Ellie und ich haben uns im Chor aber vor allem auf einem Tanzkurs kennen gelernt. Wir tanzen beide gern und viel, aber komischerweise seitdem fast nie miteinander. Das hat sich im Oktober geändert, dank zweier Hochzeiten und einer Party.
Auf dem Boot
Zuerst heiratete Mitte Oktober eine ihrer Freundinnen. Hochzeit war in Portsmouth, die Feier auf einem Boot in Southampton. Die ganze Veranstaltung hat mir seit der Ankündigung sehr gefallen, weil das Paar es mit gesundem Menschenverstand und wenig Geld organisierte. Einmal ohne den ganzen Firlefanz den ohnehin niemand braucht. Das Brautkleid zum Beispiel hat 150 Pfund gekostet statt der üblichen 5000 und die Braut sah einfach umwerfend aus. Und ich finde Brautkleider normalerweise langweilig. Die Zeremonie dagegen hat mir wieder nicht gefallen, insbesondere die Reden - durch Ellie wusste ich, dass Worte und Verhalten der Redner nicht immer übereinstimmten. Ehrlich gesagt bin ich dadurch in eine antisoziale Stimmung verfallen, wie ich sie seit vielen Jahren nicht mehr kannte. Bis Ellie auftrat. Die Braut ist nämlich auch Bauchtänzerin und ihr nunmehr Mann hatte Ellie gebeten, mit einigen anderen heimlich eine Choreographie vorzubereiten. Sie hat die Truppe auf Trab gebracht - beim Tanzen sind ihre Ansprüche hoch und Skrupel niedrig genug wenn nötig Klartext zu reden. Der Auftritt war dann auch umwerfend - sowas schönes habe ich seit einem Straßentheater 2006 in Torun nicht mehr gesehen. Die Braut hat spontan mitgemacht. Dann war die Tanzfläche offen und ich kam aus meiner Schale und habe Stimmung gemacht! Zum ersten Mal haben Ellie und ich einfach zum Spaß miteinander getanzt; es war toll. Und das beste: 23 Uhr war Feierabend und es ging nach Hause.
In den 90ern
Eine Woche drauf sind wir zwei zur 90er Jahre Party gegangen. Erst seitdem ich mit Ellie unsere Kindheit und Jugend vergleiche ist mir, durch Demonstrationen, klar geworden, was für tolle Musik zu meiner Grundschulzeit gemacht wurde. Gut, eigentlich war man zu jung um das wirklich mitzurkiegen oder mitzumachen. Und damals habe ich die Musik eigentlich mit einer mir ziemlich fremden und beängstigenden Kultur verbunden (ab und zu habe ich diese Reflexe an diesem Abend auch gespürt). Aber seitdem ich weiß, dass ich ein ziemlich alberner Mensch bin, kann ich den glorreichen Kitsch einer Zeit richtig wertschätzen, als Musik meistens von holländischen Jugendlichen produziert wurde. Nun durften wir also auch mal 90er machen. Natürlich haben wir uns zeitgemäß angezogen, was Männern nicht viel Material bietet, Ellie aber sah bezaubernd aus mit ihren geflochteten Zöpfen. Klamotten und Stil kann sie. Sogar sie selbst sagte: Makeup Triumph! Wahrscheinlich eine Premiere.Auf dem Boot
Zuerst heiratete Mitte Oktober eine ihrer Freundinnen. Hochzeit war in Portsmouth, die Feier auf einem Boot in Southampton. Die ganze Veranstaltung hat mir seit der Ankündigung sehr gefallen, weil das Paar es mit gesundem Menschenverstand und wenig Geld organisierte. Einmal ohne den ganzen Firlefanz den ohnehin niemand braucht. Das Brautkleid zum Beispiel hat 150 Pfund gekostet statt der üblichen 5000 und die Braut sah einfach umwerfend aus. Und ich finde Brautkleider normalerweise langweilig. Die Zeremonie dagegen hat mir wieder nicht gefallen, insbesondere die Reden - durch Ellie wusste ich, dass Worte und Verhalten der Redner nicht immer übereinstimmten. Ehrlich gesagt bin ich dadurch in eine antisoziale Stimmung verfallen, wie ich sie seit vielen Jahren nicht mehr kannte. Bis Ellie auftrat. Die Braut ist nämlich auch Bauchtänzerin und ihr nunmehr Mann hatte Ellie gebeten, mit einigen anderen heimlich eine Choreographie vorzubereiten. Sie hat die Truppe auf Trab gebracht - beim Tanzen sind ihre Ansprüche hoch und Skrupel niedrig genug wenn nötig Klartext zu reden. Der Auftritt war dann auch umwerfend - sowas schönes habe ich seit einem Straßentheater 2006 in Torun nicht mehr gesehen. Die Braut hat spontan mitgemacht. Dann war die Tanzfläche offen und ich kam aus meiner Schale und habe Stimmung gemacht! Zum ersten Mal haben Ellie und ich einfach zum Spaß miteinander getanzt; es war toll. Und das beste: 23 Uhr war Feierabend und es ging nach Hause.
In den 90ern
Die Party war eine Riesensause in der Stadthalle, später am Abend spielte eine Live Band. Mir gefiel am besten der frühe Abend, als noch Platz zum Tanzen war. Ellie war wieder hinreißend und wieder sind wir früh nach Hause: halb elf nach drei Stunden. Pizza und Geschichtsdoku auf dem Sofa.
Auf Afrikanisch
Das folgende Wochenende heiratete eine Kollegin Ellies. Das war eine afrikanische Hochzeit und zwar schon die dritten des Paares: zwei waren in Nigeria für die jeweiligen Stämme gemacht worden. Diesmal war die Sache sehr kirchlich, beide sind in einer Studentengemeinde. Drei Stunden dauerte die Zeremonie, vieles davon war Singen und Tanzen. Mein persönlicher Höhepunkt war, als alle mit Glückwünschen am Brautpaar vorbeitanzten. Da erfasste mich das Tanzfieber nämlich so sehr, dass ein Afrikaner meinen Stil lobte. Essen und Feier fanden in einer Turnhalle statt, um all die Gäste unterzubringen. Ich lernte: nigerianisches Essen ist gewöhnungsbedürftig, die traditionelle Kleidung ist toll, und in deren Kultur tanzen auch Männer ganz selbstverständlich und zwar gut. Beide Väter sind übrigens Pastoren, einer Stammeshäuptling; beide tanzten später miteinander. Auf der anderen Seite ging es eindeutig auch um gesellschaftlichen Status: Plastikkronleuchter, Brautpaar auf einem zentralen Sofa, vier Fotografen, Gastgeschenke. Ein Zeremonienmeister wurde extra eingeflogen - und ein gewisser Timi Dakolo. Niemand von uns kannte ihn, aber wir haben es überprüft - er ist tatsächlich der berühmteste moderne Sänger Westafrikas. Nun kam er den ganzen Weg nach Portsmouth und dann funktionierte der Ton nicht richtig.

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