Sesselreise
Wie ich schon am Telefon habe anklingen lassen, habe ich seit der Erledigung meiner Steuererklärung etwas Zeit und Ruhe. Zum Beispiel kann ich mehr Zeit auf Ellie und Mathieu verteilen. Mit letzterem bin ich zur Sesselreise gegangen, einem weiteren Beweis dafür, dass ich meine Hobbys vor allem mit Rentnern teile. Aber schließlich waren wir uns nach der Veranstaltung einig, dass wir auch gerne im Ruhestand wären. Ein älteres Paar verarbeitet da einmal pro Jahr seine häufigen Urlaube in halbstündige Dokumentationen auf hohem Amateurniveau auf, komplett mit Bildbearbeitung und Kommentar.Dementsprechend war es zu meiner Überraschung auch ausverkauft. Diesmal waren es vier Filme, einer vom Comosee nicht allzuweit von Mathieus zu Hause, und einer aus Berlin. Anhand letzterem konnte ich auch feststellen, dass der Kommentar sehr gut recherchiert war. Die anderen beiden Filme aus den USA haben mir wieder bestätigt, dass mich das Land abseits der Natur irgendwie nicht interessiert. Ich habe sogar meinen eigenen Applaus und Verbeugung bekommen, als der Veranstalter bekanntgab, dass wir jemanden aus Berlin (naja) da hätten. Wir waren die einzigen im Publikum unter 50 und war sofort mit den Veranstaltern ins Gespräch gekommen.
Bristol
Ein Wochenende ging es mit Mathieu zu einem Treffen mit seiner Gang nach Bristol. Ursprünglich hätte auch Ellie mitkommen sollen, aber dann musste sie am Samstag bei einem offenen Tag sprechen. So teilte ich das Wochenende halb und halb und kam früher zurück, damit sie auch nicht zu kurz kam.
Meine beiden Ausflüge nach Bristol im letzten Jahr waren mir in guter Erinnerung in Hinblick auf Kultur, Kulinarisches und die allgemeine Stadtathmosphäre. Unsere Gastgeber Elizabeth und Adrian wohnen dort seit ca einem Jahr in einem alternativen Viertel voller anspruchsvoller Graffiti, für die Bristol bekannt ist (der bekannte Künstler Banksy kommt aus der Stadt). Die Hauptstraße in der Nähe war mir noch nicht bekannt und voller Clubs, Pubs und guter Restaurant. Gerade an diesem Abend ließ an vielen Orten ein Musikfestival. Auf dem Weg ins Zentrum fand ich wieder verschiedene plötzlich auftauchende Kleinode wie ein Haus im Jugendstil, und gegenüber eins in maurischer Art, so wie ich es in postindustriellen Orten ja mag. Am besten war eine große Markthalle, die mir auch nicht bekannt war. Dorthin nahm uns unsere Portugiesin Carla, denn in einer Bude machten Landsleute originale portugiesische Vanillekuchen; die Großmutter füllte gerade das nächste Blech.
Enttäuscht hat mich dagegen die Kunstgallerie Arnolfini am Hafen, die mir im letzten März noch so gefallen hatte. Stattdessen tranken wir ein Bier am Fluss, bis die Sonne weg war.
Später waren wir wieder ausgezeichnet englisch essen. Inzwischen verbinde ich Bristol fest mit guter englischer Küche. Die Tanzversuche in verschiedenen Pubs danach hätten wir uns dagegen sparen können.
Das Frühstück am nächsten Morgen war wie in alten Freiwilligenzeiten. Leider kam ich spät zurück zu Ellie. Dabei sieht sie mich die nächsten zwei Wochenenden ja gar nicht.
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