England hat mich mit 10 Grad plus und Regen begrüßt. Es wurde dann zwar noch einige Tage kalt, aber nach drei Wochen ist die Temperatur schon wieder nah am Jahresdurchschnitt. Leider. Krokusse blühen, auf meinem Schreibtisch stehen einheimische Osterglocken. Das bisher interessanteste in diesem Jahr war ein Wochenende auf der Isle of Wight, wie anderweitig beschrieben. Der Alltag wird von zwei Dingen bestimmt.
Gute Arbeit
Zum einen macht mir meine Arbeit ausgesprochen viel Spaß. Ich habe gute Ideen sowohl in meinem Hauptprojekt als auch einigen Nebenarbeiten. Am besten ist, dass ich die Benutzung eines statistischen Computerprogramms lerne. Als Praxistest versuche ich, das Rechenmodell meiner Abteilung in dieses Programm zu konvertieren. Lange habe ich nicht mehr soviel Spaß mit Mathematik gehabt, oft sitze ich wirklich mit Zettel und Bleistift da und schreibe Formeln auf. Die freie Zeit zur Selbst- und Weiterbildung ist eine der besten Dinge an meinem Amt. Allein in der letzten Woche stellten zwei Doktoranten der Uni Southampton ihre Arbeiten vor und einen ganzen Tag lang hatten wir eine Konferenz von jungen Analysten meines Dienstgrads. Im März haelt mein Team selbst ein Veranstaltung in London ab. Ich bereite dazu Umfrage und Vortrag vor. Im September werde ich wahrscheinlich wieder auf einer Konferenz sprechen. Selbst habe ich ein kleines Projekt fertig gestellt, in dem ich Aussprachehilfen für ausländische Namen für unsere Telefonisten im hauseigenen Umfragezentrum organisiert habe.
Schlechte Arbeit
Die zweite Sache ist Ellies Arbeit und die ist alles andere als schön. Zwar bin ich überzeugt, dass sie aus der Sache eher besser als schlechter rauskommen wird, aber sie selbst lässt die Dinge (soweit ich weiß weder ihre Schuld noch ihr Problem) sehr nah an sich ran. Manchmal mache ich mir richtige Sorgen um sie und auch mich kostet es Kraft, sie zu unterstützen, denn allzugerne lässt sie sich in ein dunkles Loch fallen.
Dabei faengt das Jahr eigentlich vielversprechend an. Aus Deutschland hatte ich das Spiel "Das verrückte Labyrinth" mitgebracht. Damit haben wir eine kleine Spielesammlung, die sogar Ellie mitmacht. Und für Mathieu und mich hat Friedemann mir Erweiterungen für die Fürsten von Catan geschenkt. Außerdem hatte ich ja von Ellie zu Weihnachten ein Keyboard bekommen. Das hilft mir vor allem beim Einstudieren von Liedern und Chorstücken. Aber seitdem ich dazu aus der Bibliothek ein Buch mit vereinfachten Editionen klassischer Stück habe, sitze ich auch regelmäßig abends einfach zum Spaß dran und dafür klappt es tatsächlich ganz gut. Dafür lese ich im Moment praktisch nichts. Anfang Januar beendete ich nur Das Waisenhaus (ein Geschenk von Kasia). Die meiste Lesezeit habe ich ja im Zug und dort lerne ich erstmal Noten. Für den Gesangsunterricht ist das Schumanns Eichendorf-Liederkreis. Der Chor probt Dvoraks Messe in D für ein Konzert im März.Gute Arbeit
Zum einen macht mir meine Arbeit ausgesprochen viel Spaß. Ich habe gute Ideen sowohl in meinem Hauptprojekt als auch einigen Nebenarbeiten. Am besten ist, dass ich die Benutzung eines statistischen Computerprogramms lerne. Als Praxistest versuche ich, das Rechenmodell meiner Abteilung in dieses Programm zu konvertieren. Lange habe ich nicht mehr soviel Spaß mit Mathematik gehabt, oft sitze ich wirklich mit Zettel und Bleistift da und schreibe Formeln auf. Die freie Zeit zur Selbst- und Weiterbildung ist eine der besten Dinge an meinem Amt. Allein in der letzten Woche stellten zwei Doktoranten der Uni Southampton ihre Arbeiten vor und einen ganzen Tag lang hatten wir eine Konferenz von jungen Analysten meines Dienstgrads. Im März haelt mein Team selbst ein Veranstaltung in London ab. Ich bereite dazu Umfrage und Vortrag vor. Im September werde ich wahrscheinlich wieder auf einer Konferenz sprechen. Selbst habe ich ein kleines Projekt fertig gestellt, in dem ich Aussprachehilfen für ausländische Namen für unsere Telefonisten im hauseigenen Umfragezentrum organisiert habe.
