Mittwoch, 11. Juni 2014

Sommerferien

Seit dem 8. Juni ist wirklich und versprochen Schluss mit Auftritten jedweder Art, ob Chor oder Tango, alle Proben sind vorbei. Man hat die Wochenenden wieder, den Sommer frei - unvermittelt denkt man an Sommerferien.

Singen 1
Das letzte Mal gesungen haben wir anlässlich der Eröffnung des neuen Fakultätsgebäudes für alles Kreative wie Architektur, Film und Computeranimation. Der Chor mischte sich dazu beim Empfang in unverfänglicher Kleidung unter die Damen und Herren Offiziellen und geladenen Gäste und begann auf Signal zu singen. Signal war eine gespielte Eifersuchtsszene auf der großen Treppe. Dahin schlenderten wir dann nacheinander singend und gaben einige spaßige Lieder zum Besten. Wie ich erst dort erfuhr, war das nur der Anfang einer ganzen Reihe Auftritte verschiedener Gruppen. Vor allem aber wurde das ganze Gebäude aufgemacht und alle Fakultäten stellten Abschlussarbeiten vor. Mich hat vor allem die Kunstgallerie begeistert, die von Größe und Qualität locker das wenige Normalangebot vor Ort in den Schatten stellt. Bezeichnenderweise stand dort auch ein Grabstein, für das bald eingestellte Studium der feinen Künste, dessen Produkte man hier so stolz zeigte. Nach einer Woche geht alles nach London, dann ist wohl Schluss.

Ausflug 1
Und nun beginnt leider die lange Durststrecke...kein Chor bis September. Gesangsstunden sind schön und gut, aber nicht der gleiche Spaß. Natürlich hat es auch sein gutes, nicht zuletzt habe ich merklich mehr Zeit und komme plötzlich wieder dazu, Sachen zu machen und Pläne zu schmieden. Am Folgetag, Sonnabend, habe ich mit Mathieu und zwei seiner Freunde zum Bespiel einen schnellen Radausflug in den Neuwald gemacht. Wir sind an den gleichen Bach wie beim letzten Mal gefahren, dessen Wiesen immer noch ziemlich feucht waren. Mir hat das aber richtig Spaß gemacht, durch den Modder zu fahren und abseits der Wege Pfade durch den Wald zu suchen.

Tango 4
Den Abend konnte ich aber nicht mehr mit ihnen verbringen, denn am nächsten Tag war der vorletzte Tangoauftritt, diesmal in Winchester. Das wurde der bis dahin beste und entspannteste, jeder kannte den Ablauf jetzt gut genug und wusste instinktiv, dass es gut gelaufen war. Dann kann man sich auf die Show konzentrieren, die Spannung auf der Bühne und das Tanzen richtig genießen. Und jedes Mal baut man seine Rolle nach etwas aus, hat eine neue Idee - jetzt denke ich fast, hätten wir doch noch ein paar Auftritte mehr. Aber nur noch einmal, in London. Unser Lehrer hat übrigens hier einen Zusammenschnitt unserer Show in Portsmouth veröffentlich. Wir waren alle überrascht - sieht besser aus, als es sich anfühlte. Wer sieht mich an meiner Bar?

https://www.youtube.com/watch?v=ej_nXSQo4UE

D-Day
Als ich vor einer Woche ins D-Day Museum gegangen war, hatte ich gar nicht an den nahenden 70. Jahrestag gedacht. Nachdem ich dort erfahren hatte, wie wichtig Portsmouth in der Operation war, überraschte es mich dann aber auch weniger, wie viel hier lokal veranstaltet wurde. Einige der Bilder, die ihr gesehen habt, kamen direkt aus Portsmouth. Die große Feierei ging am 5. Juni los, mit Paraden und königlichen Hoheiten in Uniform am Meer, und vielen der immer weniger werdenden Veteranen, von denen einige im Anschluss in die Normandie übersetzten. Die Marineinfanterie stellte eine Landung nach und befreite die Strandpizzeria. Das habe ich natürlich nur auf Pressefotos gesehen, denn es war Arbeitstag. Der Höhepunkt war allerdings auch von meinem 10 Kilometer entfernten Büro zu sehen: die Kunstfliegerstaffel der RAF, die Roten Pfeile, zogen über die Hügel des Binnenlands auf Portsmouth zu und veranstalten eine grandiose Show im wolkenlosen blauen Himmel über der Meerenge zwischen Stadt und Isle of Wight. Alle standen an den Fenstern im dritten Stock und staunten, wie sie ihre enge Formation auch in bei schärfsten Manövern hielten. Die lokale Komponente gab dann auch dem alten Film "Der längste Tag" eine andere Note, den ich mit Mathieu am Freitagabend auf der großen Wiese am Meer sah. Als Deutscher ist mir die öffentliche Darstellung von Militär eher gewöhnungsbedürftig, aber als die Menschen einen vorbeikommenden Veteranen applaudierten, fand ich das gut.
Ebenso weiß ich nicht, wie angebracht eine Art Festwiese mit Fressständen ist. Aber ohne Zweifel war der folgende Abend schön, als neben Mathieu einige Tangoleute zu einem Konzert auf selbiger Wiese kamen. Mit einem unserer Mädchen habe ich getanzt, die Menschen ums uns herum applaudierten.

Video: Kunstflieger in Portsmouth
Bilder:  http://www.bbc.co.uk/news/uk-27700479
http://www.bbc.co.uk/news/uk-27717257


Tango 5 Tags darauf ging es schließlich nach London, zu unserer letzten Show. Die beste, wie sich herausstellte, auf der winzigsten Bühne, mit dem freundlichsten Publikum, am Leiceste Square. Zur Feier des Tages wurde an meiner Bar diesmal echter Wein ausgeschenkt. Dabei war die Anfang stressig, es blieb kaum Zeit zum Proben, aber schließlich kannten wir alle unsere Aufgaben gut genug, dass es wie von selbst lief, jeder war in Position wann er musste, ein schönes Gefühl ist das, wenn alles scheinbar läuft wie ein Uhrwerk. Auch ich brachte wohl meine beste Leistung. Nun bedauern wir eben alle, dass es keine weiteren Auftritte mehr geben soll. Da kam tags die Nachricht, vielleicht gibt es doch noch einen, Ende September in September, zu einem städtischen Tanzfestival.

Ausflug 2
Die eingangs erwähnte Zeit habe ich nach der letzten Tangoprobe genutzt, ein noch unbekanntes Stück Portsmouth zu erkunden. Die nördliche Grenze zwischen Insel Portsmouth und Festland wurde im 18. Jahrhundert befestigt, nach der Aufgabe der Forts wurde das zu einem Grüngelände, welches ich täglich vom Zug aus sehe. Das interessierte mich einerseits, weil es hier ja kaum Parks gibt. Andererseits haben alte Backsteinanlagen auf mich ohnehin ihren Reiz. Entlang dieser Wassergräben bin ich einen Abend langgefahren, allein, wie in alten Zeiten. Als erstes fand ich einen Wasserskiclub, der sich in einem ungenutzten Graben Rampen für seinen Sport gesetzt hat. Weiter östlich wird das Gelände richtig waldartig und obwohl direkt nebenan Schnellstraße und Autobahn verlaufen, ist einiges an Vogelleben vorhanden, die in Schilf und Wasser ihre Runden ziehen.

Im übrigen werde ich nach der Wahl im Stadtrat jetzt offiziell von der UKIP vertreten werde.


Im Saunabus nach London. Und da hatte ich noch nichtmal Kostuem an. Vorn rechts unser Lehrer, Flavio.



Meine Requisiten sind mehr ans Herz gewachsen.
Buehnenaufbau in London. Ich richte meine Bar ein.

In der Pause hinter der Buehen - alle bereit fuer die naechste Nummer.
Auf dem Weg nach Hause nach dem letzten Auftritt.

Die juengeren von uns gingen schliefen uebrigens als erste ein.
Man sieht noch meine Augenschminke.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen