Fürs Gewissen
Am 8.6. bin ich zu einer Jobbörse an der Uni Leeds gefahren. Bis zuletzt haderte ich, ob es das Geld wert ist, aber am Ende war die Börse doch nicht ganz so sinnlos wie erwartet, vor allem habe ich neben den üblichen Hochglanzbroschüren und Kugelschreibern massiv gratis Schokolade eingesackt. Einige Erkenntnisse über das englische Bildungssystem. Hier geht man nach der Uni nochmal einige Jahre in die Lehre bei der Firma seiner Wahl. Erst da wird man dann richtig für seine Arbeit ausgebildet, Buchhaltung oder Recht, faktisch im Dualen System, egal ob man vorher Geographie oder Philosophie studiert hat. Kein Wunder also, dass den Personalleuten hier die Studienrichtung nicht so wichtig ist. Kostet natürlich gut so eine Ausbildung. Die Bewerbungsfristen erklären auch, warum man auf solchen Messen vor allem Leute sieht, die noch zwei, drei Jahre bis zum Uniabschluss haben, und vielleicht auch, weshalb denen soviel Freizeit gelassen wird. Für mich sind solche Kurse natürlich zu spät, aber ich habe ohnehin nicht vor, jetzt nochmal drei Jahre zu lernen.
Für den Körper
Allgemein hat es mir sehr gut getan, einen Tag unterwegs zu sein, die Beine zu gebrauchen und vor allem mit Leuten zu sprechen. Kaum zu glauben, ich konnte sogar wieder ganze Sätze bilden und nach einiger Zeit Leuten kurz meine Situation schildern und ihnen die Informationen entlocken, die ich wollte. Kann ich auch gut gebrauchen wenn mich meine Arbeit wirklich in die Richtung lenkt, wo ich viel mit Menschen zu tun habe. Es scheint meine Ausbildung ist doch nicht ganz hoffnungslos, zumindest sagen einem das die Personalfuzzies, aber das ist vermutlich ihr Job.
Nach der Messe habe ich noch etwas die Unibibliothek genutzt. Der Campus Leeds ist im übrigen noch miefiger als unsere 60er Jahre Bauten, vermutlich zur gleichen Zeit entstanden. Nachmittags bin ich noch kurz mit einer neuen polnischen Bekannte aus der Nähe von Lodz auf einen Kaffee. Leeds war doch langweiliger als ich es in Erinnerung hatte, das ganze Zentrum besteht praktisch nur aus Einkaufszentren. Aber da Agnieszka sich im Gegensatz zur gewöhnlichen Polonia für mehr als Sonderangebote interessiert, konnte sie mir die lohnenderen Orte zeigen und einiges über die Stadt erzählen. An einigen renovierten Fabriken wie der Kunstgallerie fühlt man sich fast ein wenig an Lodz erinnert.
Für den Geiste
Am 10.6. habe ich in der Nachmittagspause seit langem wieder ein Yorker Museum besucht. Dabei handelte es sich um das im Stadttor Micklegate (wobei „gate“ offenbar vom Altnordischen gata stammt, ein Erbe der hunderjährigen Wikingerherrschaft in York), das letzte vor Ort, was ich wirklich sehen wollte. Eine Etage behandelte die Funktionen und Bewohner des Tors, die zweite die Schlacht bei Towton, die mir selbst kein Begriff war. Dort wurden die 30 Jahre dauernden Rosenkriege entschieden, der erste von zwei waschechten englischen Bürgerkriegen. Es handelt sich dabei also um eine weitere wichtige Schlacht in der unmittelbaren Umgebung von York. Andere sind Stamford Bridge (wo der letzte angelsächsische König die Wikinger schlug, nur um drei Tage später bei Hastings gegen die Normannen zu fallen) und Marston Moor (ein entscheidender Sieg Cromwells im zweiten englischen Bürgerkrieg). Schloss Howard ist bis auf weiteres verschoben; das Wetter wird nicht besser und ich habe in Leeds und dem Museum genug Zeit investiert.
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