Samstag, 18. April 2015

06.03.2015 - Ostern unterwegs

Das Osterwochenende hat vier schöne Tage, also sollte man etwas machen, nur was? Ellie wollte schon lange mal Glastonbury besuchen. Der Ort ist vor allem bekannt für das jährliche Musikfestival dort. Weniger bekannt ist, dass es seit den Sechzigern ein Mekka für Hippies ist, und Ellie sieht sich aufgrund ihres Familienhintergrunds als solcher.
Ich war wegen der Entfernung nie wirklich  von der Idee begeistert gewesen. Aber dann erfuhrt ich, dass Freunde über Ostern auch unterwegs sind und ihre Wohnung in Bristol frei ist. Bristol ist mir in mehrmaliger guter Erinnerung und außerdem nur eine Busstunde von Glastonbury weg. Und auf der Strecke nach Bristol liegen Salisbury (Kathedrale) und Bath (römische Bäder). In Bristol und Bath war ich vor 2 Jahren mit Papa, in Salusbury einige Male mit Mathieu und Freunden, darunter auch die Wohnungsspender. Vier Stationen für vier Tage - perfekt für einen Ausflug.

Salisbury

In Salisbury nieselte es am Freitag noch. Der Ort ist nicht sehr groß, die Kathedrale hat aber einen schönen, großen Vorplatz, um den sich alte Gebäude im Besitz der üblichen wohlbetuchten Organisation wie dem National Trust stehen. Sie ist von außen sehr interessant, eins von wenigen Beispielen, die vollständig in englischer Frühgothik fertiggestellt wurden, wie wir kurz vorher noch in einer Dokumentation gesehen hatten. Auch historisch ist es ein interessanter Neubau, nachdem der Vorbau auf einem seit der Steinzeit genutzten Gelände aufgegeben worden war, weil sich kurz nach der normannischen Eroberung Englands die neue Oberschicht in Kirche und Militär überworfen hatten. Das Innere hatte ich als weniger spannend in Erinnerung als es sich diesmal erwies. Wir kamen gerade zur Öffnungszeit nach dem Karfreitagsgottesdienst und es war besonders schön, als sich die erste Besucherwelle verlaufen hatte. Wirklich außergewöhnlich ist die Kathedrale aber als Aufbewahrungsort einer Originalkopie der auch außerhalb Englands relativ bekannten Magna Charta. Das war laut englischer Historiographie die erste schriftliche Vereinbarung in Europa, dass ein König an gewisse Grundregeln gebunden ist. Zumindest gegenüber der Adelselite. Das wird dann als Nukleus des britischen Rechtsstaats angesehen. In jedem Fall war es wichtig und es gibt nur 4 Originalkopien des Vertrags. Die beste davon liegt in Salisbury.

Bristol

Abends kamen wir in Bristol an. Die wohnung stellte sich als sehr sauber und gemütlich raus. Insbesondere das Wohnzimmer hat uns beiden gefallen, weil es keinen Fernseher gab, man aber abends lange auf dem Sofa lesen konnte.

Glastonbury

Gleich am nächsten Morgen folgte die Tagestour nach Glastonbury. Schon die Anfahrt führt eine Stunde lang durch grüne Felder und viele schöne kleine Orte. Soviel Grün kriege ich sehr selten zu sehen. In Glastonbury gab es zuerst die Überreste einer Abtei zu sehen, die laut auffällig unkritisch vorgetragener Tradition von einem Großenkel Jesu gegründet worden war, zusammen mit diversen anderen lokalen Dingen. Auf dem großen, grünen Gelände fand auch gerade ein Mittelaltermarkt statt, mit gehörigem Hippieanteil. Wir fuhren auch auf einen prominent in die Landschaft ragenden Hügel mit einem Kirchturm auf der windigen Spitze. Dort war der letzte Abt des Kloster von Heinrich VIII. gehängt worden, weil er sein Haus nicht auflösen wollte. Daneben sind wir natürlich auch durch die Läden gezogen, die fast aussschließlich Esoterik verkaufen. Neben dem eigentlichen Besuch habe ich auch die Rückfahrt über Land genossen, nachdem nachmittags bereits zum erste Mal die Sonne aus den Wolken gekommen war. Abends habe ich Ellie noch in ein Restaurant genommen, das uns unsere Gastgeber bei meinem letzten Besuch gezeigt hatten. Obwohl ich nur einmal da gewesen war, erinnerte an sich sogar noch an mich. Ich verbinde Bristol seit meinem ersten Besuch mit ausgezeichneter Küche.

