Seit fünf Jahren erzähle ich, wie ich unbedingt mit der hiesigen Fähre in die Bretagne will. Das ich noch nie so nah an Frankreich gewohnt habe. Und ich habe nichts getan. Von wegen Zeit und Geld. Bis Ellie die Sache selbst in die Hand genommen und uns zu meinem Geburtstag ein Wochenende in Saint Malo gebucht hat. Überfahrt Freitag Nacht mit Kabine, Ankunft Samstagmorgen, ein Tag in der Stadt, Nacht im Hotel, Abfahrt Sonntag vormittag. Für mich war das das erste Mal in Frankreich, seit ich Rieke 2012 in Metz besucht habe.
Nun wurde Ellie auf der Überfahrt leider sofort richtig seekrank. Und in dem Zustand war ihr die Fähre auch nicht geheuer. Erst kurz vor Mitternacht konnten wir schlafen. Aber dem Morgen wohnte ein Zauber inne. Halb neun gingen wir von Bord und liefen den Hafen entlang der Stadt entgegen. Die lag ganz wunderbar an Wasser und Strand. Die Sonne erleuchtete die grauen Fassaden und wir hatten die Gassen um die Zeit noch ganz für uns allein. Gepäck konnten wir schon im Hotel abladen und waren dann frei. Erst als wir in einem Cafe gefrühstückt hatten waren die ersten Läden auf, darunter grandiose Bäckereien.
Von dort trieben wir den Tag lang durch die Gassen. Denn Saint Malo lebt von seiner Atmosphäre, nicht unbedingt von einzelnen Sehenswürdigkeiten. Ganz besonders bleibt mir der Moment in Erinnerung, als wir das erste Mal auf die Stadtmauer traten und die Sandstrände und die Felseninseln sahen, an denen sich in der ganzen Bucht das Meer bricht. Anders als in Portsmouth bleibt der Sand sogar bei Flut unbedeckt, man kann stundenlang laufen.
Ellie kaufte sich einen Pullover und Schokolade, ich viel Kuchen. Mittags haben wir Crepes gegessen und abends in einem winzigen Restaurant mit bretonischer Küche und Musik von Bach und Händel. Überall waren die Menschen auffallend fröhlich und freundlich. Mehr, als man als Tourist in einem Touristenort erwartet. Vielleicht lag es daran, dass mein Französisch doch noch ziemlich gut ist. All die Jahre mit täglichem Vokabeldrill zahlen sich aus.
Die Rückfahrt war viel angenehmer als die Hinfahrt. Dem Gleichgewichtssinn hilft es offensichtlich, bei Tageslicht Fixpunkte zu sehen. Vor allem die Ausfahrt aus der Bucht war noch einmal schön, bevor die restlichen 10 Stunden grau und nass wurden. Aber wir hatten eine Kabine, sodass wir auch noch schlafen konnten.
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| An dieser Kapelle haben wir erfahren, dass der mythische Stadtgründer aus dem keltischen Britannien kam. In der Tat wurde die Region wohl von der Insel aus besiedelt. |
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| Wir versuchen immer noch rauszufinden, wer das ist. |
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| De Gaulles Aufruf an die Franzosen am Platz der Resistance hat Ellie besonders gefallen. |








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