So ganz groß wurde die Pause dann doch nicht: nach vier Tagen war der Geschworenendienst schon wieder zu Ende. Ich bekam einen Fall und nach dessen Ende brauchte man bereits viel weniger Leute. Aber es war eine tolle Erfahrung und ist Einzelheiten wert. Also.
Grundsätzlich werden eine Menge Leute zum Dienst gerufen, die dann Montag auftauchen und auf einen Fall warten. Man bekommt also nicht von vornherein einen zugewiesen, sondern sitzt in einem großen Warteraum (in dem jeden Tag Talkshows laufen), ob sie einen brauchen. Denn es werden nicht alle Fälle von Geschworenen entschieden, sondern nur schwerere. Wenn ein Richter entscheidet, dass man eine Jury braucht, lost man 14 Namen aus. Die kommen dann in den Gerichtssaal, wo 12 eingeschworen werden. Die übrigen 2 sind Ersatz, sollte jemand nicht antreten können, z.B. weil er jemandem in dem Fall kennt.
Es kommen also ab und zu Leute in den Wartesaal und rufen Namen auf. Am ersten Tag habe ich nichts bekommen und konnte am frühen Nachmittag nach Hause gehen. Am Dienstag dann bekam ich einen Fall, dessen Details ich nicht verraten darf. Zwei Tage lang haben Anklage und Verteidigung uns Zeugen und Beweise vorgeführt. Am Donnerstag dann haben wir uns in einem Zimmer beraten, mit Bewachung vor der Tür und wenn jemand aufs Klo ging durften wir nicht diskutieren. Mittag wurde in den Raum geliefert, denn wir durften nicht raus, bevor wir nicht entschieden hatten, und zwar einstimmig. Dementsprechend hat das fünf Stunden gedauert, aber ich denke, wir haben richtig geurteilt. Die Entscheidung ist allein schuldig oder nicht zu jedem Anklagepunkt. Die Strafe legt natürlich der Richter fest und zwar nicht am Tag unserer Entscheidung. Nach unserem Bericht war unser Anteil am Prozess vorbei. Drei von uns haben sie für weiteren Dienst behalten, der Rest wurde entlassen. Andere, die keinen Fall bekommen hatten, waren bereits Mittwoch Mittag entlassen worden.
Gelernt habe ich
Grundsätzlich werden eine Menge Leute zum Dienst gerufen, die dann Montag auftauchen und auf einen Fall warten. Man bekommt also nicht von vornherein einen zugewiesen, sondern sitzt in einem großen Warteraum (in dem jeden Tag Talkshows laufen), ob sie einen brauchen. Denn es werden nicht alle Fälle von Geschworenen entschieden, sondern nur schwerere. Wenn ein Richter entscheidet, dass man eine Jury braucht, lost man 14 Namen aus. Die kommen dann in den Gerichtssaal, wo 12 eingeschworen werden. Die übrigen 2 sind Ersatz, sollte jemand nicht antreten können, z.B. weil er jemandem in dem Fall kennt.
Es kommen also ab und zu Leute in den Wartesaal und rufen Namen auf. Am ersten Tag habe ich nichts bekommen und konnte am frühen Nachmittag nach Hause gehen. Am Dienstag dann bekam ich einen Fall, dessen Details ich nicht verraten darf. Zwei Tage lang haben Anklage und Verteidigung uns Zeugen und Beweise vorgeführt. Am Donnerstag dann haben wir uns in einem Zimmer beraten, mit Bewachung vor der Tür und wenn jemand aufs Klo ging durften wir nicht diskutieren. Mittag wurde in den Raum geliefert, denn wir durften nicht raus, bevor wir nicht entschieden hatten, und zwar einstimmig. Dementsprechend hat das fünf Stunden gedauert, aber ich denke, wir haben richtig geurteilt. Die Entscheidung ist allein schuldig oder nicht zu jedem Anklagepunkt. Die Strafe legt natürlich der Richter fest und zwar nicht am Tag unserer Entscheidung. Nach unserem Bericht war unser Anteil am Prozess vorbei. Drei von uns haben sie für weiteren Dienst behalten, der Rest wurde entlassen. Andere, die keinen Fall bekommen hatten, waren bereits Mittwoch Mittag entlassen worden.
Gelernt habe ich
- Richter und Anwälte tragen wirklich Perücken
- Die Anwälte sprechen sich als “Mein gelehrte Freund" an und können einem wirklich ein X für ein U vormachen.
- Richter haben wirklich eine harte Arbeit. Ich habe gestaunt, wie er die Anwaelte unter Kontrolle behielt und uns nach drei Tagen eine wirklich gute Zusammenfassung mitgegeben hat. Er hat zu jedem Anklagepunkt klargemacht, welche Fragen wir uns stellen muessen, um zu entscheiden. Das hat wirklich geholfen sich nicht voellig zu verheddern. Respekt.
- die Rechtssprache ist so archaisch dass sie selbst für Muttersprachler erklärt werden muss
- Häusliche Gewalt ist wirklich schwer zu beweisen
Das Geschworenensystem ist für Deutsche natürlich merkwürdig. Ich weiß nicht, wass ich davon halten soll. Einerseits muss ich ehrlich sagen, dass die eigene Erfahrung mein Vertrauen in das Rechtssystem in der Tat stärkt, weil wir wirklich mit uns gekämpft haben, objektiv zu entscheiden. Als Bürger fühle ich mich mit dem System verbunden und glaube tatsächlich, dass es zu unserem Besten ausgerichtet ist. Andererseits habe ich gesehen, dass doch viel von der spezifischen Dynamik innerhalb der Jury abhängt. Wer spricht gerne, wer verschafft sich Gehör? Das funktioniert nur mit einem guten Vorsitzenden, der darauf achtet, dass auch die stilleren Leute reden können. Und man muss rigoros Spekulation und persönliche Erfahrung abhalten.
Ab Freitag bin ich also wieder zurück auf Arbeit. Wäre lieber im Dienst geblieben. Meine Arbeitszeiten waren nämlich 10 Uhr bis spätestens 16.30 und häufig weniger. Ich konnte also morgens ausschlafen und gemütlich frühstücken und war abends früh zurück, weil ich mir täglich zwei Stunden Pendeln sparen konnte. Geschafft habe ich trotzdem nicht wirklich viel. Eigentlich bin ich nur dazu gekommen, endlich unsere Glühbirnen im Haus zu modernisieren - solchen Mist muss man als Hausbesitzer machen. Nur einmal konnte ich mit Ellie Mittag essen, obwohl sie sehr nah am Gericht arbeitet. Aber am letzten Tag konnte ich ihr Blumen ins Büro bringen - zum ersten Mal seit Jahren. Zu Hause geht das nicht, weil Buddha sie sofort auffrisst.
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