Sonntag, 12. Januar 2014

Vorsätze

In Deutschland von Sonne und einem wunderschönen Abendrot verabschiedet bekam ich in England als erstes eine Handvoll Regen ins Gesicht. Sturm und Überflutungen waren noch aktuell. Portsmouth ist wieder vergleichsweise glimpflich davon gekommen, aber der Parkplatz am Tragflächenboot ist halb unter Wasser, das Boot selbst mit meinen Fahrern immer wieder abgesagt und die Straßen am Meer teilweise gesperrt, weil die Wellen mächtig gegen die Mauern schlagen. Als Hintergrund zum abendlichen Joggen am Strand ist es aber sehr gut.
In anderer Hinsicht bin ich gut angekommen. Nachdem ich im Urlaub soviel Lektüre geschafft habe, habe ich ja wider besseren Wissens eine ganze Reihe Bücher mitgenomen. Tucholsky's Sammelband ist fast fertig, jetzt lese ich eine kleine Einführung in die Philosophie der Logik und daneben Kasias Weihnachtsgeschenk, "Unschuld" von Pierre Magnan. Ellie hat Deutschlehrbücher bekommen, aber bisher sehen sie noch unbenutzt aus. Sie schnappt dafür sehr schnell gehörte Worte auf. Sie hat ein erstaunliches Gedächtnis für Klänge und Wörter, ist aber keine systematische Lernerin. Auch im Chor singt sie nach akustischem Gedächtnis, ich muss Noten lesen.
Selbiger Chor hat mit dem neuen Semester begonnen. Wie im letzten Frühlingssemster ist er ein gutes Stück kleiner, denn wir singen modern. Diesmal gefällt es mir aber gleich von Anfang an. Es sind drei Stücke der britischen Komponistin Cecilia McDowell. Die lebt sogar noch und hat die Ehrendoktorwürde der Uni Portsmouth bekommen. Daher soll sie auf dem Konzert am 22. März höchtselbst sprechen und soll im Februar wohl einmal eine Probe besuchen.
Es gab eine große Veranstaltung in den historischen Docks (wo auch mein Weihnachtsmarkt war). Das BBC Programm 'Stargazing' (Sternegucken), eine Art Wanderzirkus, inspiriert von den populären Wissenschaftssendungen des Prof. Brian Cox, machte Halt. Ellie und ich haben unabhängig voneinander zufällig Karten gekriegt. Leider haben wir es dann nicht auf die Reihe gekriegt, uns da auch zu finden. Das Programm war mehr an Kinder gerichtet, als man aus den Sendungen vermutet hätte. Aber allgemein unterstütz ich den Trend leidenschaftlich, Wissenschaft cooler zu machen. Schließlich habe ich selbst soviel zu lernen. Und neben den Spielchen für Kinder hatte ich immer noch eine gute Zeit mit den Teleskopen, die auf dem Deck des alten Panzerseglers Warrior aufgestellt waren. Da kommt man sonst auch nur für viel Geld rauf.
Weitere Fortschritte: ich habe nach einem Rezeptvergleich mit Friedemann über Weihnachten die Mehleffizienz beim Brotbacken fast verdoppelt! Und mit Mathieu bin ich in die lokale Schwimmhalle gegangen. Zwar wurden alle Hoffnungen untergraben, dass ich durch den Sommer ein besserer Schwimmer geworden wäre, aber als kurze Erholung vom Büroalltag ist es für den Preis sehr gut und soll wenn möglich wöchentlich geschehen.

Auf der Arbeit beschäftigt mich die anstehende erste Veröffentlichung des Projektes, an dem ich ja seit letztem Februar arbeite. Das ist einmal die Datenbank selber, an der jetzt neben den reinen Daten viele Benutzerdokumente vorbereitet werden, die auch Laien den Zugang vereinfachen sollen. Außerdem bereite ich einen Stand mit Plakat und Broschüren für eine interne Konferenz Ende Januar vor. Das macht mir großen Spaß, weil ich da einmal mit Formen und Farben rumspielen kann. Unabhängig davon gibt es Nachfragen nach Wiederholungen eines Vortrags über Minderheitenkulturen, den ich mit einem Kollegen vor einiger Zeit für unsere Umfrageklinkenputzer gehalten hatte. Dort bahnen sich vielleicht einige Dienstreisen in anderen Standorte an.

Am kommenden Wochenende soll nun eine Reise mit Mathieu's portugiesischen Freunden aus Swindon stattfinden. Mit denen waren wir schon in Portsmouth und Stonehenge unterwegs. Jetzt geht es in die Region knapp östlich von Cornwall. Selbstverständlich habe ich viel mehr Pläne, als das Jahr Wochenenden hat. Außerdem wollte ich dieses Jahr Prioritäten setzen und ruhiger leben.

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