Ellie habe ich in der Zeit etwas über Goethes Ostespaziergang erzählt und weshalb weder Faust noch Goethe so unschuldig waren. Auf dem Rückweg aus Bristol warf ich einen Blick in einen von Ellies Historienromanen. Ich lese normalerweise Sachbücher, Das Evangelium des Lügners aber riss mich sofort so in seinen Bann, dass ich es in weniger als einer Woche verschlang. Besonders positiv ist es aber auch nicht. Dementsprechend bin ich jetzt zurück bei richtiger Geschichte. Ein Freund Ellies hat mir ein altes Buch über den Moskauer Putsch von 1991 geliehen. Interessant nicht zuletzt selbst als Objekt der Zeit, denn es wurde von einem BBC Korrespondenten in der kurzen Zeit zwischen Putsch und Ende der Sowjetunion geschrieben und enthält dadurch keine der Gewissheiten späterer Autoren, die wussten, wie es ausging. Mit bemerkenswertem Interesse lese ich aber auch die kleine Physik weiter. Insbesonders die Übungsaufgaben machen mir Spaß. Wer wusste noch, dass Gewicht genau genommen eine Kraft ist?
Mit Ellie, Mathieu und Freunden habe ich eine Vorstellung des alten Kubrick-Films Dr Strangelove gesehen. In der Woche darauf ging ich zu einer speziellen Vorführung von Chaplins Großem Diktator, für die ein wohl sehr bekannter Filmhistoriker eingeladen war. Das wiederum war organisiert von einer deutschen Dozentin, die ich bis dahin nur vom Salsa kannte.
Bei aller Ruhe konnte ich nun aber nicht ignorieren, dass die Sonne endlich ernsthaft angekommen ist. Morgens ist es zwar noch kühl, aber nachmittags konnte ich Mitte April auf dem Fahrrad nicht mehr als ein Tshirt tragen. Am ersten solchen Wochenende haben Ellie und ich etwas sehr englisches gemacht und sind mit Schlafsack, Pullover und heißem Tee an den Strand gegangen. Denn es war zwar windig, aber man muss die Sonne nutzen, wenn sie da ist. Zusätzlich gibt es nun endlich ein Cafe am Strand, das bis 20 Uhr öffnet; sich also noch nach Arbeitsschluss besuchen lässt.
Ein Wochenende später war dann einmal der Wind weg und wir sind zum ersten Mal raus aufs Land gefahren. Zwar kann man ohne Auto nicht an viele Orte, aber wie sich herausgestellt hat, gibt es um Haus Stansted, wo wir schon einige Male waren, noch eine ganze Reihe lohnende Wege. Soweit sie denn nicht privat sind. Aber alles andere wäre schließlich Kommunismus.
| Schlafsack, Mantel, warmer Tee und Spaß dabei. Ich bin englischer als ich wahrhaben will. |
| Darauf hat man den ganzen Winter gewartet. Der Raps ist früh dieses Jahr. |
| Zwischen Wald und Feld darf man frei spazieren...aber keinen Schritt nach rechts oder links setzen. Denn Wald und Feld sind privat. |
| Richtig privat. |
| Kuhschellen, die englischen Anemonen. |
| Mittagspause auf dem einzigen zugänglichen Feld in England. |
| Am Ende des "Monarchenwegs" blinkt Haus Stansted. |
| Der Weg ist lang und zum Glück mit Bänken versehen. |
| Kuhschellen auf halbem Weg. Ganz hinten sieht man Haus Stansted. |
| Ebenfalls Englisch: Sonntagscricket vor Haus Stansted. Laut Ellie verriet die Redeweise die Spieler als Oberschicht. |
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