Weihnachten begann für mich mit einer Wanderung. Ellie hatte mir die Zeit dafür gegeben, weil ich vorm Heiligabend wenigstens spazieren muss, und wir sonst nur wenige Geschenke füreinander hatten. Ich bin also allein ein Stück des South Downs gelaufen, zur Quelle des Flusses Meon, und über einen Hügel zurück. Auf dem Weg Schafe und Llamas und vor allem Ruhe und Natur, wenn auch in keinster Weise kalt.
Zurück zu Hause war Otto schon mittags sehr aufgeregt. Der spürte, dass irgendwas los war, auch wenn er kein Konzept von Weihnachten und Geschenken haben kann.
Heiligabend war erst etwas stressig. Zur Bescherung stapelten sich die Geschenke für Otto, und wir schafften nur vier bevor es zuviel für ihn wurde. Bei der Geschwindigkeit schätze ich, dass wir bis zu seinem Geburtstag brauchen würden. Die Erwachsenen-Bescherung haben wir gleich auf die späten Abend verschoben, wenn Otto im Bett ist. Ich war schon gestresst, als sich der Boden mit Bausteinen und Teilen aus mehreren Kisten füllte.
Später stellte sich raus, dass viele Geschenke keine Spielsachen waren, sondern dringend benötigte, passende Klamotten. Ich habe in den Feiertagen mal nachgemessen: er ist momentan 92 cm hoch und 16,5 kg schwer. Insgesamt scheint sich sein Wachstum zu verlangsamen. Denkt man nicht wenn man ihn täglich heben muss.
Besonders beliebt waren Wimmel Bücher. Spannend für Otto, entspannend für uns. Ich insbesondere mag Szenen aus erkennbar deutschen Umgebungen. Und wenig anderes zieht ihn so verlässlich aufs Sofa, wo sich seine Eltern dann ausruhen können während er auf eine Sache nach der anderen zeigt, die wir bennen müssen.
Unsere eigene Bescherung war sehr schön. Aus Geld- und Zeitgründen hatten Ellie und ich uns auf je sehr wenige Geschenke geeinigt, und ich persönlich finde das sehr viel einfacher.
Bittersüß waren die Pakete aus der Heimat. Seit den abgesagten Besuchen bewegte mich die ganze Situation von Entfernung und Zeit mehr als sonst. Besonders, wenn wirklich schöne Geschenke dann zeigen, dass man sich weit weg Mühe für uns macht. Das zog sich durch die gesamte freie Woche, bevor der Alltag einen ablenkt.
Der Erste Feiertagtag gehört immer Ellies englischen Weihnachten. Ich war mit Otto lange am Meer während Ellie das traditionelle Mahl kochte.
Ich hatte insgesamt zwei Wochen frei, mit drei Arbeitstagen in der Mitte, und so ein Urlaub tat mir wirklich gut. Ich habe sogar ein paar Sachen geschafft. Insbesondere Telefonate ohne Zeitdruck. Ich habe außerdem angefangen das Haus zu entrümpeln. Inzwischen ist wirklich alles voll. Ellie hat zerstörte Spielsachen und Bücher aussortiert. Einiges hatte vorher 5 Jahre bei den Kindern von Freunden überlebt.
Noch vor Weihnachten haben wir mit Otto einige schöne Ausflüge gemacht. Zum einen zur kleinen Eisenbahn am Haus Stansted. Und am 23. Dezember ins Dorf Buriton, mit Ententeich und Spielplatz und Eisenbahnvorbeifahrten. Otto war begeistert von den Enten; ich vom Rauhreif auf Feldern und Eis auf dem Teich; Ellie von den schönen Häusern der Betuchten auf dem Land.
Von Mutti hatten wir eine Pyramide bekommen, mit einer kleinen Eisenbahn drauf. Die hat neben dem Adventskranz und Kerzen sehr zur Stimmung am Frühstückstisch begeitragen. Otto will seitdem ständig auf den Tisch steigen um an den Zug ranzukommen.
