Donnerstag, 28. Januar 2016

Wight im Winter

Gleich das zweite Wochenende habe ich Ellie schon wieder allein gelassen und bin mit Mathieu eine Nacht auf die Isle of Wight gefahren. Den Plan hatte ich schon lange, weil wir schon ewig nicht mehr richtig zusammen unterwegs gewesen waren. Außerdem wollte ich die Insel auch mal an einem sonnigen Wintertag sehen. Samstag vormittag sind wir mit Auto und Rädern rüber, dann runter in die Südwestecke. Die hatte mir bei meinem ersten Wochenende vor inzwischen ja doch drei Jahren am besten gefallen. Mein Hauptziel war eigentlich der Naturpark der "Nadeln", einer Formation von sieben Klippen, die in einer Reihe ins Meer ragt. Aber das hat nicht geklappt, weil dorthin ein Weg führt, der für Mathieu zu steil ist. Stattdessen haben wir Samstag und Sonntag je eine längere Radtour gemacht. Die führte uns auch entlang der Strecke, die ich 2012 gefahren war, durch die Dörfer Mottistone, Brightstone und Shorwell, die mir damals ganz besonders gefallen hatten. Übernachtet haben wir im kleinen Ort Yarmouth (Yarmünde, an der Mündung des kleinen Flusses Yar) an der Südseite des westlichsten Zipfels der Insel. Der Ort war viel hübscher, als es bei meiner Vorbeifahrt 2012 den Anschein gehabt hatte. Unser Gästezimmer hatte eine Badewanne und abends wurde im Pub ein 70. Geburtstag gefeiert, bei der wir am Ende noch auf die Tanzfläche sprangen. Vorher hatten wir nämlich noch die anderen Pubs vor Ort erkundet. Speziell wollte Mathieu ein besonderes Restaurant probieren, in dem man sein Essen selbst auf heißen Vulkansteintellern gart. Nachts und morgen noch einmal bin ich auf die kleine Seebrücke des Ortes gelaufen. Von dort blickt man direkt auf den New Forest gegeüber, was mich wiedere daran erinnerte, dass die Insel eben viel größer und länger ist, als es von Portsmouth aus sichtbar ist. Zum Beispiel konnte ich da eine alte Befestitung am westlichen Ausgang des Solent sehen, die mir bisher immer nur auf Karten aufgefallen war.
Entlang der ganzen Südküste hatten wir viele wunderschöne Aussichtspunkte, ganz zu schweigen von der Stille. Zu den besonders schönen Orten gehörte eine stillgelegte Bahnstrecke, heute Radwandererweg entlang von Vogelreservaten. Wie an einigen Orten der Region leben dort Vögel, die eine Mischung aus Süß- und Salzwasser brauchen, weshalb solche Wiesen und Bodden oft unter Schutz stehen. Dementsprechend schön, ein See mit Wald und Feld dahinter. Ganz am Anfang steht der ehemalige Bahnhofe Yarmouth, heute ein Fahrradgeschäft und Café mit Blick auf diesen See, was alle Besucher begeister und ich mit Sicherheit auch Ellie zeigen werde. Denn nicht zuletzt war dieses Wochenende ein Probelauf, um mit ihr hier zurückzukommen. Ursprünglich hatte ich das gleich am Folgewochenende machen wollen, aber für sie war es dann doch zu kalt. Der Weg endet an der Bucht Freshwater und wir kamen gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang dieses sonnigen Samstag dort an. Schon 2012 hatte ich davon geschrieben, wie abends die Sonne rot im Meer versinkt, morgens wieder daraus aufsteigt und dabei die Kreidefelsen an dieser Ecke der Insel zum Leuchten bringt. Diesmal wie damals waren Wind und Meer absolut still (schwimmen konnte ich diesmal nicht). Solche Eindrücke suche ich.

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