Freitag, 5. Juli 2024

Die vergessene Zeit

Ich wollte immer das erste halbe Jahr mit Sebastian nachtragen. Aber jetzt ist das erste Jahr vorbei, und das meiste habe ich inzwischen vergessen. Das hier ist was mir jetzt noch in den Sinn kommt und wichtig erscheint.

Wenn ich die Zeit mit zwei Kindern rekapituliere, muss ich sagen: im Grossen und Ganzen hatte ich recht: Eigentlich ist es zuviel. Es ist egal, dass das zweite Kind einfacher ist, es zaehlt die Gesamtbelastung. Und die ist natuerlich viel groesser als mit einem Kind. An guten Tagen brauchen wir etwa 120% unserer verfuegbaren Zeit. An schlechten kann man sich nur aussuchen, wo man scheitert und wen man vernachlaessigt. Meistens alle gleichzeitig.

Das groesste Opfer war der Kontakt zu Familie und Freunden. Bei Otto hatte ich zum Beispiel nach zwei Monaten wieder angefangen mit Kasia zu telefonieren. Diesmal ist selbst nach einem ganzen Jahr kaum Hoffnung darauf.

Und selbst Ellie sehe ich kaum noch. Wir wechseln nur Kinder.


Sebbie ist ein voellig anderes Baby als Otto. Laechelt viel; schlaeft wenn er muede ist. Schlaeft abends allein, zumindest eine Weile. Konnte damit leben noch nicht laufen koennen. Otto hasste es Baby zu sein.

Die wirklichen Problem war Otto. Er entwickelte schreckliche Zusammenbrueche, vor denen sogar Ellie aufgeben musste. Insbesondere mit ploetzlichen Veraenderungen, selbst positiver Art, ist er ueberhaupt nicht klargekommen. Ich will es klar sagen: eine Zeit lang waren wir von einer Verhaltensstoerung ueberzeugt. Schliesslich hatte ich immer das Gefuehl gehabt, dass er anders ist als die meisten Kinder. Eine zeitlang hatten wir, und auch die Kita, Verdacht auf Autismus. Das loeste furchtbare Angstvorstellungen aus, gerade bei mir.

Es ist mit der Zeit besser geworden und ich kann mir inzwischen doch wieder vorstellen, dass es alles nur Umstellung war. Aber trotzdem glauben wir , dass Otto eine besondere Persoenlichkeit hat. Extrem emotional. Seinen Gefuehlen manchmal ausgeliefert.

Und wir hatten einfach nicht genug Zeit uns um das ganze Ausmass zu kuemmern. Also haben wir Otto einen Nuckel gegeben und vor Bildschirmen abgestellt. Manchmal nenne ich das Tablet den dritten Elternteil.

Ich erinnere mich, nach Ottos Geburt sagte ich einem Freund, dass Ellie einfach die Nerven fehlten. Inzwischen denke ich, dass sie mir fehlen. Ich muss anerkennen, dass mir insbesonders das erste Jahr Schaden mitgegeben hat, der nicht einfach mit der Zeit vergeht. Es gab Zeiten, da habe ich mich abends neben Otto  ins Bett gelegt, ihm im Schlaf ueber den Kopf gestreichelt und angefangen zu heulen. An schlechten Tagen vor Sorgen, an guten Tagen aus reiner Erleichterung.

Es ist Ellie, die optimistisch ist, durchhaelt und die schlimmen Moment rettet.



In dieser Zeit passierte unter anderem diese erwaehnenswerten Dinge; viele andere habe ich auf immer vergessen:

  • wir habe fuer Otto im Garten gepflanzt und geerntet: Kartoffeln, Kresse, Moehren, Sonnenblumenkerne
  • der Besuch von Mutti, Papa, Rieke im August 2023. Ausfluege nach Arundel; die Hubertuskapelle mit Sonnenblumen. Das war gerade Ottos schwierige Phase. Sie haben auch die schlechten Momente gesehen und meine Reaktion darauf.

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