Silvester hat nicht stattgefunden, weil Otto momentan gerne zwei Stunden Betreuung in den frühen Morgenstunden braucht. Da seh ich zu früh im Bett zu sein. Mir ging es am nächsten Morgen trotzdem schlechter als nach den meisten Feiern. Durch einen freien Montag haben wir jetzt nochmal ein langes Wochenende wo ich Zeit hatte mit Otto jeden Morgen lange spazieren zu gehen. Der will praktischerweise vor allem auf die Seebrücke, wo ein Laster mit zusammengefaltetem Karussel steht. Der Neujahrstag war besonders schön, mit großen Wellen und gelegentlichem Sonnenschein.
Otto-Nachrichten
- Otto tanzt viel. Von einem Bein aufs andere. Und er beginnt Melodien nachzuahmen und teilweise auch Worte. Bei Alle meine Entchen zum Beispiel lallt er die Reimworte mit. Leider ist er sehr wählerisch, was gesungen werden darf. Als ich mal das Klavier und Weihnachtslieder rausgeholt habe, musste ich stattdessen immer wieder Die Räder am Bus (The Wheels on the bus) spielen.
- ich zeige ihm die ersten Buchstaben. Er erkennt "Otto" - ein für diesen Zweck besonders geeigneter Name. Dabei fing er auch an "Otto" bzw. "Dodo" zu sagen. Sehr schnell ging er dazu über, damit auch klarzustellen wenn er etwas haben oder machen soll.
- er hat von mit zu Weihnachten einen Küchenturm bekommen. Da steht er erhöht und kommt an die Arbeitsoberflächen ran. Dann kann man Kinder z.B. beim Kochen mitmachen lassen. Otto ist noch etwas zu jung. Er versucht vor allem weiter auf die Tische zu steigen; kein Wunder, will er doch sowieso immer an den Küchenschrank ran. Und ein Versuch mit ihm zu backen war nicht besonders erfolgreich. Zu aufregend.
- sein großes Interesse gilt momentan allen Kraftfahrzeugen. LKWs, Müllautos, Eisenbahnen, Krankenwagen und besonders der Feuerwehr, denn die macht Wijuwiju.
- es war ganz deutlich, wie glücklich er ist, während meines Urlaubs beide Eltern bei sich zu haben. Er kuschelt und spielt mit uns; immer muss es Mami Dada Dodo sein. Er gibt uns klare Anweisungen, wenn ich zum Beispiel aus dem Zimmer , dann anklopfen und die Tür öffnen soll, damit er sie wieder zuschlagen kann.
- Er wagt sich mehr an Tiere ran. Und besonders bei unseren Katzen gibt er sich ganz große Mühe, harmlos zu wirken. Da legt er sich auf den Bauch, schiebt ihnen den Fressnapf hin und streichelt sie vorsichtig. Auch wenn er vor Aufregung immer noch zittert. Bei Mochi macht er langsam Fortschritte.
- seine Vorstellungskraft entwickelt sich sehr schnell. Seit kurzem spielen wir Hunde, auf allen vieren. Er fährt auf meinem Bürostuhl Auto und auf Kisten Eisenbahn. Und seine Holzeisenbahn zu Weihnachten sagt Tut Tut und er sagt uns wann wir anhalten und weiterfahren dürfen.
Johannes-Nachrichten
- mir hat das Gefühl von freier Zeit richtig gut getan. Ich hatte schon ganz lange Lust auf ein langes Buch oder Film, in dem ich mich mal richtig versenken kann. Was buntes, schönes. Für lange Sachen ist natürlich nie Zeit. Aber über Weihnachten habe ich mir mal ein Computerspiel geleistet, dessen allererste Version ich mal mit etwa 15 gespielt hatte. Schöne Landschaften, Inseln zum besiedeln, Städte zu bauen, kein Stress.
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