Montag, 27. Juli 2015

25.06.2015 - Was draus machen

Nach dem letztem Eintrag sollte ich vielleicht sagen, dass es ich mich allgemein sehr kräftig fühle und die wiederholte Besprechung meiner Blutwerte den falschen Eindruckt vermittelt. Hätte ich Anfang des Jahres nicht die Blutbilder begonnen, würde ich jetzt im Alltag gar nicht auf die Idee kommen, einen Arzt zu besuchen. Deshalb diesmal (fast) nur gute Nachrichten, um die Besuche Friedemanns und Papas herumgeschrieben, die jeweils einen eigenen Artikel bekommen.

Wieder gesund
Zuerst die nur bedingt positiven Meldungen. Von ärztlicher Seite ist mein Fall in England abgeschlossen. Das vierte Blutbild zeigte eine moderate Verbesserung der bisher immer gemessenen Werte und nur wenige Auffälligkeiten der neu gemessenen Werte. Daraufhin ist es der Hämatologie nicht interessant genug, will sagen ist mein Fall nicht schwer genug für ihr Budget. Mir ist nicht ganz klar, warum eine Verbesserung die drei vorherigen Messungen ungeschehen macht, zumal zwei Werte immer noch außerhalb der Referenzschwelle liegen. Aber der Hausarzt weigert sich direkt, auch nur eine weitere Untersuchung zur Kontrolle zu machen. Auch wenn jede Einzelentscheidung seit Januar an sich nachvollziehbar ist und ich mich ja auch nicht krank fühle, hat mich das letzte halbe Jahr Vertrauen in die Qualität des öffentlichen Gesundheitswesens gekostet. Dementsprechend plane ich, in Deutschland wenigstens noch ein Blutbild und eventuell einen Ultraschall machen zu lassen. Positiv ausgelegt ist natürlich die Zusammenfassung, dass ich offiziell gesund bin.

Sommerloch
Der Sommer hält sich dieses Jahr tatsächlich sklaving an den statistischen Durchschnitt, den er die letzten zwei Jahre so konsequent überschritten hatte. Durchschnitt 20 Grad und Wolken. Dabei so schwül, das man trotzdem nicht mit langen Hosen vor die Tür darf. Das Wasser dagegen ist seit Anfang Juli wundervoll und ich gehe schwimmen, wann immer ich kann.

St Hubertskapelle
Ab jetzt nur Gutes. Ende Juni habe ich zur Abwechslung mal ganz allein wieder etwas neues entdeckt, die St Hubert Kapelle in Idsworth. Seit ich sie nach einem Ausflug mit Ellie vom Zug aus gesehen hatte, in einem Feld wilder Margariten, wollte ich sie unbedingt mal von Nahem besichtigen. Sie liegt in dem schönen Stück Land nördlich von Rowlands Castle, in dem Ellie und ich schön viele Orte besucht haben, den Elisabeth-Landschaftspark, die Steinzeitfarm und zuletzt das Naturzentrum mit Yurte. Nun war die Kapelle etwas zu weit für einen Fußweg, und Ellie fährt ja partout kein Rad. Zum Glück war sie einen Tag in London, sodass ich wie in alten Junggesellenzeiten morgens das Rad zum Bahnhof fuhr und unabhängig erkunden konnte. Das war auch alles sehr schön, insbesondere die Einbettung der Kapelle in die Blumenwiese, wie auf diversen Fotos festgehalten, aber auch historisch interessant. Gebaut war sie ursprünglich vom Vater König Harolds, dem letzten angelsächsischen König von England, gegen Wilhelm dem Eroberer bei Hastings gefallen. Innen ausgezeichnet erhaltene Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert. Schon 13 Uhr war ich zurück in Portsmouth, pünktlich zum Konzert am Meer, das ich allein und mobil in voller Länger hören konnte. Danach war ich im Meer und dann im Rosengarten - solche Tage alleine sind inzwischen so selten, dass ich sie jedes Mal richtig genieße. In der Zwischenzeit war ich gleich noch zweimal dagewesen, inzwischen waren die Margariten verblüht, die Felder dafür aber goldgereift, aber dazu später.

