtig schön Zeit, und zwar besonders wegen der Zeit mit der Familie. Die Möglichkeit allein einfach zusammen zu sitzen und zu quatschen habe ich genossen, mal ganz abgesehen davon, dass ich dafür normalerweise eine Woche brauche. Sowohl deswegen als auch weil ich an Opas Verabschiedung teilnehmen konnte bin ich mit einem gutem Gefühl zurückgeflogen.

Fotos aus Frankfurt

Papa und ich haben beide kurz auf der Beerdigung geredet. Ich unter anderem darüber, wie wenig Opa von sich erzählt hat. Die meisten Leute aus der Treuenbrietzener Familie kannte ich maximal vom Hörensagen. Und in der Wohnung fanden wir alte Fotos, die bei jedem Besuch direkt neben bzw. hinter mir gestanden hatten, ohne dass Opa sie mir jemals gezeigt hätte. Genauso fanden wir heraus, dass sein Vater Otto Richard Hechler hieß!

Aus der Wohnung wollte ich eigentlich nur Fotos und Dias retten, um sie zu digitalisieren und allen verfügbar zu machen. Am Ende habe ich auch noch ein gemaltes Bild der Ostsee mitgenommen und drei DVDs mit DEFA Märchen, für Otto Richard Howlett Hechler. Von Mutti bekam ich ein Kehrblech und Teelöffel. Und mir selbst habe ich einen weiteren Band Mosaik gegönnt.

Außerdem bin ich kurz nach Slubice gelaufen und habe endlich mein altes polnisches Konto geschlossen. 2010 hatte ich das eröffnet, für das Praktikum im polnischen Parlament. In der Filiale ging mein Polnisch noch richtig gut, und anschließend bin ich richtig schön spazieren gegangen. Denn das Wetter war so schön, völlig im Gegensatz zum Grund meines Besuch.

Am Abend nach der Beerdigung sind wir alle vier noch in die Konzerthalle gegangen, wo unter anderem Vaughan Williams gespielt wurde. Mein Chor hatte vor einigen Jahren seine Volkslieder gesungen, und seitdem hatte sich bei uns allen ein Image als Schnulzenromantiker festgesetzt. Aber die 6. Symphonie war den Zweitversuch wert. Das ist einer der Gründe, weshalb ich Frankfurt mag: ein gutes Orchester, wo man sich gerne etwas neues anhört, mit einem aufgeschlossenen Publikum.

Mitte Februar steht bei mir die nächste Beerdigung auf dem Plan. Anfang Januar war, seit langem erwartet, Ellies Opa mit 97 Jahren gestorben. Wir fahren dann zur Einäscherung. Bei der Gelegenheit habe ich erfahren, dass die in England gewöhnlich die wichtigere Veranstaltung ist. Zur eigentlichen Beisetzung kommen wohl viel weniger Leute.

Ellie arbeitet wieder und ist dementsprechend weniger glücklich. Zum Glück lenkt sie das Kind ab. Ich weiß eigentlich nicht, wie sie klar kommt: Schlafen war bereits schwierig; inzwischen kann sie in fast keine Lage bequem liegen.

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