Ellie ist übrigens eine überraschend gute Fahrerin. Dabei hat sie erst vor einem Jahr den Führerschein gemacht und hat seitdem nicht mehr hinterm Lenkrad gesessen. Meine Testfahrt am Folgetag in den engen Straßen von Portsmouth war dagegen keine Freude für mich. Ich bin Radfahrer.
Ausgeben tue ich genug. Vor allem winkt zur Abwechslung die Kultur. Zum ersten Mal seit wohl gut zwei Jahren bin ich mit Ellie zu richtigem Theater gewesen, eine Amateurgruppe zwar, aber immerhin mal ein ernsthaftes Thema, nach dem Film "Begegnung" (1945). Zu einer weiteren Amateuraufführung waren wir in London. Bauchtänzer spielten Schneewittchen. Hervorragende Technik als auch teilweise exzellentes Schauspiel.
Zwei Wochen darauf habe ich mit Mathieu und Ellie in der alljährlichen Vorweihnachtsballetsaison Schwanensee gesehen. Das Russische Staatsballet ist dabei eindeutig eine Klasse über dem Moskauer Staatsballet, dessen Nussknacker die letzten zwei Jahre dran war. Außerdem war ich mit Ellie auf einer regionalen Bauchtanzshow in Fareham mit einer interessanten Mischung aus den schlechtesten lokalen Gruppen und zwei richtigen Profis. Eine davon hatte ich die Woche vorher in London gesehen. Im Gedächtnis werden mir aber einige betrunkene Frauen (im fast ausschließlich weiblichen Publikum) bleiben, die die Aufführung durch nur gequatscht haben. In der Pause hat sich dann jemand mit ihnen unterhalten und sie kamen nicht wieder rein. Aber mein Eindruck bestätigt sich, dass man sich hier bei Aufführungen aller Ort schlechter verhält als ich das gewohnt bin. Stichwort Plastiktüten, Handys, Kinderschreien.
Die Bücherfront: Ich habe die Einführung in die Physik ausgelesen. Kasia hat mir gleich zwei neue Bücher auf den Stapel gelegt; davon lese ich einen Roman im Finnland in den ersten Jahren des 20. Jh. Dazu habe ich ein angefangenes Buch von Margarete Atwood und ein Ellie ein sehr spannendes über die DDR aus der Bibliothek. Ellie sagt, sie weiß geschichtlich nichts je weiter es nach Osten geht und will zu Weihnachten ein Buch darüber, was um Gottes Willen im 20. Jahrhundert über die Europäer gekommen ist. Vorschläge an mich oder den Weihnachtsmann.
Der Chor steht zwei Wochen vor dem Konzert am 28. November, mir macht alles großen Spaß, weil ich die Musik gut kenne. Dann kann man das eigentliche Singen genießen. Tangoproben füllen die Wochenenden. Außerdem versuche ich Zeit für Mathieu zu finden. Dann spielen wir in den Kneipen Die Siedler von Catan, oder treffen uns Samstag früh zum Frühstück im Strandcafe. Letzteres wollte ich nach meinem Geburtstag unbedingt wieder machen; der lange Verzug zeigt, wie schwierig es ist füreinander Zeit zu finden.
Davon abgesehen genieße ich zunehmend wieder Zeit allein. Als einmal alle weg oder beschäftigt waren, habe ich allein neue Wege zwischen Haus Stansted und der Hubertuskapelle erforscht. Das war ein feuchter, nebliger Tag, aber mir hat es richtig Freude gemacht, einmal wieder als richtiger Deutscher mit meinen festen Schuhen über schlammige Wege und feuchtes Herbstlaub zu laufen, ohne Karte. Mit Ellie ginge das nicht.
Insgesamt ist wie auch in Deutschland der Herbst bisher schön. Nach dem Sommer zumindest ein Trostpflaster. Vom dritten Stock meins Büros sehe ich oft die Sonne über Portsmouth aufgehen. Ob bei Sonne oder Wolken und Sturm sitze ich abends gerne noch in den Cafes am Strand.
| Kasia und ich nach zweijähriger Trennung. |
| Kasias Mann Andreas und ich vor dem Tor zum Kathedralenhof von Salisbury. |
| Mondaufgang. Kreuzgang der Kathedrale in Salisbury. |
| Wer erkennts? Kasia im Haus Stansted. |
Ach, es war so schön, sich wieder mal persönlich zu treffen! Danke für Deine Betreuung:) Wann sehen wir uns diesmal bei uns?
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Kasia