Mittwoch, 6. Mai 2015

04. Mai - Exmoor

Wohin
Das erste Mai Wochenende war ein langes und seit geraumer Zeit für einen Ausflug mit Mathieu und Freunden reserviert gewesen. Ellie kam nicht mit, für sie wären soviele Südeuropäer auch zuviel des Guten gewesen. Als Ziel war der Nationalpark Exmoor ausgewählt worden, an der englischen Küste direkt unterhalb von Wales. Er liegt nicht weit nördlich von Dartmoor, wo ich mit Papa und Ellie zu Ostern 2014 gewesen war. Auch seine Attraktionen sind ähnlich, viel grün und Ruhe, aber dazu Meer und (recht niedrige) Berge.

Mit wem
Insgesamt waren wir 6 Leute, Mathieu und ich, Carla, Elisabeth und ihr Freund Adrian (in deren Wohnung in Bristol Ellie und ich über Ostern waren) und der Spanier Jaime. Wir kamen Freitag aus 3 Richtungen, Mathieu und ich waren als erste da, nach einer langen Fahrt, bei Dunkelheit durch enge Landstraßen im Nationalpark selbst, mit hohen Steigungen, war ich heilfroh, als wir halb zehn abends endlich da waren. Dann habe ich für alle nach und nach ankommenden Freunde Ellies Superchilirezept gekocht, was alle sattkriegt und mir noch die nächsten drei Tage als Proviant diente. Dann ging ich direkt ins Bett, denn ich bin weder jung noch mediterran.

Lynton
Unser Haus war, wie ich erst bei Tageslicht ganz sah, ziemlich groß, mit einer weiten Terasse und bot aufgrund der Lage einen sehr weiten Blick direkt aufs Meer. Wenn nicht gerade Dunst war, konnte man am anderen Ende der Meerenge Wales sehen. Denn der Ort Lynton zieht sich einen steilen Felsen eine Bucht hinunter, in den die Häuser gefügt sind. Diesen Einschnitt in den Fels gibt es auch nur, weil unterhalb der Fluss Lyn mündet. Daher liegt unten am Wasser auch der Zwillingsort Lynmouth ("Lynmünde"). Beide waren in dieser Region traditionell voneinander und auch vom Rest der Welt abgeschnitten und arm, bis die Romantiker und die Kontinentalsperre ihn zum Ausflugsort machten. Seit 1890 verbindet die Orte auch eine Felsbahn, sonst wäre der Fußweg eine Strapaze. Unser Haus war 1929 von einem britischen Soldaten gebaut worden.

Samstag
Zwar waren wohl auch die anderen bald schlafen gegange, doch kamen wir Samstag erst gegen Mittag los. Als erstes fuhren wir nach Westen, ins nahe, selbsterklärende Felsental. Wie auf dem Foto zu sehen war das Wetter diesig und sehr windig. Zuerst sind wir den Wilden Jack hoch, wo einen der Wind fast die Klippen runterweht. Dann den ersten Küstenpfad entlang. Etwas weiter westlich sind wir auf einer zweiten Wanderung einem Fluss durch sein tiefes Tal bis zum Meer gefolgt.
Persönlich wäre ich früher los und mehr durch die Natur gelaufen (das gilt für das ganze Wochenende), darum bin ich vor dem Abendessen noch einmal allein losgezogen, um Lynton zu erkunden. Auf dem Kirchhof kam plötzlich eine orange Katze, scheinbar allein, um abends mit mir auf das graue weite Meer zu schauen. Am Horizont lag ein undeutlicher Streifen Wales, aber wenn man nicht zu genau hinsah, war das Meer ohne Grenze und unten vom Strand und aus der ganzen Bucht klang ohne Pause die Brandung. Wie auf der Farm. Wie schon früher angemerkt ist das ein anderer Eindruck als in Portsmouth, wo der Blick immer an der Isle of Wight endet. Erst hier habe ich echte Ruhe gefunden. Und allein hat sich mein alter Instinkt wieder gemeldet, um die nächste Ecke zu gucken und noch um die nächste. So habe ich die Felsenbahn entdeckt und die Geschichte eines großen Hauses auf dem höchsten Hügel über dem Meer, was 1914 abgebrannt war und dessen Überreste und Tennisplatz noch zu sehen seien. Zurück zu Hause blieben wir im Gegensatz zum ersten Abend bis zwei morgens wach, haben gekocht, gespielt und einen verstörenden spanischen Film gesehen.

Sonntag
Dementsprechend sind wir Sonntag noch später los, erst nach Mittag. Diesmal fuhren wir nach Süden, in die Hohe Heide des eigentlichen Nationalparks und unternahmen mehrere Versuche, gute Spazierwege zu finden. Von Exford aus liefen wir blindlings über die öffentlichen Wege. Am Ende führte ich die Gruppe nach Instinkt einen Bach entlang, der dann doch kein Rundweg war und uns später keine Wahl ließ, als die ultimative britische Sünde zu begehen und über Privatland zu laufen. Denn da regnete es bereits und ich wollte nicht den ganzen Weg zurücklaufen. Der entsprechende Bauer wäre nicht glücklich gewesen, wie uns die Kühe in der Hoffnung auf Futter folgte, und die Pferde aus Angst davon stoben. Aber durch den Regen war niemand da, als wir quer über den Hof marschierten. Auf dem letzten Spaziergang des Tages entlang eines anderen Flusses ist mir dann mein Regenschirm kaputt gegangen und dann habe ich mein Fernglas verloren und dann auf der Suche im tiefen Gras meinen Fotoapparat. Am Ende habe ich aber beide wiedergefunden. An diesem letzten Abend aßen wir außer Haus und blieben dann wieder zu lange auf (was ich noch eine Woche später spüre).

Montag
Nichtsdestotrotz wachten Mathieu und ich Montag am frühen Morgen auf und sahen endlich richtige Sonne über dem Meer. Darum haben wir unsere müden Knochen gleich morgens auf die Bank vor dem Haus geschleppt und in der Sonne gesessen, bevor die anderen aufstanden. Diesmal konnten wir auf der Terasse frühstücken. Nach dem Packen gingen wir auf eine letzte Tour zu sagenumwobenen langen, breiten Sandstränden im Westen bei Barnstaple gemacht. Als man da die Küstenstraße hinunterkam, sah man tatsächlich, wie kilometerlange Wellen auf das Ufer zuliefen. Und in der Brandung sah man dutzende kleine dunkle Punkte; das waren die Köpfe von Windsurfern, die dort bei Wetter und eben Wind in großer Zahl auf Brettern mit und ohne Zugdrachen ebenjene Wellen ausnutzen. Auf dem Weg zum Strand durchläuft man hohe Dünen, wie es sie eben nur an Sandstränden und darum nicht bei uns gibt. Und die Klippen zeigen aktive Erosion, umso erstaunlicher, dass einige Häuser darauf renoviert werden.



Mathieu trinkt Morgenkaffee vor unserem Ferienhaus in Lynton in Devon.

Blick in die Bucht. Am Horizont sieht man Wales - bei gutem Wetter.

Der andere Teil der Terasse. Hier haben wir am letzten, sonnigen Morgen Frühstück gegessen.

Unser Ferienhaus am Felsen.

Das Felsental. Links der Wilde Jack. Da drauf war es so windig, dass ich ich nicht ganz an die Klippen gewagt habe.


Diesen Bach sind wir zum Meer gefolgt.






Die Bucht von Lynton und Lynmouth.

Diese Katze schaute mit mir aufs Meer und ließ sich im Gegensatz zu Buddha auch von Schnürsenkeln nicht ablenken.


Die Steilbahn bringt seit 1890 Besucher von Lynmouth in höher gelegene Lynton.

Auf dem Weg zum Landfriedensbruch.



Abends zu Hause.


Einer von mehreren endlosen Sandstränden, bevölkert von Windsurfern.


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