Schlechte Arbeit
Die zweite Sache ist Ellies Arbeit und die ist alles andere als schön. Zwar bin ich überzeugt, dass sie aus der Sache eher besser als schlechter rauskommen wird, aber sie selbst lässt die Dinge (soweit ich weiß weder ihre Schuld noch ihr Problem) sehr nah an sich ran. Manchmal mache ich mir richtige Sorgen um sie und auch mich kostet es Kraft, sie zu unterstützen, denn allzugerne lässt sie sich in ein dunkles Loch fallen.
Einen kleinen Auftritt hatte der Chor bei der offizieller Eröffnung des neuen Gebäudes "Weißer Schwan" der Musikfakultät gesungen. Einige alberne Lieder über Enten, die mir sehr viel Spaß geacht haben. Dabei traf ich auch mal wieder meine Mitbewohnerin Gus, die ich ob meiner seltenen Anwesenheit nie zu Hause sehe. Sie hat das Gebäude dekoriert und wir haben zusammen einige ertraegliche Studentenaufführungen mit angesehen.
Gleich nach meiner Rückkehr habe ich Ellie "Dinner for One" gezeigt. Durch die folgende Unterhaltung habe ich ein bisschen recherchiert und erfahren, dass die einzige jüngere Aufführung in England 2006 in Portsmouth von Amateurschauspielern gemacht wurde. Während der Sketch von einem Briten geschrieben worden war, wurde er hier nur in der Nachkriegszeit gespielt, wenn auch mit großem Erfolg. Die Fernsehaufnahme wurde tatsächlich in Deutschland gemacht und ist in England völlig unbekannt. Und ich habe erst jetzt das Ende verstanden. Ich war schockiert.
U-Boote sind auch nicht schön. Einen Samstag bin ich wieder ins Marinemuseum gegangen, diesmal ins U-Bootmuseum auf der anderen Hafenseite. Dort liegt ein Boot aus den Fünfzigern, und das allererste der britischen Marine von 1902. Beide kann man begehen, geführt von ehemaligen U-Bootfahrern. Die haben mal die Luke zugemacht und den Notausstieg erklaert. Ich war schockiert.
Ganz zum Schluss bin ich noch durch die HMS Warrior gelaufen, den Panzersegelkreuzer, der im Hafen liegt und Besuchern bekannt sein dürfte. Sehr viel mehr Platz und Luxus, aber auch da will ich nicht im Maschinenraum stehen.
U-Boote sind auch nicht schön. Einen Samstag bin ich wieder ins Marinemuseum gegangen, diesmal ins U-Bootmuseum auf der anderen Hafenseite. Dort liegt ein Boot aus den Fünfzigern, und das allererste der britischen Marine von 1902. Beide kann man begehen, geführt von ehemaligen U-Bootfahrern. Die haben mal die Luke zugemacht und den Notausstieg erklaert. Ich war schockiert.
Ganz zum Schluss bin ich noch durch die HMS Warrior gelaufen, den Panzersegelkreuzer, der im Hafen liegt und Besuchern bekannt sein dürfte. Sehr viel mehr Platz und Luxus, aber auch da will ich nicht im Maschinenraum stehen.
Zuletzte einige Anfügungen zu Kategorie "andere Vorstellungen".
Französische Revolution - wird zu allererst mit Anarchie, Mord und Totschlag konnotiert, erst sehr viel später mit Freiheit, Gleichheit oder sonstigem kontinentalen Sentimentalitäten
Schulden - Nötig und unbedenklich.
Bauern - reiche Großgrundbesitzer in Landrovern und teuren Allwetterjacken die mit Hund und Gewehr sein Privatland patroulliert. Darauf kam ich, als Ellie mich fragte, warum im Buch über die DDR ständig von "peasants" die Rede ist. Das heißt zwar auch Bauer, wird aber eigentlich nur auf arme Tagelöhnen im Mittelalter angewendet. Die moderne Übersetzung "farmer" aber ruft völlige andere Bilder hervor.
Wohnung - was für Leute, die sich kein Haus leisten können. Tendenziell mit Armut konnotiert.
Französische Revolution - wird zu allererst mit Anarchie, Mord und Totschlag konnotiert, erst sehr viel später mit Freiheit, Gleichheit oder sonstigem kontinentalen Sentimentalitäten
Schulden - Nötig und unbedenklich.
Bauern - reiche Großgrundbesitzer in Landrovern und teuren Allwetterjacken die mit Hund und Gewehr sein Privatland patroulliert. Darauf kam ich, als Ellie mich fragte, warum im Buch über die DDR ständig von "peasants" die Rede ist. Das heißt zwar auch Bauer, wird aber eigentlich nur auf arme Tagelöhnen im Mittelalter angewendet. Die moderne Übersetzung "farmer" aber ruft völlige andere Bilder hervor.
Wohnung - was für Leute, die sich kein Haus leisten können. Tendenziell mit Armut konnotiert.
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