Donnerstag, 30. Mai 2024

Dieses Wochenende war mal wieder lang. Samstag sind wie zum Dell gefahren, dem Zeltplatz mit Bar und Wiesen in den South Down, wo wir in den letzten Wochen mehrmals gewesen waren.

Wir versuchen Ottos Bildschirmkonsum einzuschraenken. Im Bett gucken wir ja seit geraumer Zeit Maus-Videos. Das versuche ich jetzt weniger zu machen und ihm stattdessen wieder mehr vorzulesen. Ich habe richtige Maerchen ausprobiert; bisher hoert er tatsaechlich recht lange zu.

Ausserdem bringen wir Otto eine Stunde spaeter ins Bett. Wir hatten das Gefuehl, dass er einfach noch nicht muede genug war, und ich lag ewig bei ihm rum. Das ist ganz angenehm, weil Ellie und Sebastian schon im Bett sind, und ich mit Otto alleine bin. Bisher hat er jeden Abend Lust auf Memory.

Dann bekam Sebastian die naechste Erkaeltung und es wurde zu schwierig, Plaene um seinen Schlaf herum zu bauen. Ich habe Otto soviel wie moeglich rausgenommen, auf den Spielplatz und ans Meer. Das war dann auch angenehm. Ich denke seit langer Zeit, dass ein grosser, starker Junge wie Otto mindestens den halben Tag draussen rennen muss. Und wenn er das macht, ist er auch sehr viel ausgeglichener und einfacher im Haus. Natuerlich half es auch, dass er zu jeder Zeit einen Erwachsenen ganz fuer sich hatte. Beide Kinder brauchen eigentlich jederzeit einen vollen Erwachsenen. Nur Ellie und ich sehen uns nur, wenn wir Kinder tauschen.


Sebastian

  • ... lernt das Konzept "werfen". Fuchtelt begeistert mit seinen kleinen Aermchen rum, auch wenn er gerade nichts in der Hand hat
  • bewegt sich auf nur noch einmal Schlafen pro Tag zu

Otto

  • ... wurde in der zweiten Wochenhaelfte wieder schwierig. Irgendwas macht ihm Sorgen; eins ist sicherlich die Schule, aber man weiss nie was da wirklich los ist. Nur ist er dann viel schwieriger, schreit, schlaeft schlecht. Alles normal. Hoffentlich. Ich kann mich der Sorgen um ihn einfach nicht erwehren.
  • ich lese ihm abends laengere Geschichten vor. Er hat genuegend Konzentration, und es hilft ihm hoffentlich einzuschlafen
  • hat beim Memory Spielen die Ausdruecke "knapp deneben" und "Kopf an Kopf" gelernt

Sonntag, 19. Mai 2024

Die vergangene Woche war sehr schwierig. Sebastian ist ploetzlich krank geworden und hat lange zur Erholung gebraucht. Jeden Tag bruellte er ewig und ohne erkennbaren Grund; Ellie war mehrere Tage mit ihm im Schlafzimmer eingesperrt.
Meine Nerven sind schon seit langer Zeit schwach und versagen schon bei geringen Belastungen. Diese Woche ging es mir wirklich schlecht. Ich habe mich richtig hoffnungslos gefuehlt. Im Rueckblick scheint die Situation nicht mehr so schlimm, aber so ist es halt heutzutage.

Waehrend Ellie weggesperrt war, blieb alles weitere an mir haengen. Otto, der Haushalt; die Arbeit eher nebenbei. Da muss ich ordentlich Stunden nachholen. Erst musste ich Otto erklaeren, dass er seine Mami nicht sehen kann und das war furchtbar. Dann gab er sich erkennbare Muehe zu helfen, und das tat mir fast noch mehr leid.

Und es hat unser Grundproblem wieder offen gelegt: wir haben einfach nicht genug Haende. Es reicht einfach nicht. Wenn alles in Ordnung ist, kommen wir mit viel Muehe, guter Organisation und Glueck gerade so hin. Sobald einer von uns ausfaellt reicht es einfach nicht. Die Kinder kotzen und pullern in die Betten und niemand hat Zeit das zu waschen. Zeitweise hatten wir nicht genug Decken fuer alle und auch nichts mehr zu essen im Haus.

