Tradition gegen Tradition
Seit wir uns kennen, haben Ellie und ich uns über Weihnachten unterhalten; welche Traditionen wir haben und wie wir es zusammen gestalten würden. Das war ganz praktisch, schließlich ist die genaue Begehung von Weihnachten für viele eine Glaubensfrage, an der viele Paare scheitern. Für uns schien es immer ganz einfach - Deutsche machen Advent und Heiligabend, Briten kümmern sich eigentlich nur um den 25. Dezember. Und überhaupt wird ja jeder irgendwann einsehen, dass deutsche Weihnachten am besten sind.
Oh, Tannenbaum!
Jetzt also machen wir zum ersten Mal gemeinsam Weihnachten und legen vermutlich den Grundstein für eine ganz neue Tradition. Erstmal haben wir uns gestritten. Wann wird der Baum aufgestellt? In England nämlich Anfang Dezember. Ich dachte wir hätten uns auf eine Woche vor Weihnachten geeinigt, Ellie dachte zwei. Ich habe zwar nachgegeben, weil ich zugegeben musste, dass die Mitte unserer Traditionen zwei Wochen vor Weihnachten liegt. Aber wie schwierig das ist, wenn es die Kindheitserinnerungen berührt! Ich war ordentlich sauer - wie soll denn da das Geheimnisvolle des Heiligabends enstehen?!
Zwei Wochen mit Baum später gebe ich zu, es bringt schon Stimmung ins Haus. Spart vermutlich auch Stress kurz vor Heiligabend. Und wir sind noch zivilisiert. Viele Bäume sind Plastik, stehen Mitte November und sehen aus wie Neonreklame - abends blinkt es aus den Wohnzimmer wie eine Ampel. Und überhaupt, der Glitzerkram. Mein Büro wurde wie jedes Jahr damit dekoriert und mir ist erst jetzt aufgefallen, dass diese speziellen Girlanden bei uns typischerweise zum Fasching hängen. Den es hier drüben ja nicht gibt. Ach ja, und die Häuser sind natürlich von oben bis unten mit Lichtfiguren verhängt. Als ich solche Häuser eines Abends einmal zu oft verurteilte, wies mich Ellie freundlich aber bestimmt darauf hin, dass erleuchtete Häuser für sie Weihnachtserfahrung sind wie für mich Backen und Oratorium. Vermutlich hat sie recht.
Unser Baum ist echt. Die 240 Lichter sind wegen Katzengefahr zwar elektrisch, aber zugegebenermaßen sind kleine LEDs eigentlich ok. Und dekoriert haben wir human, dank zweier guter Weihnachtsmärkte, dem in Winchester und einem Überraschungsfund hier vor Ort.
Ich bin diesen Advent eigentlich kaum zu Vorbereitungen gekommen und habe sehr wenig gebacken. Aber wenigstens habe ich einen Adventskranz und etwas Tannengrün gefunden. Buddha interessiert sich praktischerweise kulinarisch gar nicht für Nadeln. Seit Anfang Advent haben wir fünf Kalender und seit seinem Ende Drei Haselnüsse für Aschenbrödel auf DVD!
Nun ist der 23. Dezember und wir vertragen uns gut. Ich habe traditionellen Kartoffel- und Obstsalat, Ellie den traditionellen Alkohol und übermorgen machen wir die Truthahnbrust.
Zwischendurch hatte Ellie am 16. Dezember noch Geburtstag. Ich habe sie nach London genommen und bis zum Schluss nicht verraten, dass ich sie zum Musical Aladdin einlade.
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