Gleich am Abend unserer Ankunft ging es zum Puddingessen, in einem Cafe in der Altstadt. Dort wurden den verschiedenen Tischgruppen zuerst sieben Puddings mit Zutaten und Geschichte vorgestellt, dann auf der Theke aufgereiht. Daraufhin leisteten wir alle den Puddingeid. Anschließend ging es ans Eingemachte, Runde um Runde gab es eine Scheibe Pudding, man selbst konnte aber die Abfolge der verschiedenen Sorten wählen - mein Favorit, der Mandelpudding, verfehlte in der Endabstimmung Platz 1 nur um Haaresbreite. Ursprünglich hatte ich größte Sorgen gehabt, mehr als zwei Portionen zu schaffen, am Ende war ich natürlich einer der besten Esser, und auch der beste Trinker des im Preis inbegriffenen Weins. Im Ergebnis habe ich beschlossen, dass süßer Pudding einfach Kuchen ist.
Gewohnt haben wir in Ambers Wohnung in einem Haus direkt in einem Weizenfeld. Aufgewachsen sind sie in einem kleinen Ort weiter auf dem Land und während Ellie als erste in der Familie zum Studium nach Portsmouth zog, hält Amber selbst eine Kleinstadt bis heute nur am Rand aus. Ellie hatte nicht zuviel versprochen, morgens und abends konnte man im Gras vor dem Haus sitzen und den Lärchen zuhören, während die Sonne auf- oder unterging. Freilich auch hier in Hörweite zweier Schnellstraßen.
Am zweiten Tag zwang ich die Mädchen dann zum Tourismus, schließlich war ich zum ersten Mal in dieser historischen Stadt. Als erstes ging es selbstverständlich in die berühmte Kathedrale. Die war seit ihrer Gründung 597 (noch etwas früher als der Yorker Münster, aber ebenfalls zur Missionierung der lokalen angelsächsischen Elite) Zentrum der Kirche in England gewesen und damit seit der Reformation Mutterhaus der Anglikanischen Kirche; der bekannte Erzbischof damit ihr Oberhaupt. Der berühmteste von ihnen, Thomas Beckett, verleihte ihr seit seinem Martyrium weitere Bedeutung und große Einnahmen aus Pilgerströmen, bis Heinrich VIII. solchen Späßen Einhalt gebot.
Ellie und Amber waren bisher nur teilweise über ihre Stadt informiert und nicht ganz auf meine Art Tourismus vorbereitet, konnten sich aber anpassen. Besonders gefiel uns allen, sogar mir, eine Reihe Fenster aus der HAnd eines Flüchtlings des Ungarnaufstands 1956. Ellie meinte gleich, das sieht ja aus wie Disney und in der Tat erklärte man uns auf einer anschließenden Führung sei Herr Bossanyi später von Disney angestellt geworden.
Im Anschluss zeigte man mir einige der markanten Orte Ellies wilder Jugend als Hippie, Läden und Kneipen von Farben und Gerüchen, mit denen sie Erinnerungen verbindet; so wie ich das ein halbes Dutzend mal in einem halben Dutzend Städten gemacht habe.
Den dritten und letzten Tag begann ich mit Ellie allein, während sich Amber um ihre alte Katze sorgte, die sanft aber eindeutig ihre letzten Tage durchlebte. Ich nahm sie auf eine Bootstour auf dem Fluss (eigentlich ein römischer Kanal), was sie auch zum ersten Mal machte. Ganz besonders amüsierte sie dabei der junge Ruderer ob seiner offensichtlichen "poshness" - Herkunft aus der Upper Class.
Ebenfalls neu für Ellie als auch die dazustoßende Amber war ein Garten auf einem ehemaligen Klostergelände, der mir vom Boot aufgefallen war. Später wurden wir vom Platzregen überrascht, dem einzigen aus dem Dauerschauer, den der Wetterbericht für das Wochenende vorhergesagt hatte.
Abends hatten wir uns mit Freunden von Amber in einem belgischen Restaurant verabredet. Vorher verschleppte ich die zögerliche Ellie aber noch auf eine lokale Salsaparty, die ich ausgekundschaftet hatte. Es stellte sich heraus, dass die gleiche Band spielte, die eine Woche vorher in Portsmouth am Meer gewesen war. Wir hatten nur eine halbe Stunde bis zur Tischreservierung, aber mit wenig Zeit waren wir die ersten auf der Tanzfläche und wie immer hatte der Rest nur darauf gewartet.
Zum Schluss noch ein Nachtrag: ein Video des Chors zur Eröffnung des Eldon Gebäudes Ende Mai. Ich bin in der ersten Minute zu sehen und etwas zu hören.
http://www.port.ac.uk/uopnews/2014/06/02/flash-mob-university-choir-help-open-building/
| Zwanzig Minuten Fußweg zur Kathedrale. Ellies Schwester wohnt im linken der zwei mittigen Häuser. |
| Ein Garten in einem verfallenen Teil des ehemaligen Kloster, dass bis zur Reformation der Kathedrale angeschlossen war. |
| Zwei Gebäude eines anderen alten Klosterkomplexes, an beiden Seiten des Flusses. |
| Bootstour auf dem Fluss Stour. |
| Ein Garten im Zentrum, der weder Ellie noch ihrer Schwester bekannt gewesen war. |
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