Man rennt und rennt; zur Kita, zur Arbeit, wieder ins Bett; man hat nie Pause oder Zeit fuer sich, und trotzdem kommt alles zu kurz. Es war eine absolute Misere. Aber vor allem voellig normal. Das wird immer wieder so sein.

Und waehrend ich Ellie vorher selten gesehen hatte, sah ich sie jetzt ueberhaupt nicht mehr. Ich fuehle mich manchmal einfach einsam, waehrend ich im gleichen Haus sitze wie meine Frau.

Uns rettet nur Ellies physische und psychische Kraft. Ich habe keine Ahnung wie sie das aushaelt.

Samstag, 18. Mai 2024

Maifeier in East Meon

Am Samstag bin ich mit Otto zur verspaeteten Maifeier in Dorf East Meon gefahren. Da hatten wir letztes Jahr schon einen sehr schoenen Tag gehabt, den Ellie nicht mitmachen konnte, und auch dieses Mal musste sie zur Krankenpflege zu Hause bleiben.

Vor einem Jahr hatte ich Otto versprochen, dass wir am Modellbootrennen im Dorfbach teilnehmen. Ich hatte auch ein Boot aus Holz und einer Milchflasche gebaut. Leider viel zu schwer und war letztes; Otto war sehr wütend. Anschliessend kam er auf seine Kosten: Huepfburg, zweimal Traktorzug, ein Eis, Wett- und Eierlauf. Letzteres nicht viel erfolgreicher als letztes Jahr. Ich gewann fuer Ellie in der Tombola einen Gutschein. Und fuer mich selbst wollte ich einfach nur in Ruhe Kuchen und Tee von den Dorfomas haben. Otto hat mir fuenf Minuten zugestanden, zum Preis von Teilhabe am Kuchen.

Unsere neuen Bekannten von der Bundesmarine kamen auch, aber unsere jeweiligen Kinder liessen uns nicht wirklich kommunizieren. Und East Meon und die South Down im Mai sind wunderschoen.

Auf dem Weg nach Hause haben wie wir aufgrund des schoenen Wetters noch auf einem Spielplatz auf dem Land angehalten. In der Abendsonne tat mir wieder leid, dass Otto nicht mehr Felder zum Rennen hat.

Sebastian Nachrichten

  • ist sehr aktiv und kommunikativ. Neuer Laut "da da da" deutet zusammen mit Fingerzeig Objekte an, die er haben will
  • ist fasziniert von rotierenden Dingen wie Deckenventilator und Waschmaschine
  • freut sich, dass er Sachen werfen kann. Imitiert dann das Landegeraeusch mit "ts"

Otto Nachrichten

  • Ellie berichtet, dass Otto in letzter Zeit mehr mit Kindern zusammen spielt. Ein Freund von ihm war letztens zu Besuch und Otto hat mit Begeisterung mit ihm gespielt

Johannes Nachrichten

  • Ich habe das Honecker Buch ausgelesen. Lese als naechstes vielleicht Michelle Obamas Buch, oder eins ueber Herbert Wehner. In der Zwischenzeit konsumiere ich Paul Temple Geschichten. Sowohl Buecher als auch Hoerspiele.
  • ... letzteres im Dunkel in Sebastians Bett, weil die meisten Abende nur zehn Minuten dauern






Samstag, 11. Mai 2024

Samstag sind wir sind wieder aufs Land gefahren, auf diesen schwer zu beschreibenden Ort mit einer Wiese plus Cafe und Sandkasten ("The Dell"). Otto sagt er liebt diesen Ort. Otto spielt im Moment damit seine Gefuehle auszudruecken und nicht alles davon ist ernst gemeint. Aber ich glaube es tut ihm wirklich gut auf einer gruenen Wiese mit Gaensebluemchen rumzurennen. Ich habe immer gesagt, dass ein großer Junge eigentlich den ganzen Tag rennen muss.

Sonntag hatte die Jungs ein paar Stunden allein. Zufaellig haben wir auf einem Spielplatz eine deutsche Familie getroffen. Genauer gesagt, einen Marinesoldaten, der ein paar Jahre mit der Royal Navy faehrt und mit Frau und Kind ganz in der Nähe von uns wohnt. Kennt auch Warnemuende ueber den Marinestuetzpunkt. Vielleicht treffen wir uns mal; waere gut wenn Otto mehr Deutsch hoert. Ich habe ihm bei der Gelegenheit für seinen Dienst gedankt. So ändern sich die Zeiten. Ich würde heute nicht mehr Zivi machen.

Otto gewinnt Memory

zwei Scheunendrescher


Montag, 6. Mai 2024

Tanz in den Mai

Wir hatten mal wieder ein langes Wochenende.

Samstag sind wir alle in die South Downs gefahren. Haben eine Art Cafe auf freiem Feld ausprobiert, und danach einen Pub mit kindergerecht abgesicherten Spielplatz im sehr schoenen Dorf East Meon.

Sonntag war kein schoener Tag. Schwierige Kinder, schwere Arbeit von morgens bis abends.

Montag war dafuer besonders schoen: es war der Maifeiertag und das Freilichtmuseum Little Woodham in Gosport veranstaltete eine traditionelle Maifeier. Zur Erinnerung, dort betreiben Freiwillige ein Dorf wie von 1642, mit echten Haeusern und Kostuemen. Und jetzt kamen noch Morris Taenzern und ein Maibaum dazu.  Erstere brachten Musiker und einen Gruenen Mann mit, der Schabernack machte. Unter letzterem wurde getant - erst fuer Kinder, dann auch Erwachsene. Mir hat das grossen Spass gemacht, aber zu meiner Freude auch Otto. Nicht zuletzt, weil er dann selbst sagte, dass er nun muede sei.

Sebastian Nachrichten

  • neue Hobbys
    • Sachen in anderen Sachen stecken: Stock in Loch und Schale in andere Schale oder die Zahnbuerste in Papas Mund
    • winken
    • Bilder an der Wand anfassen
  • ist ein grosses froehliches Baby.
  • Ellie sagt er entwickelt sich ploetzlich sehr schnell. Steht ohne Hilfe, isst mit Gusto, krabbelt staendig zu Otto, was den zunehmend nervt
  • benutzt vermutlich konkrete Laute fuer Mami und Papa
  • Mag den Strand. Versteht das Konzept "Stein fällt ins Wasser"; macht Armbewegung und Geraeusch nach

Otto Nachrichten

  • Otto geht es wieder besser. Die ganze Woche ueber hatte er still, lustlos und niedergeschlagen gewirkt. Und eines Morgens schien er einfach wieder der alte zu sein.
  • bleibt aber sehr anhaenglich
  • fragt viel ueber die Zukunft. Und, was "tot" bedeutet.
  • Hat Memory fuer sich entdeckt. Anfangs habe ich nur die Haelfte der Karten benutzt. Aber er schafft das gesamte Set.

Johannes Nachrichten

  • mein Nervenkostuem bleibt duennhaeutig. Ich komme allgemein klar, aber schon kleine Belastungen wirken stark auf mich ein. Ist Otto schwierig, heule ich vor Angst, was in ihm stecken mag. Ist alles gut, heule ich einfach so, vor Erleichterung. Immer abends, wenn ich alleine aufs Sofa falle, und der gesamte Stress abfaellt... aber dann muss ich den Saustall aufraeumen.
  • Arbeit. erste Woche positiver Gesamteindruck. Sehr viel ist im Fluss. Mein Chef geht bald, andere Chefin uebernimmt.
  • Ich lese die Honecker Biographie jetzt endlich konsequent und mit grossem Interesse. Meine Motivation stieg als mir klar wurde, das das letzte Drittel des Buches nur die Quellenangabe ist.
  • Ich sehe Ellie weiterhin nicht. Sie kommt abends durchschnittlich dann aus dem Schlafzimmer, wenn ich endlich alle Hausarbeiten erledigt habe, und fuenf Minuten spaeter gehe ich hoch, weil Sebastian sofort aufwacht. Dann "sehen" wir uns nochmal, wenn ich ihn ihm Dunkeln wieder an sie uebergebe.