Am Freitag nach unserer Rückkehr aus Canterbury kam mich Papa wieder besuchen. Als erstem Besucher im Sommer wollte ich ihm mal richtig zeigen, was man hier bei gutem Wetter machen kann - leider war das dann nicht ganz so toll. Auf einer Wanderung auf der Isle of Wight war es bereits bewölkt, aber noch warm und wir bekamen beide Sonnenbrand, als wir unvorsichtigerweise am Meer eindösten. Dafür konnten wir abends zu einem Auftritt Ellie gehen. Das war eine Versammlung der regionalen Bauchtänzer und sah zuerst sehr amateurhaft aus, aber Ellies und ihre Freundin brachten die erste gute Leistung auf die Bühne und später kamen noch richtig profesionnelle Tänzerinnen, unter anderem Kalinas Lehrerin, denn auch sie hat vor Kurzem Bauchtanz angefangen.
Der Ausflug zu dritt mit Ellie in den New Forest am nächsten Tag fiel wortwörtlich ins Wasser. Wir waren ganz auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und ich hatte nicht genug Erfahrung, uns an die wirklichen schönen Stellen zu navigieren. Erst am Nachmittag kam Mathieu mit seinem Auto, aber nach mehreren Versuchen entlud sich ganz zum Schluss der Himmel noch über uns. Abends haben wir Papa dafür noch ein gutes Pub-Quiz gezeigt.
Erst zum Ende der Woche wurde es nochmal richtig warm und ich konnte Papa doch noch zeigen, wie ich sonst nach der Arbeit baden fahre und dann in der Sonne liege.
Durch Papa habe ich auch mehr von der WM mitbekommen. Insbesondere das Spiel gegen Brasilien, zu dem in einem Pub mit großer Leinwand und deutschen Teenagern waren. Zum Glück interessiert sich mein brasilianischer Tangolehrer nicht für Fußball. Zum Finale habe ich leider keine Deutschen gefunden und die Verlängerung mit Tor habe ich dann auch bei Mathieu geguckt. Insbesondere, als ich Nachrichten von Feuerwerken in Deutschland erhielt, bereute ich es, nicht da zu sein. Auf der Arbeit tragen ich und mein einziger deutscher Kollege jedenfalls ein dickes Grinsen.
Dann war da natürlich noch mein Geburtstag, zu dem ich Arbeiten musste, aber abends sind wir Essen gegangen. Im Übrigen haben mir alle Briefe und Nachrichten sehr gefallen.
Sommer
Nach Papas Abreise wurde es dann noch wärmer daran konnten wir dann jedoch alle Vorzüge des Sommers voll genießen. Am darauf folgenden Wochenende hatte Kalina Ellie und mich nach Southampton geladen, wo sie mit ihrer indischen Tanzgruppe auftrat. Es muss dazu gesagt werden, dass Kalina schon viel länger tanzt als ich und bereits in Magdeburg auf der Bühne gestanden hat. In Southampton hatte sie aber erst vor einigen Monaten eine gute Gruppe gefunden und dies war ihr erster Auftritt. Sie war mit ihrem speziellen Tanz-Lächeln mitreissend wie eh und je (Ellies von mir hochgesetzte Erwartungen wurden nicht enttäuscht). Was ich nicht wusste war, dass neben ihr ihre gesamte Schule auftrat und dazu noch einige andere Gruppen, insgesamt ein richtiges Festival. Auf einer Wiesen wurde auf drei Buehnen zehn Stunden Programm gemacht. Neben klassischem und modernen indischem Tanz war ein weiterer Höhepunkt Flamenco, der beste, den ich bisher gesehen habe, mit zwei spanischen Taenzerinnen, davon eine direkt aus Sevilla eingeflogen. Jetzt wollen wir alle Flamenco lernen. Ich auch, nachdem am Ende der englische Gitarist aufgestanden war und auch tanzte.
Bleiben konnten wir nicht, denn Kalina bot schon ihrer Schwester und einem alten Kommilitonen Unterkunft, der inzwischen in Korea lehrt. Den Sonntag waren wir also in Portsmouth. Als das normale Konzert ausfiel, probierten wir dafür ein neues Cafe aus und befanden es für ausgezeichnet. Direkt am Strand, mit Sonnenschirmen und einziehbarem Dach - bis heute nicht klar warum das vorher noch keinem eingefallen ist. Den restlichen Tag haben wir dann im Wasser, in der Sonne und im Rosengarten verbracht. Das aus mir nochmal so ein Strandjunge wird, der gerne am Strand liegt.
Am Montag ging es nach der Arbeit mit Mathieu auf einen spontanten Radausflug. Mit der Fähre zur Insel Hayling, wo Drachensurfer das flache Wasser nutzten und Reiter ihre Pferde den Strand entlang führten. Dann fuhr ich zum ersten Mal die Strasse zum Festland nach Norden hoch, wo richtige Felder und Alleen auf mich warteten. Direkt gegenüber auf dem Festland gingen wir dann in eine Kneipe, von der mir schon viel erzählt wurde, und die auch genauso gut war.
Inzwischen ist das Wetter in eine richtige Hitzewelle ausgeartet. Nicht ganz so heiß wie in Deutschland, aber durch die Luftfeuchte ist alles über 20 Grad eigentlich zuviel. Morgens ist es eine Folter, statt zum Wasser zur Arbeit fahren zu müssen. Zum Glück habe ich im Moment etwas weniger zu tun und kann abends mehr Zeit am Meer verbringen. Das Wasser ist jetzt so warm, dass man unbegrenzt lang schwimmen kann.
Auf eine Nachfrage hin: wem in Bildern der Meerenge zwischen Portsmouth und der Isle of Wight steinerne Inseln aufgefallen sind: das sind alte Festungen. Wie die Befestigungen im Norden der Stadt, die ich vor kurzem erkundet habe, im 19. Jh. gegen französische Marineangriffe gebaut. Drei Stück stehen im Meer, eine davon kann man für Veranstaltungen buchen. Portsmouth ist auf allen Seiten von alten Festungen umgeben (der Rosengarten ist in einer alten Batterie angelegt), die als Palmerstons Irrungen bekannt sind, da sie von Premierminister Palmerston für viel Geld ohne viel Nutzen gebaut wurden.
| Rosen, Rosen, lauter Rosen... |
| Strandausritt auf der Insel Hayling. |
| Drachensurfer auf der Insel Hayling. |
| Der nördliche Rand der Insel Hayling bei Ebbe. Direkt gegenüber liegt ein Pub... |
| ...wo Mathieu und ich abends fünf gerade sein ließen. |

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