Abgesehen von Ottos Gesundheit hat diese Episode (einmal mehr) aufgezeigt, wie löchrig mein Nervenkostüm in den letzten zwei Jahren geworden ist. Abends war ich sauer über diese neue Schwierigkeit und Verlust von Urlaubstagen (Aus den letzten vier Wochen konnte Otto drei nicht zur Betreuung) und fühlte mich gleichzeitig schlecht, dass ich Otto nicht so gut unterhalten kann wie Ellie. Das ging so über das rational erwartebare hinaus, dass ich am Ende zu dem Schluss kam, dass ich nach zwei Jahren mit Kind einfach den Wegfall aller Hobbys spüre, die früher Gleichgewicht gegeben haben. Die letzten Monate ist es ja schon wieder schwierig, einfach aus dem Haus zu kommen. Irgendwas muss ich machen, am besten etwas draußen und mit Menschen. Das arbeitet schon lange in mir.
Am Donnerstag selbst habe ich Otto vor allem Videos gegönnt. Dafür habe ich ihm nachmittags kurz das Luftkissenboot gezeigt, dass Portsmouth mit der Isle of Wight verbindet. Ich hatte mir gedacht, dass er es inzwischen als etwas besonderes wahrnehmen wird. Ich hab dann festgestellt, dass man nahe der Anlandestelle auch besonders bequem direkt mit Sicht aufs Wasser parken kann und so im warmen Auto eine schöne Aussicht hat. Otto konnte "fahren"; nur als das Boot kam nahm ich ihn raus, bis es wieder fuhrt, mit großem Getöse. Das war so schön, dass ich ihn anschließend spontan in den Stadthafen gefahren habe, um noch mehr Schiffe zu gucken. Aber da wollte er wieder nach Hause, zu Mami und "Krabbentee", was sich nach langem Raten als seine Aussprache für Brokkoli rausstellte. Ellie hat ihm eine Papiertischdecke mit Tieren zum Ausmalen gekauft. Ich muss denen überall Brokkoli hinmalen, damit er ihn dann grinsend wegschnappen kann.
In anderen Nachrichten hat Otto jetzt einen eigenen Reisepass... wenn auch nur einen britischen. Der deutsche wird von hier drüben mehr Aufwand erfordern.
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