Kalina
Ende Juli besuchte Ellie wieder eine Freundin, diesmal über Nacht, was ich dazu nutzte, selbst zu Kalina zu fahren. Das geschah ziemlich spontan und wir hatten keine weiteren Pläne, außer Bienenstich zu machen, Kalinas Lieblingskuchen aus ihrer Zeit in Deutschland. Der ist uns trotz fehlender Zutaten auch gelungen. Vor allem aber sind wir einmal nicht tanzen gegangen, weil wir beide zu alt und müde waren. Diese Entscheidung häuft sich in letzter Zeit mit allen meinen Freunden, was nicht zuletzt mir sehr entgegen kommt. Gerade durch die Planlosigkeit war das ein kurzer aber sehr angenehmer Besuch. Ich bekam nachträgliche Geburtstaggeschenke, aber dazu in einem anderen Artikel.

Arbeit
Meine Arbeit erwähne ich ja selten, aber meine neue Aufgabe läuft gut und sogar immer besser. Anders als im vorigen Projekt habe ich gute Ideen und kann mit meiner Chefin leichter kommunizieren (und vielleicht herrscht auch ein niedrigerer Anspruch.). Teilweise habe ich morgens richtig Lust auf meine Arbeit, weil ich weiss, was ich mache, oder zumindest das Gefühl habe. Bisher beschäftigen wir uns mit der Überarbeitung unserer Methodik (also wie wir unsere Statistiken herstellen), von August bis September ist dann aber die jährliche Phase, in der wir diese Statistiken dann produzieren.

Vermischtes
Ich habe einen neuen Mitbewohner, einen chinesischen Doktoranten, der für ein halbes Jahr bleibt.

Der letzte Monat war ein teurer, vor allem wegen diversen Fahrkarten, aber auch wegen einer neuen Brille. Ich musste die alte widerwillig ersetzen, nachdem die Linsenhalterung nachzugeben begonnen hatte. Mein Handy dagegen habe ich allein durch Klebeband repariert und es wird  mir auch die nächsten zehn Jahre erhalten bleiben, trotz aller Versuche, mir ein Smartphone überzuhelfen.

Englische Kultur I: das traditionelle Doktorbarett heisst im Englischen "Moertelkelle".
Englische Kultur II: ich habe eine festliche Zeugnisübergabe an Uniabsolventen besucht. Das ist an allen Unis des angelsächsischen Kulturraums so. Ob in Deutschland, weiß ich gar nicht. In Magdeburg bekam ich das nicht mit, weil ich längst in Polen war, und die Einladung aus York schlug ich aus, weil mir sowas ohnehin unsympathisch ist. Die Uni Portsmouth macht das jedes Jahr im Juli, etwa 2 Wochen lang, zwei- bis dreimal am Tag. Ellie muss da mithelfen, die Besucher unter Kontrolle zu halten, und somit konnte sie auch mich reinbekommen, weil ich mir das mal ansehen wollte. In der Tat liegt mir diese Art Veranstaltung nicht, in meinen Augen funktioniert die Vergauklung von Würde und langjähriger Tradition nicht. Wenn alle berobten Absolventen und ihre rausgeputzen Familien sitzen, prozessieren ebenfalls berobte Dozenten hinter einem Zepter zu Orgelmusik ein. Inspiriert sind die Rituale natürlich von Oxford und Cambridge, wo sie eben die Verbindung zur kirchlichen Gründung vor Jahrhunderten haben. Aber sie passen irgendwie nicht an eine junge Uni im akademischen Durchschnitt in einer eher armen Stadt. Und die Dozenten hassen es. Kein Wunder, die müssen sich totlangweilen. Dreimal am Tag hören sie die gleichen Reden. Nur die der Studentenvertreter ist jedes Mal anders - und was ich hörte, war unerträglich. Nun, eine Erfahrung mehr.



Hubertskapelle in Idsworth. Im Sommer eingebetten in ein Margaritenfeld und umgeben von der immer schönen Landschaft in einer der besten Wandergegenden hier. Im Vordergrund Schienen, von denen ich St Hubert das erste Mal gesehen hatte.

Gerade war eine Taufe zu Ende, man ließ mich dann auch in die Kirche.




Detail aus meiner Lieblingskneipe.

Nicht zu sehen: Omas Poloshirt habe ich letztens selbst genäht. Danke Nähunterricht 3. Klasse.




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