Bristol

Bristol selbst habe ich Ellie am Ostersonntag gezeigt. Aber erstmal haben wir beim Frühstück Muttis Osterpaket ausgepackt - Ellie kann bei solchen Gelegenheiten kaum das Kind in sich bändigen und hatte seit Tage sehnsüchtig darauf gewartet. Unter den Geschenken war ein Buch mit Goethes Osterspaziergang, passend zu den geöffneten Fenster, denn an diesem Tag war es schon morgens schön.
Außer Haus fuhren wir zuerst zu Hängebrücke im Viertel Clifton, die ob ihrer dramatischen Lage über einer tiefen Schlucht eins der Wahrzeichen der Stadt ist. Nach einigem Schlendern in dieser besserverdienenden Gegend sind wir zurück ins Zentrum gefahren und haben an der Nachmittagsmesse der Kathedrale teilgenommen. Als wir wieder ins Tagelicht traten, war es ein wunderschöner Abend, den wir am Stadthafen verbrachten. Der war bisher auf jedem Besuch die schönste Gegend, mit vielen Kneipen in den renovierten Lagerhäusern am Fluss. Ein Stück weit war es ähnlich zu Rostock, als wir das erste Mal dieses Jahr draußen ein Bier trinken konnten, auf dem Oberdeck eines Kneipenbootes. Für kurze Zeit konnte sich noch die Portugiesin Carla anschließen. Die gehört auch zu den Freuden um Mathieu, war gerade auf der Durchreise von ihrem eigenen Osterausflug und hat im Übrigen gerade eine Ferienwohnung in Lissabon gekauft, die Friedemann und ich uns im Herbst für unsere diesjährige Reise mieten wollen.

Bath

Lange haben wir sie nicht gesehen, denn wir wollten früh nach Hause. Zum Packen und Ausruhen, denn am nächsten Tag ging es zurück nach Portsmouth. Auf dem Weg haben wir noch einmal Halt gemacht, nämlich in der Stadt Bath. Anders als bei meinem ersten Besuch vor 2 Jahren war es sonnig und grün - insgesamt angenehmer als in meiner Erinnerung. Der Höhepunkt waren aber auch diesmal die römischen Bäder, in denen Ellie und ich uns als Geschichtsfans sehr lange aufhalten konnten, da ich in der Zwischenzeit auch sehr viel über die Zeit gelesen habe. Vor allem wird uns im Gedächtnis bleiben, am Rand des weiterhin von der gleichen heißen Quelle gespeisten Schwimmbeckens in der Sonne zu sitzen.
Die Bahnstrecke Bristol-Portsmouth hat mir schon immer gefallen und auch diesmal habe ich auf dem Rückweg viele Wiesen, Wälder und Flüsse in der Sonne gesehen, wo ich gerne spazieren gegangen wäre, aber hier gehört das alles zu privaten Ländereien.
Kathedrale in Salisbury auf einem früheren Besuch.
und bei Tageslicht. Der Turm ist der höchste in England, wurde erst nachträglich gebaut und bringt seitdem jede Menge Statikprobleme.

Abteiruine Glastonbury. Gegründet von Jesus' Großonkel.


Mittelaltermarkt.



Hinterhof mit Hippieläden. Aufgenommen vor dem Eingang zum "Tempel der Göttin", den wir aus Respekt vor den meditierenden Leuten nicht betreten haben.
Ehemaliger Kirchturm auf dem Glastonbury Hügel




Hängebrücke bei Bristol. Quelle: Flint Neill


Bristol. Schlucht über dem Fluss Avon. Aufgenommen von der Hängebrücke.

Kathedrale Bristol.

Stadthafen Bristol.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen