Ein Wochenende nach dem
gemeinsamen Ausflug nach Winchester hatten wir uns in noch größerer
Besetzung zum Besuch der Sieben Schwestern verabredet. Das ist ein
Naturpark um eine Formation von sieben weißen Kreideklippen am Meer
östlich von Brighton. In Brighton selbst war ich das letzte Mal im
Herbst mit Monika und einigen Gästen gewesen.
Mathieu und ich wurden
von Carla abgeholt, einer Portugiesin aus dem Ort Swindon
nordwestlich von Southampton. Das Pärchen aus Southampton, mit dem
wir letzte Woche unterwegs gewesen waren, trafen wir in Brighton. Der
Samstagmorgen war sonnig und ich nahm meinen Dreispitz auf seinen
ersten großen Einsatz. Nach einem Mittagessen aus Fish and Chips an
der windig kalten Küstenstraße erreichten wir die Sieben Schwestern
relativ spät und kamen über schlammige Wege erst kurz vor
Sonnenuntergang an den Strand. Das war aber schöne Abendstille
zwischen zwei Hügeln und Vogelbrutgewässern und erinnerte mich an
die Ostsee, als der Weg einen immer näher an das Rauschen der
Brandung führte. Wie bereits früher bemerkt wirkt das Meer bei
Brighton viel größer, weil der Blick zum Horizont nicht von der
Isle of Wight begrenzt wird.
Bei Dunkelheit gingen
wir zurück in Brighton mit einer portugiesischen Freundin Carlas in
ein kleines Konzert und anschließend durch ein, zwei Pubs und nach
Mitternacht ganz kurz tanzen mit einigen gruseligen Gestalten zu den
Hits der 80ern.
| Einige der Schwestern im Hintergrund. |
| Kurz vorher hatte die Sonne die Klippen noch strahlend weiß gemacht. |
Brighton ist in Sachen
Nachtleben Portsmouth ganze Dimensionen voraus, sein Ruf zieht
Unmengen Nachtschwärmer aus dem nahen London zu Spaß am Meer. Auch
lässt sich der Ruf als hippes Pflaster nicht bestreiten. In den
dekorativ und musikalisch tollen Kneipen hielt nur Platzmangel mein
Tanzbein still und ich habe zum ersten Mal gut angezogene
Engländerinnen gesehen, was ich ihnen auch gerne gesagt habe.
Andererseits habe ich auf dem Weg nach Hause auch die bisher
schlimmsten Exzesse an systematischer Selbstzerstörung gesehen, und
leider bewohnten einige davon die Nebenzimmer unseres Hostels.
Am diesigen Sonntag
suchten wir uns ein spätes Frühstück in den bunten Straßen des
Hippieviertels und den „Gassen“, dem zentralen Gelände für
Besucher mit Läden und Gastronomie. Auf der Rückfahrt nach
Portsmouth hielten wir auf mein Betreiben noch in Arundel an, einer
kleinen Stadt, deren massive Burg und katholische (!) Kathedrale
Monika und mir seinerzeit von der Autobahn ins Auge gefallen war.
Nach diesem Wochenende mit lauter Leuten in meinem Alter konnte mich
zum ersten Mal seit meiner Ankunft hier betrachten und für fast
ausgeglichen empfinden.
Mitte Februar besuche ich wieder Kalina zu einem Maskenball, weshalb ich mir das vorhergehende Wochenende kategorisch zur Erholung freigehalten habe.
In den wenigen freien
Momenten allein habe ich Riekes Weihnachtsgeschenk ausgelesen.
Interessanterweise wurde das gleich von einer Art verspätetem
Geschenk in einem geheimnisvollen Paket ersetzt. Über die Feiertage
hatte ich mich in Templin mit Friedemanns gläubiger Schwester über
Existenz und Natur der Hölle unterhalten. Das hat sie scheinbar zum
Anlass genommen, mit Informationsmaterial aus ihrer Gemeinde zukommen
zu lassen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen