Vorletzten Samstag habe ich eine Frühjahrswanderung gemacht. Denn sehr bald werde ja sehr lange wieder nicht mehr wandern können. Von Rowlands Castle aus bin ich über die Felder Richtung Hubertuskapelle gelaufen. Das Wetter ist grandios und die Natur in voller Blüte. Es tut mir wirklich gut zu sehen, wie alles neu wächst. Insbesondere die Hasenglöckchen. Alles ist voll davon. Einmal steckte ein Reh zehn Meter neben dem Pfad den Kopf aus den blauen Blüten. Fünf Minuten später erspäte ich durch eine Hecke eine ganze Herde. Alles strotzt vor Farben. Ich sah das erste Rapsfeld in diesem Jahr, das bereits ganz gelb war. Ich habe es vor lauter Bewunderung nicht mehr bis zur Kapelle geschafft, mir lieber Mittagessen in einem Biergarten geleistet.
Am gleichen Tag kamen Mathieu mit seiner Frau Pascal und Sohn Colin in Portsmouth an. Sie bleiben hier eine knappe Woche. Er war seit seinem Wegzug vor inzwischen vielen Jahren nicht mehr hier, und gesehen hatten wir uns zuletzt in Annecy, bevor Otto geboren wurde. Er hatte mich vor Monaten völlig mit einem Foto von Colin überrascht. Ich hätte ihn nie für den Typ gehalten. Diesmal erfuhr ich, wie er zu Frau und Kind kommt. Sie waren im Lockdown zusammen gezogen und das lief so gut, dass sie sich für ein Kind entschieden.
Ich habe ihnen abends unser Reisebett ins Quartier gebracht. Mir war nicht klar gewesen, dass auch alle anderen der alten Gang mitgekommen waren. Die haben inzwischen auch alle Kinder, jeweils zwei sogar, der älteste inzwischen sechs Jahre alt. Wir sind alle zusammen samt Kindern ans Meer gegangen. Und ich bemerke, dass mich anderer Leute Kinder viel mehr interessieren als früher. Gerade Mathieus einjähriger, wie er aus seinem Strampel auf die Welt guckt. Oder wie Stadtgeschwister die Füße ins Wasser stecken. Ich nehme auch zur Kenntnis, dass sich andere Eltern viel weniger Sorgen machen mit ihren Kindern zu verreisen.
Sonntag sind Otto, Ellie und ich wie jedes Jahr in den Hasenglöckchenwald gefahren. Nachmittags habe ich mit Otto die Besucher am Meer getroffen. Obgleich Otto vor allem durch das Wasserspiel vor der Burg am Meer gerannt ist, hat er die anderen Kinder doch wahrgenommen, besonders Colin, der ihn als Baby total begeistert. Ich finde es besonders schön, dass alle mit ihren Kindern in ihrer jeweiligen Muttersprache reden. Otto hat Französisch, Spanisch und Portugiesisch gehört.
Als Otto abends im Bett war, bin ich nochmal zum Ferienhaus gelaufen. Das war wirklich ein Echo aus der Vergangenheit, noch einmal mit Leuten mit einem ähnlichen Werdegang abends um den Tisch zu sitzen. Wir haben uns vor allem unterhalten, wie miserable das Elterndasein ist. Wir haben uns noch als junge Menschen kennen gelernt. Heute sehen wir alle anders aus.
Am 1. Mai bin ich morgens nochmal mit Otto da rüber gefahren. Mir gefällt diese Umgebung für ihn. Otto war absolut entzückt Colin streicheln zu dürfen. Er ist jedes Mal vor Freude und Aufregung rumgehüpft, genau wie damals, als er das erste Mal an die Katzen rangekommen ist. Eltern und Kindern haben in verschiedenen Kombinationen zusammen gesessen; ich habe mich gefreut, dass Otto verschiedene Sprachen gehört hat. Nicht nur aus nostalgischen Gründen war das alles schön. Ganz allgemein wäre es schön, wenn wir so einen Morgen mit Freunden mit Kindern verbringen könnten.
In der Zeit konnte sich Ellie auch etwas ausruhen. Zusammen haben wir später nach einer Veranstaltung mit Maibaum gesucht. Im letzten Jahr hatten wir dafür das Dorf East Meon entdeckt. Aber dieses Jahr werden offensichtlich alle Veranstaltung auf das Krönungswochenende eine Woche später verschoben. Am Ende sind wir zum Mittag einfach in Umweltzentrum gefahren. Da bin ich bei Regen und Sonne lange mit Otto durchs wunderbar Grüne gestromert. Ich habe ihm gezeigt, dass man vor Brennnesseln keine Angst haben braucht. Am Ende hat er zum ersten Mal Interesse am Verstecken spielen gezeigt. Wir waren richtig lange da draußen. So hatte ich mir das immer gewünscht. Denn der Junge muss rennen.
Danach fuhr Mathieu mit Familie in den New Forest, was für ein kleines Kind wunderbar sein muss.
Ich habe sie leider nur noch bei der Rückreise gesehen, kurz am Bahnhof, von wo sie nach London zurückkehrten, und einige Tage später nach Paris.
Otto Nachrichten
- Otto sagt: er kann alles machen was er will. Und er hat Recht.
- momentane Obsession: Antennen und Satellitenschüsseln



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