Dieses Jahr fiel mein Geburtstag auf einen Samstag, und Ellie nahm mich auf ein Überraschungswochenende nach Oxford. Das heißt, eine völlige Überraschung war es nicht, weil ich es am Vorabend ganz unromantisch erraten hatte, aber das schmälerte die Sache ja nicht. Denn obgleich ich bereits ein paar Mal in Oxford gewesen war, hatte ich es Ellie schon immer mal zeigen wollen, direkt seitdem wir uns überhaupt kennen. Nun also nahm sie mich dahin. Gerade mal anderthalb Stunden ist sie gefahren - schneller als Mathieu damals beim letzen Besuch dort. Sie hatte uns ein Zimmer in einer Pension 15 Minuten Fussweg vom Zentrum gebucht.
SAMSTAG
In sengender Sonne sind wir in die Richtung gezogen und haben als erstes im botanischen Garten Halt gemacht. Später habe ich Ellie eine erste kurze Führung durchs Zentrum gegeben, mit kleinere Attraktionen wie Markthalle und Unikirche. Die Hauptsehenswürdigkeiten sind ja die Unikollegien, also die alten (teilweise mittelalterlichen) Wohnheime in der ganzen Stadt verteilt sind. Dort haben Studenten und Dozenten zusammen gelebt und gelernt. Meist sind das einige Höfe, um die sich die Wohnheime reihen. Einige aber sind aber ganz eigene Gebäudekomplexe mit großen Parks. Ins größte und beliebteste, das Corpus Christi (einer von vielen Orten der Stadt, wo Harry Potter gefilmt wurde) hatte ich es mit viel Glück 2012 mit Kalina geschafft. Das war aber im Dezember gewesen, und dieses mal haben wir es zur Hochsaison gar nicht erst probiert. Wir sind in ein kleineres gegangen um Ellie einen Eindruck zu geben. Wiederum war es ganz gut zu wissen, dass wir ohnehin nicht alles schaffen konnten.
FLUSSFAHRT
Um 16 Uhr hatte uns Ellie einen traditionellen Flusskahn gebucht. Oxford liegt ja am Zusammenfluss von Themse und Cherwell und mehrere kleine Arme durchziehen die Stadt. Traditionell werden die (wie in Cambridge übrigens auch) nicht gerudert, sondern gestakt. Bei Touristen ist das so beliebt, dass man vorher buchen muss. Uns hat das beiden am ganzen Wochenende am meisten gefallen, dort unter schützenden Bäumen langzugleiten. Ellie hat sich noch nie so in einem Boot entspannt. Und ich habe mir extra einen richtigen Strohhut gekauft! Ich habe relativ schnell gelernt, wie man steuert; Ellie hat es auch probiert, aber ihr war die Aluminiumstange zu schwer. Auf dem Weg haben wir dabei am allgemeinen Jubel den Verlauf des englischen Viertelfinales mitverfolgt. Nach einer Pause in der Pension sind wir abends nochmal durch die ganze Stadt zu einem empfohlenen Restaurant essen gelaufen.
SONNTAG
Am Sonntag hatten wir zwei Museen auf dem Programm. Erst die Bolian-Bibliothek, ein Pflichtbesuch wegen des ältesten Flügels, wo noch einige Schaustücke der alten Ketten hängen, an denen früher die wertvollen Bücher festgemacht waren. Bot die Kulisse für die Krankenstation in Harry Potters Schule. Als zweites sind wir River Pitts Museum gegangen. General River Pitts war einer dieser Viktorianer, die Ethnografie aus der ganzen Welt zusammengetragen haben. Von Webnadeln zu Schrumpfköpfen. Ich war wirklich baff - das Museum ist praktisch eine dicht gefüllte Grotte, wo man merkwürdige Gegenstände aus der ganzen Welt und aus verschiedensten Epochen sehen kann. Dominiert wird das ganze von einem riesigen Totem, das bis zum zweiten Stock reicht. Zuerst muss man durchs Naturhistorische Museum, mit vielen Fossilien - beide Orte haben mir einen starken Eindruck der Zeit gewesen, als Wissenschaft und Fernreise ein Privileg war und die Gentlemen hier unter sich gewesen sein dürften, um sich gegenseitig zu beeindrucken und in Ruhe zu fachsimpeln.

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